Zollstreit der EU mit den USA - hält nun der Frieden?

Analyse

Nach Trump-Ultimatum:EU setzt Zolldeal um: Wie lange hält der Frieden?

Ein Schaltgespräch mit ZDF-Korrespondent Andreas Stamm.

von Andreas Stamm

|

Wieder ist eine Streitrunde im Handels- und Zolldisput vorbei. Europa hat um die Zustimmung zum US-EU-Deal gerungen. Doch hält der Frieden, hält die Vereinbarung von Turnberry?

Frankreich, Straßburg: Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, trifft im Europäischen Parlament ei

Die EU und die USA haben sich auf den umstrittenen Zolldeal verständigt. US-Präsident Trump hatte mit höheren Zöllen gedroht. Die EU wird ihre Zölle auf US-Industriewaren abbauen.

20.05.2026 | 0:32 min

Eigentlich sollte der von Washington vom Zaun gebrochene Handelsstreit längst beendet sein, mit der Turnberry-Abmachung vom Juli 2025. Damals hatte US-Präsident Trump EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf seinen Golfplatz im schottischen Turnberry bestellt, allein das schon ein Affront. Und Trump machte klar: Die Europäische Union solle gefälligst 15 Prozent Zölle (im Schnitt deutlich mehr als zuvor) akzeptieren - und umgekehrt die EU ihre Forderungen auf die meisten US-Waren auf null Prozent senken.

Außerdem verpflichtete sich Europa zu Investitionen in die US-Wirtschaft und zum Kauf von amerikanischem Öl und Gas, für Hunderte Milliarden Euro. Teilnehmende Diplomaten sprachen später von einer Demütigung, die die EU ins Mark traf: Es waren keine Verhandlungen auf Augenhöhe, sondern ein US-Diktat.

Ulf Röller in Brüssel zum Zolldeal zwischen der EU und USA

Mit dem Zolldeal zwischen der EU und den USA habe man einen "Handelskrieg quasi verhindert", sagt ZDF-Korrespondent Ulf Röller. In Brüssel werde der Deal von einigen aber als "unfair" empfunden.

20.05.2026 | 0:57 min

Warum dennoch die Einigung? Trump drohte damit, jegliche Unterstützung für die Ukraine zu stoppen, was aus EU-Sicht eine Niederlage im Verteidigungskrieg gegen Russland wohl unvermeidlich machen würde. Also Sicherheit vor Wirtschaft - zumindest in dem Sinne, dass es nicht noch schlimmer kommt. Das war die EU-Formel, denn es standen Drohungen mit noch viel höheren Zöllen im Raum.

Warum es ein neues Ultimatum aus Washington gab

Bis zum 4. Juli gibt Donald Trump der EU nun Zeit, den Deal von Turnberry aus dem vergangenen Sommer endlich umzusetzen. Andernfalls komme eine Erhöhung der Zölle auf Autos aus der EU von aktuell 15 Prozent auf 25 Prozent - was deutsche Hersteller besonders hart treffen würde. Trump bezog auch Lkw in seine Drohung ein, für sie gilt aber ohnehin ein Aufschlag von 25 Prozent.

Der Vorsitzende des Handelsausschusses im Europaparlament, Bernd Lange (SPD), erklärt, Trumps Vorgehen zeige, dass es einen deutlichen Unterschied zwischen Europa und den Vereinigten Staaten gebe: Anders als in den USA gebe es hier einen demokratischen Prozess, auf den er sehr stolz sei.

Und in den USA entscheidet ein Mann willkürlich allein. Und das ist für mich völlig inakzeptabel.

Bernd Lange, Vorsitzende des Handelsausschusses des Europaparlaments

Gestapelte Container im Hafengebiet von Hamburg

Maximal 15 Prozent Zoll auf Exporte in die USA – das ist der Rahmen, der letzten Sommer verhandelt wurde. Bis 4. Juli müssen Details geklärt sein, dann endet Trumps Frist.

19.05.2026 | 2:18 min

Die Vereinbarung durchläuft gerade den EU-Gesetzgebungsprozess, was grundsätzlich dauert. Dazu drückte das Europaparlament einmal grundsätzlich die Pausentaste, als Donald Trump drohte, sich mit Grönland einen Teil eines EU-Staates einzuverleiben. Ansonsten sei man aber im normalen, festgelegten Zeitplan, heißt es in Brüssel.

Mit der Einigung der Vertreter der Mitgliedstaaten und des Europaparlaments sind nun die letzten Hürden auf europäischer Seite aus dem Weg geräumt, eine Umsetzung bis Anfang Juli gilt als Formsache.

Donald Trump

Ein US-Bundesgericht hat einen Großteil der von Präsident Trump verhängten Zölle für rechtswidrig erklärt. Eine Berufung ist möglich und wahrscheinlich.

08.05.2026 | 0:24 min

Wie sich die EU absichern will

Der nun gefundene Kompromiss auf europäischer Ebene umfasst sogenannte Schutzklauseln. So ist unter anderem vorgesehen, dass die EU-Zollzugeständnisse bei Verstößen der USA gegen Absprachen wieder ausgesetzt werden können - falls die USA wieder die Zölle erhöhen sollten.

Zudem hat der Deal nun ein Verfallsdatum, erklärt Bernd Lange: "Sollte sich bis zum 31.12.2029 zeigen, dass europäische Unternehmen geschädigt werden oder neue Ungleichgewichte entstehen, wird somit automatisch die Notbremse gezogen."

