Nach Labour-Debakel: Wird die Wahl zum Endspiel für Starmer?

Analyse

Kommunalwahl in Großbritannien:Starmers Endspiel

von Wolf-Christian Ulrich, London

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Die Labour-Partei erlebt bei den Kommunalwahlen ein Debakel. Premier Starmer steht massiv unter Druck - doch trotz wachsender Kritik in der Partei schließt er einen Rücktritt aus.

Der britische Premierminister Sir Keir Starmer spricht am 08.05.2026, einen Tag nach den Kommunalwahlen, vor Mitgliedern der Labour-Partei im Gemeindesaal der Kingsdown Methodist Church in Ealing, West-London.

Starmer übernimmt Verantwortung für das schlechte Ergebnis der Kommunalwahlen - und kämpft dennoch um seine politische Zukunft.

Quelle: AP

Seit Monaten ringt die Labour-Partei in Großbritannien mit der Frage, ob Keir Starmer noch der richtige Premierminister ist. Die Beliebtheitswerte sind im Keller. Der Frust ist riesig. Und Starmers innerparteiliche Rivalen wetzen hinter den Kulissen die Messer - sei es der eher sozialliberale Gesundheitsminister Wes Streeting (der aber vielen an der Basis zu konservativ ist), die Parteilinke Angela Rayner (die noch ein Problem mit der Steuerbehörde zu bewältigen hat), oder der bei der Labour-Basis angesehene Umweltminister Ed Miliband (der 2015 als Labour-Chef eine Wahl verlor).

Doch bisher wagt sich keiner von ihnen aus der Deckung: Wohl, weil jeder von ihnen mangelnden Rückhalt fürchtet. Kabinettsmitglieder gaben Starmer am Abend Rückhalt.

Eine Wählerin verlässt ein Wahllokal in einer Kirche in Hampstead im Norden von London während der Kommunalwahlen.

In England haben die Labour Partei und die konservativen Tories eine schwere Wahlniederlage erlitten. Denn Hunderte Gemeinderatsmandate gingen an die rechtspopulistische Partei Reform UK.

08.05.2026 | 3:09 min

Journalistin McElvoy: "Wir hatten Starmer-Drama"

Starmer erreichte zwar besseren Mieterschutz, mehr Rechte für Arbeiter, eine Verwaltungsreform - doch die Wirkung davon kam bei den Wählern noch nicht an. Weitere Reformen bei den Sozialsystemen scheiterten am Widerstand seiner Fraktion im Unterhaus.

Und die Berufung des Epstein-Freundes Peter Mandelson zum Botschafter in Washington kostete ihn zuletzt fast sein gesamtes politisches Kapital. "Wir hatten Starmer-Drama", sagt Journalistin Anne McElvoy im Gespräch mit ZDFheute, "und er hat Schwierigkeiten, einen Draht zu den Wählern zu finden".

Das sind harte Ergebnisse. Ich will das nicht schönreden. Wir wurden für Wandel gewählt und ich werde vor der Aufgabe nicht davonlaufen.

Keir Starmer, Premierminister

Und Starmer zeigt erstaunliche Leidensfähigkeit. Er übernahm Verantwortung für das historisch schlechte Ergebnis. Gab unnötige Fehler in der Regierungsarbeit zu.

Und sagte dann: Er mache trotzdem weiter. Sein Argument: Trump, Ukraine-Krieg, Iran-Krieg: Da brauche es Stabilität. Und seine Reformen bräuchten Zeit, um zu wirken. Seine Abgeordneten im Parlament nehmen das zähneknirschend zur Kenntnis. Eine Palastrevolte bleibt bis zum Abend nach der Wahl zumindest aus.

Die rechte Partei Reform UK um Nigel Farage geht bei den britischen Kommunalwahlen klar als Sieger hervor.

Die regierende Labour-Partei wird bei den britischen Kommunalwahlen hart abgestraft. ZDF-Korrespondent Wolf-Christian Ulrich berichtet.

08.05.2026 | 1:11 min

Denkzettelwahl? Auch Konservative müssen Federn lassen

Bei den Kommunalwahlen in Wales, Schottland und in einigen englischen Gemeinden macht sich auch der Ärger vieler Briten über Alltagsprobleme Luft. Viele sind sauer über hohe Lebenshaltungskosten, den Zustand des Gesundheitswesens, die Kriminalität, illegale Zuwanderung. Über die schlechten Straßen, den Zustand der öffentlichen Daseinsfürsorge.

Und offenbar sind auch viele nicht zufrieden mit der Arbeit der Opposition, den Konservativen. Die heute ebenfalls Federn lassen mussten.

7. Mai 2026, London, Vereinigtes Königreich: Keir Starmer bei der Stimmabgabe. Keir Starmer gibt seine Stimme bei den Kommunalwahlen ab.

Es ist ein Superwahltag in Großbritannien: In Schottland und Wales wird das jeweilige Regionalparlament gewählt. Umfragen zufolge drohen Premierminister Starmers Labour-Partei starke Verluste.

07.05.2026 | 0:21 min

Davon profitiert der ehemalige Brexit-Aktivist Nigel Farage. Ein Medienprofi. Mit einfachen Slogans und simpel klingenden Lösungen. Der aber noch nie zeigen musste, dass er regieren kann. Laut Umfragen wandern Wähler von Labour und Konservativen zu Farage.

Ich wäre traurig, wenn der Premierminister ginge. Sehr traurig. Denn er ist unser größtes Kapital.

Nigel Farage, Reform UK

Labour und Konservative verlieren Rückhalt

"Er ist Rechtspopulist", so Anne McElvoy. "Aber er bedient sich an Ideen aus dem gesamten politischen Spektrum und das funktioniert gut für ihn." Farage agiert sehr geschickt: Schlägt sich etwa immer dann auf die Seite von US-Präsident Donald Trump, wenn es ihm vor dem britischen Wähler opportun erscheint. Und er geifert nicht nur, sondern zeigt Humor, kann auch über sich selbst lachen - und so etwas lieben die Briten. Manche sehen ihn bereits als nächsten Premierminister.

17.04.2026, Frankreich, Paris: Der französische Präsident Emmanuel Macron (nicht abgebildet) und Premierminister Sir Keir Starmer veranstalten gemeinsam ein Treffen im Palast in Frankreich, um eine multinationale Koalition zur Erleichterung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormuz nach dem Ende des Krieges zwischen den USA und dem Iran zu bilden.

Der britische Regierungschef Starmer hatte Peter Mandelson, Freund von Sexualstraftäter Epstein, zum Botschafter in den USA berufen. Bei der Prüfung durch Sicherheitsbehörden war er durchgefallen

21.04.2026 | 2:13 min

Neben Farage haben die Grünen Erfolge, im linken, städtischen Umfeld. Stabil überall die Liberaldemokraten, die sich als konstruktive, europafreundliche Alternative zur populistischen Reform-Partei sehen. In Wales und Schottland dominieren die Regionalparteien. Insgesamt verlieren die beiden Volksparteien, Labour und Konservative, an Rückhalt.

Der Erfolg von Farage stimmt manchen auch nachdenklich. Wer hätte gedacht, dass fast genau zehn Jahre nach der Brexit-Abstimmung - und trotz der Probleme, die das Land wegen des Brexit plagen - ausgerechnet Nigel Farage Downing Street Nr. 10 ins Visier nimmt.

Wolf-Christian Ulrich ist ZDF-Korrespondent für das Vereinigte Königreich und Irland.

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Über dieses Thema berichteten die heute-Nachrichten am 08.05.2026 ab 19 Uhr.

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