Großbritannien: Verdächtige russische U-Boote im Nordatlantik

Sabotageakte vorbereitet?:Großbritannien: Verdächtige russische U-Boote im Nordatlantik

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In der Ostsee kämpfen Anrainerstaaten schon länger gegen erhöhte Aktivitäten Russlands - auch unter Wasser. Nun meldet Großbritannien verdächtige U-Boot-Fahrten im Nordatlantik.

Russische U-Boote sollen im Nordatlantik Sabotageakte vorbereitet haben. Ein Kriegsschiff und ein Flugzeug der britischen Royal Navy hätten die U-Boote daraufhin überwacht.

Russische U-Boote sollen im Nordatlantik Sabotageakte vorbereitet haben. Ein Kriegsschiff der britischen Royal Navy und Flugzeuge hätten die U-Boote daraufhin überwacht, berichtet Großbritannien.

09.04.2026 | 1:11 min

Russland hat nach Angaben Großbritanniens und Norwegens versucht, mit U-Booten im Nordatlantik Sabotageakte vorzubereiten. Die britischen und norwegischen Streitkräfte hätten gemeinsam mit anderen Partnern die verdächtigen Aktivitäten an Unterseekabeln und -pipelines nördlich von Großbritannien einen Monat lang beobachtet, bis das russische Angriffs-U-Boot und zwei Spionage-U-Boote schließlich die Meeresregion verlassen hätten. Das berichtete der britische Verteidigungsminister John Healey am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. In Richtung Russlands erklärte er:

Wir beobachten Ihre Aktivitäten an unseren Kabeln und Pipelines, und Sie sollten wissen, dass jeder Versuch, diese zu beschädigen, nicht toleriert wird und schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen wird.

John Healey, Britischer Verteidigungsminister

Hunderte Soldaten überwachten Aktivitäten

An dem Einsatz waren laut Healey eine Fregatte der britischen Marine, Flugzeuge und Hunderte von Soldaten beteiligt. Die U-Boote hätten "Übles" im Schilde geführt, seien aber rund um die Uhr überwacht worden, sagte er. Sein norwegischer Amtskollege Tore Sandvik bestätigte die Präsenz der russischen U-Boote. Beide Staaten gaben an, dass die dem russischen Militär zugerechnete Hauptdirektion für Tiefseeforschung (Gugi) für die Operation zuständig war.

Diese Aktivitäten machten deutlich, dass Russland seine Fähigkeiten zur Kartierung und Sabotage kritischer westlicher Infrastruktur in den Tiefen der Ozeane weiter ausbaue, teilte das norwegische Verteidigungsministerium mit.

Die russische Botschaft wies nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Tass sämtliche Vorwürfe zurück. Eine Stellungnahme der Regierung in Moskau lag zunächst nicht vor.

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Healey: Russland größte Gefahr für Großbritannien

Verteidigungsminister Healey erklärte, die U-Boote dienten dazu, Anlagen unter Wasser zu vermessen und im Konfliktfall zu sabotieren. Die U-Boote seien in der exklusiven Wirtschaftszone des Vereinigten Königreichs aktiv gewesen, die sich 200 Seemeilen (370 Kilometer) vor der Küste erstreckt, jedoch nicht in den britischen Hoheitsgewässern. Inzwischen hätten sie die Gewässer in Richtung Norden verlassen, Hinweise auf Schäden an der Infrastruktur lägen nicht vor.

Der Minister betonte, dass Russland immer noch die größte Gefahr für Großbritannien und dessen Verbündete darstelle, auch wenn derzeit der Fokus der Weltöffentlichkeit auf den Iran gerichtet sei. Der russische Präsident Wladimir Putin wolle, dass man sich vom Nahen Osten ablenken lasse. "Wir werden Putin nicht aus den Augen lassen", sagte Healey.

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Russland will Schattenflotte mit Kriegsschiffen schützen

Unterdessen ließ Russland verlauten, man werde Maßnahmen zum Schutz seiner Interessen ergreifen, unter anderem unter Einsatz von Kriegsschiffen. Das sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der russischen Agentur Interfax zufolge. Russland hatte zuvor angekündigt, seine Öltanker bei Gefahr einer Beschlagnahmung durch andere Staaten von der Kriegsmarine begleiten und schützen zu lassen.

"In den letzten Monaten waren wir Zeugen wiederholter Fälle von Piraterie in internationalen Gewässern", sagte Peskow. Demnach "haben diese Fälle von Piraterie unter anderem auch den wirtschaftlichen Interessen der Russischen Föderation geschadet". Der Kremlsprecher reagierte damit auf Berichte Londoner Medien, nach denen die russische Marine zwei Tanker vor der britischen Küste eskortiert habe.

Immer wieder kommt es zu Zwischenfällen mit russischen U-Booten und Schiffen. Mit Schiffen der sogenannten Schattenflotte versucht Russland außerdem, die von den westlichen Alliierten im Verlauf des Ukraine-Krieges verhängten Sanktionen zu umgehen. Die Schiffe werden oft angehalten und überprüft. Sie standen in der Vergangenheit auch im Verdacht, am Meeresboden verlegte Kabel mutwillig zu beschädigen.

Quelle: AP, dpa
Über dieses Thema berichtet ZDFheute Xpress am 09.04.2026 im Beitrag "Briten überwachen russischen U-Boote" um 19:06 Uhr.

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