Eigentlich werde dadurch nichts Großartiges von der EU an der Vereinbarung mit den USA geändert, erklärt Sandra Parthie, Leiterin des Brüsseler Büros des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Es geht nur darum, dass man von europäischer Seite sicherstellen möchte, dass sich die amerikanische Seite an ihren Teil der Abmachungen hält. Nichts anderes wird verlangt.

Sandra Parthie, Leiterin des Brüsseler IW-Büros

sgs-börse

Die angekündigte Anhebung der US-Zölle auf Autoimporte sorgt für Verunsicherung in Wirtschaft und Finanzwelt. ZDF-Börsenexpertin Stephanie Barrett ordnet ein.

04.05.2026 | 2:22 min

Doch der US-Botschafter in Brüssel, ein Gefolgsmann Trumps, hat Anfang der Woche schon in einem Interview mit Politico erklärt, dass solche Schutzklauseln nicht akzeptabel seien. So behandle man keine Verbündeten.

Warum die EU Trump einen Bruch des Deals vorwirft

Es sind Aussagen, die die europäische Seele zum Kochen bringen. Die EU wirft Trump vor, den Deal bereits gebrochen zu haben, etwa indem er rund 400 Produktgruppen, die Stahl und Aluminium enthalten, mit Zöllen belegte. Die US-Regierung hat eine andere Lesart und erklärt, diese Produkte seien nicht Teil des Turnberry-Deals gewesen.

US-Flagge vor Arktischen Kommando auf Grönland

Der US-amerikanische Sondergesandte Jeff Landry ist in Grönland. Wie er sagt zum Zuhören und Lernen. Die Grönländer sehen eher einen Versuch der USA, deren Ansprüche auf die Insel zu untermauern.

19.05.2026 | 2:01 min

Europa beklagt außerdem, dass von Trump seit dem Deal immer wieder neue Drohungen kamen und Strafzölle nur von einem Urteil des Obersten Gerichtshofs in Washington gestoppt wurden. Das sei alles nicht im Geiste des Turnberry-Deals, so Bernd Lange. Die EU halte ihre Versprechen und den Zeitplan, ergänzt der EU-Parlamentarier.

Bei US-Präsident Trump sei nichts berechenbar, außer dass der Streit nicht ende, analysiert Sandra Parthie vom IW.

Donald Trump produziert große Planungsunsicherheit, eine Politik, bei der alle verlieren.

Sandra Parthie, Leiterin des Brüsseler IW-Büros

Ihr Rat an die europäische und deutsche Wirtschaft: Unabhängiger werden von den USA und neue Märkte finden. Auch wenn es schwerfalle und erst mal wehtue.

 Wie es nun weitergehen könnte

Schnellstmöglich den Konflikt beigelegt, Rechtssicherheit geschaffen, ein Ende mit Schrecken, aber kein Schrecken ohne Ende - all das hört man nun so oder so ähnlich von der EU-Kommissionspräsidentin über den Bundeskanzler bis hin zu Wirtschaftsführern. Es sind die Sätze, die immer fallen, wenn wieder eine Einigung mit Trump gelungen ist, eine Bestrafung von Trump abgewendet werden konnte.

Drohungen und Krisen, die der US-Präsident erst erzeugt und dann wieder löst oder lösen lässt - diese Art der Politik ist mittlerweile bekannt. Genauso wie bekannt ist, dass bei Trump in Sachen Handel und Zölle nach dem Streit vor dem nächsten Streit ist.

Ein militärisches Transportflugzeug vom Typ Boeing C-17 Globemaster III startet von der US-Airbase in Ramstein, der zentralen Luftdrehscheibe für Europa und den Nahen Osten

US-Präsident Trump hat die Verringerung von US-Truppen in Deutschland und die Erhöhung des Importzolls auf EU-Fahrzeuge angekündigt. Welche Optionen hat Europa, um zu reagieren?

04.05.2026 | 3:09 min

Niemand würde es wundern, wenn die nun vereinbarten Schutzklauseln der Anstoß für die nächste Runde der Drohungen aus Washington würden. Immerhin fordert die EU unter anderem, dass Trump seine "Lieblingszölle" auf Stahl- und Aluminium runtersetzen und auch auf 15 Prozent festzurren soll. Ob das gut geht?

Am Ende hofft Brüssel auf den November, die Zwischenwahlen in den USA, bei denen der amerikanische Wähler die Macht des US-Präsidenten begrenzen könnte. Oder, dass Gerichtsurteile dafür sorgen.

Über das Thema berichteten unter anderem ZDFheute Xpress am 20.05.2026 ab 09:00 Uhr.
Themen

Mehr zum Thema US-Zölle

  1. US-Präsident Donald Trump hebt beide Arme bei einer Rede.

  2. Neuwagen stehen zur Auslieferung auf einem Parkplatz auf dem Werksgelände von Volkswagen

    25 Prozent auf europäische Fahrzeuge:EU kritisiert geplante Zoll-Erhöhung, Autoindustrie mahnt EU

    mit Video0:21

  3. ZDF-Wirtschaftsexperte Florian Neuhann im Studio von "WISO - Wirtschaft erklärt: Zoll-Chaos - Die Bilanz"

    WISO - Wirtschaft erklärt:Drei Versprechen gab Trump: Die Zoll-Bilanz nach einem Jahr

    von Tim Weber und Florian Neuhann
    mit Video9:59

  4. Fedex-Laster vor einer Niederlassung in New York (Archivfoto)

    Trumps Importaufschläge:Nach Zoll-Urteil in den USA: Fedex verklagt Regierung

    mit Video1:41