UFC am Weißen Haus:Und zum Geburtstag wünscht sich Trump einen Käfigkampf
von Julian Schmidt-Farrent, Washington, D.C.
Der US-Präsident feiert seinen Geburtstag mit einem Kampfevent: Vor dem Weißen Haus treten UFC-Stars gegeneinander an. Ist das nur ein Sportspektakel - oder Politik?
Die UFC-Arena vor dem Kampf am Weißen Haus.
Das Gerüst vor dem Weißen Haus wirkt wie eine Mischung aus Science-Fiction und Rummelplatz. Blau, weiß und rot leuchten die Metallträger, die sich auf dem Platz vor dem Gebäude aufbäumen. Dutzende Scheinwerfer schauen von ihnen herunter, auf diesen kleinen Käfig. Dort unten, wo sonst Staatschefs aus Limousinen in das Weiße Haus treten, wird sich heute für den Präsidenten geprügelt.
Donald Trump feiert seinen 80. Geburtstag, und der Kampfsportverband UFC beschenkt ihn mit einem Event vor der eigenen Haustür. In dem Käfig treten mehrere UFC-Stars gegeneinander an. VIPs sind geladen, Tausende Fans sollen beim Public Viewing auf der Wiese hinter dem Weißen Haus mitfiebern.
Rund 60 Millionen Dollar lässt sich der Verband das Spektakel kosten. Doch das Event ist mehr als nur Sport. Es geht um Geld, Loyalität - und einen Podcast.
US-Präsident Donald Trump feiert seinen 80. Geburtstag. Doch wie ist er da gelandet, wo er heute ist? Mirko Drotschmann geht auf Spurensuche bis nach Deutschland.
13.06.2026 | 13:13 minTrump gab der UFC schon früh eine Plattform
Donald Trump und UFC-Chef Dana White verbindet eine jahrelange Partnerschaft. Als White vor 25 Jahren zum Präsidenten des Kampfverbandes aufstieg, war die UFC weit vom internationalen Kassenschlager entfernt. Die Marke war zwei Millionen Dollar wert, White suchte eine Plattform. Und Donald Trump gab sie ihm.
UFC-Fighter kämpften in einem von Trumps Casinos und der Sport entwickelte sich immer mehr zum Massenphänomen. Während prominente Republikaner wie John McCain die UFC als "Hahnenkampf" verurteilten, faszinierte Trump der Kampfsport. Verbandschef White belohnte diese Begeisterung mit Loyalität: Bereits bei Trumps erster Präsidentschaftskandidatur gab ihm der UFC-Chef Rückendeckung.
"Dana White hat Politik immer als transaktional verstanden", erklärt Kyle Green. Der Soziologe forscht zu Sportkultur an der State University in Brockport und ist selbst UFC-Fan der ersten Stunde.
Dieses Event ist nur die Kirsche auf der Sahnetorte.
Kyle Green, UFC-Fan und Soziologe
Für US-Präsident Donald Trump läuft es in Umfragen nicht gut. Mit befremdlich anmutenden Sportveranstaltungen wie einem Käfigkampf am Weißen Haus will er Sympathien zurückgewinnen.
08.06.2026 | 57:20 minUFC-Chef White führte Trump zu Influencern
Die UFC strahlt den Kampf exklusiv beim zahlungspflichtigen Streaming-Dienst Paramount+ aus. Und Trump? Der kaufte laut Medienberichten noch vor dem Kampf am Weißen Haus Anteile am Mutterkonzern der UFC.
Doch auch politisch könnte sich das Event auszahlen. Immerhin half die UFC dem Präsidenten schon einmal bei seinem Comeback - während der vergangenen US-Wahl. Dana White führte Trump damals in eine Welt, die für dessen zweiten Präsidentschaftssieg eine große Rolle spielen sollte: ein junges, männliches Publikum.
Er stellte mich Leuten vor, von denen ich noch nie etwas gehört hatte.
Donald Trump, US-Präsident
White habe ihn im Wahlkampf zahlreichen Influencern vorgestellt, erzählte Trump kürzlich dem Time-Magazin. "Ich meine, ich wurde von 20-jährigen Kids interviewt", so Trump weiter. Doch die Reichweite dieser "Kids" habe ihm gefallen.
Anti-Trump-Slogan auf der National Mall in Washington? In der Rasenfläche vor dem Kapitol wurden die Ziffern "8647" entdeckt. Die Polizei ermittelt.
12.06.2026 | 0:39 minJoe Rogan: Wie Trump zum Millionen-Podcast kam
Der UFC-Chef rühmt sich damit, Trump auch während dessen Wahlkampf ein Interview beim einflussreichen Podcaster Joe Rogan beschert zu haben. Rogan kommentiert neben seinem Podcast auch zahlreiche UFC-Kämpfe. Das Gespräch zwischen den beiden erreichte während des US-Wahlkampfs Millionen Menschen. Kurz darauf warb der Podcaster für Trump als Präsidentschaftskandidat - auch das sei ihm zu verdanken, behauptete White.
Die UFC scheint für Trump eine Art Safe Space zu sein. Wurde der Präsident noch kürzlich bei den NBA-Finals von Basketballfans ausgebuht, erntet er bei seinen Besuchen der UFC-Kämpfe tosenden Applaus. Aber wer sind diese Menschen, die da applaudieren?
US-Präsident Trump wurde beim dritten NBA-Finalspiel im Madison Square Garden ausgebuht. Als er zur Nationalhymne auf der Großleinwand eingeblendet wird, brandeten laute Buhrufe durch die Arena.
09.06.2026 | 0:37 minDie UFC ist eine Feier der Männlichkeit.
Kyle Green, Soziologe
Der Soziologe Green trainierte selbst mit Hobbykämpfern aus der Szene. "Ein Teil der Geschichte der Männer war oft, dass sie ihr Selbstvertrauen wiedergewinnen wollten", so Green. Das Kämpfen habe ihnen die Angst vor anderen Männern genommen. Zwar seien nicht alle UFC-Fans Republikaner, so Green. Aber unter den amerikanischen Sportarten tendiere das UFC-Publikum am meisten nach rechts, interessiere sich für Verschwörungstheorien.
Trumps Beliebtheitswerte fallen - auch bei jungen Wählern
Inzwischen seien sie jedoch mit der Regierung unzufrieden. Der Umgang mit den Epstein-Akten, der Krieg mit Iran - Donald Trump enttäusche Teile der UFC-Basis, meint Green. Und nicht nur sie: Laut einer Umfrage der Yale-Universität bröckelt Trumps Rückhalt beim gesamten jungen Wählerklientel. Rund 70 Prozent der Befragten unter 30 Jahren waren mit seiner Präsidentschaft unzufrieden. Auch Podcaster Joe Rogan kritisierte den Präsidenten in den letzten Monaten immer deutlicher, bezeichnete seine Wähler sogar als "Trottel".
Verhilft die UFC dem US-Präsidenten nun wieder zum Comeback? Trump verbindet das Event mit den Festlichkeiten rund um den 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten. Den Podcaster Joe Rogan konnte er damit zurückgewinnen. "So America", sei das Event - er wird es für die UFC live kommentieren. Und auch Soziologe Green will den Kampf verfolgen, obwohl er die Veranstaltung ablehnt. "Aber ich habe eine gute Entschuldigung", sagt er lächelnd.
Ich kann sagen, ich mache es wegen meiner Forschung.
Kyle Green, Soziologe
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