London: Messerangriff mit zwei Verletzten - laut Polizei Terror

Starmer: "Antisemitischer Angriff":Messerangriff in London - Polizei spricht von Terror

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Bei einem Messerangriff in London mit zwei Verletzten geht die Polizei von einer Terrorattacke aus. Der britische Premier Keir Starmer spricht von einem antisemitischen Angriff.

Kriminaltechniker und Polizeibeamte am Tatort, an dem zwei jüdische Männer nach einem Messerangriff in Golders Green im Norden Londons, am 29.04.2026 schwer verletzt wurden.

Die britische Polizei hat einen Messerangriff auf zwei jüdische Männer in London als terroristische Attacke eingestuft. Ein 45-jähriger Tatverdächtiger wurde festgenommen.

29.04.2026 | 0:30 min

Bei einem als Terrorattacke eingestuften Messerangriff in London sind zwei Menschen verletzt worden. Die beiden Opfer seien Männer im Alter von 76 und 34 Jahren, sagte der Leiter der Anti-Terror-Einheit, Assistant Commissioner Laurence Taylor, in einer kurzen Stellungnahme am Nachmittag.

Der mutmaßliche Angreifer wurde festgenommen - es handelt sich um einen 45-jährigen Mann.

Starmer verurteilt "antisemitischen Angriff"

Premierminister Keir Starmer schrieb auf der Plattform X von einem "zutiefst entsetzlichen", antisemitischen Angriff. Der Vorfall spielte sich im stark jüdisch geprägten Stadtviertel Golders Green ab.

X-Post von Keir Starmer

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Die Staatsbürgerschaft des mutmaßlichen Angreifers und sein Hintergrund seien Inhalt von Ermittlungen, teilte die Polizei mit. Die beiden Opfer seien im Krankenhaus und in einem stabilen Zustand. "Angriffe auf unsere jüdische Gemeinschaft sind Angriffe auf Großbritannien", schrieb Starmer weiter. Die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen, kündigte der Labour-Politiker an.

Schaltgespräch mit Michel Friedmann

Seit dem 7. Oktober sei die physische Sicherheit von Juden deutlich zurückgegangen, so der Publizist Michel Friedman. Man könne nicht sicher sein, dass man sicher sei.

08.10.2025 | 5:15 min

Bürgermeister: Londoner Polizei erhöht Präsenz

Londons Bürgermeister Sadiq Khan schrieb, die jüdische Gemeinschaft in der britischen Hauptstadt sei zum Ziel einer Reihe von schockierenden antisemitischen Angriffen geworden.

Es darf absolut keinen Platz für Antisemitismus in der Gesellschaft geben.

Sadiq Khan, Bürgermeister von London

Die Londoner Polizei habe ihre Präsenz in dem betroffenen Gebiet erhöht. Khan dankte den Rettungskräften und einer Nachbarschaftsinitiative "für ihre rasche Reaktion auf diesen fürchterlichen Vorfall".

Die zerstörte Fassade des Israelischen Restaurants "Eclipse Grillbar" in München

Unbekannte zerstörten erst vor wenigen Wochen in der Nacht die Fensterscheiben eines israelischen Lokals in München und warfen Feuerwerkskörper hinein. Der Sachschaden wird auf mehrere Tausend Euro geschätzt.

10.04.2026 | 0:48 min

Video soll Festnahme in London zeigen

Britische Medien berichteten über noch unbestätigte Videos zu dem Vorfall, die in sozialen Medien kursieren. Dabei ist etwa zu sehen, wie ein auf dem Bauch liegender Mann von mehreren Personen fixiert wird. Auf anderen Aufnahmen, die den mutmaßlichen Tatort zeigen sollen, sind wiederum zahlreiche Krankenwagen und auch Polizeibeamte zu sehen.

Die Abgeordnete Sarah Sackman, in deren Wahlkreis Golders Green liegt, verurteilte den Vorfall in einer Mitteilung auf der Plattform X ebenfalls als antisemitisch: "Die Angriffe auf britische Juden sind ein Angriff auf Großbritannien selbst. Es ist unerhört, dass Juden auf diese Weise angegriffen werden", so die Labour-Abgeordnete.

Erst zuletzt Brandanschlag in Golders Green

Zuletzt kam es in London zu mehreren Angriffen auf jüdische Einrichtungen, oft handelte es sich dabei um Brandanschläge. Erst vor wenigen Wochen waren etwa vier Krankenwagen des jüdischen Rettungsdienstes Hatzola in Golders Green bei einem antisemitisch motivierten Brandanschlag zerstört worden. Mehrere Verdächtige wurden angeklagt.

Die ausgebrannten Überreste eines jüdischen Rettungsdienstes in London, Großbritannien.

Unbekannte setzten vor rund einem Monat in London vier Krankenwagen eines jüdischen Rettungsdienstes in Brand. Die Polizei sprach von einem antisemitischen Hassverbrechen. Verletzt wurde niemand.

23.03.2026 | 0:19 min

Die beiden bei dem Messerangriff verletzten Männer werden laut BBC von Hatzola behandelt. Die Organisation wird von Freiwilligen betrieben und bietet kostenlose Krankentransporte und Notfallhilfe an. Auch eine jüdische Nachbarschaftsinitiative soll maßgeblich an der Festnahme beteiligt gewesen sein.

Gruppierung Aschab al-Jamin bekennt sich

Die neue islamistische Gruppierung Aschab al-Jamin bekannte sich zu dem Angriff. Einzelkämpfer der Gruppe hätten zwei "Zionisten" im Stadtviertel Golders Green angegriffen und verletzt, heißt es in einer Stellungnahme, die die Gruppe am Mittwoch auf pro-iranischen Kanälen im Internet verbreitete. In einem kurzen Clip zeigte die Gruppe auch Szenen des Angriffs, die Überwachungskameras und Augenzeugen gefilmt hatten.

Die undurchsichtige Gruppe heißt mit vollständigem Namen Harakat Aschab al-Jamin al-Islamia, abgekürzt auch als HAYI bekannt. Sie tauchte erstmals während des Kriegs der USA und Israels gegen Iran auf und hat sich Ermittlern zufolge seitdem zu mehreren Anschlägen in Europa gegen jüdische und westliche Einrichtungen bekannt. Es ist aber unklar, ob die Gruppe tatsächlich existiert oder ob es sich um eine Inszenierung handelt. Zugleich gibt es Anzeichen auf mögliche Verbindungen zum iranischen Staat.

Quelle: dpa
Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress am 29.04.2026 um 18:33 Uhr.

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