Eingeschränktes Satelliten-Internet:Wie schwer trifft eine Starlink-Drosselung die Ukraine?
Ohne Starlink könne es "sehr, sehr gefährlich" werden: Warum das Satellitennetzwerk für die Ukraine unverzichtbar ist, erklärt Oberst Reisner im Interview.
Es sei möglich, dass sich Trump endgültig von der Ukraine abwendet, analysiert Militäranalyst Oberst Reisner. Schon jetzt erhöhe der US-Präsident den Druck auf die Ukraine.
15.10.2026 | 21:13 minDie Drosselung von Starlink soll zum Scheitern von ukrainischen Drohneneinsätzen geführt haben: Nach etwas mehr als einem Tag ist die Funktion des militärischen Pakets von Starlink - Starshield - bei schnellen Bewegungen wiederhergestellt. Das meldeten ukrainische Medien unter Berufung auf Quellen im Verteidigungsministerium am Donnerstag.
Was macht das militärisch genutzte Satelliteninternet für die Verteidigung der Ukraine so wichtig - und warum ist auch in diesem Bereich die technische Abhängigkeit von den USA so groß? Antworten darauf gibt der österreichische Historiker und Militärexperte Oberst Markus Reisner im Gespräch mit ZDFheute live.
Sehen Sie das gesamte Interview oben im Video oder lesen Sie es hier in Auszügen.
Was macht Starlink und Starshield für die Ukraine so wichtig?
Der Einsatz von Starlink erfolge in drei wesentlichen Bereichen, erklärt Reisner. So komme die Technik einerseits bei Kommunikationsmitteln zum Einsatz, vor allem an der Front. Zweitens gehe es um den Betrieb von Defensiv- und Abwehrwaffensystemen wie beispielsweise Abfangdrohnen. Ein drittes Einsatzgebiet seien Offensivwaffensysteme wie Drohnen, mit denen Ziele in mittlerer und großer Entfernung getroffen werden können.
Wenn diese drei Fähigkeiten nicht mehr verfügbar sind, dann ist das für die ukrainischen Streitkräfte eine tatsächliche Katastrophe.
Oberst Reisner
Mit der zuletzt erfolgten Drosselung sei es zu einer Situation gekommen, "die für die Ukraine sehr, sehr gefährlich ist", so die Einschätzung des Militärexperten.
Starlink ist für die Ukraine mehr als nur Satelliten-Internet - es ist eine Art digitales Rückgrat der Ukraine im Krieg. Soldaten kommunizieren darüber, Drohnen werden gesteuert und Informationen übertragen. Starshield geht noch einen Schritt weiter: Es ist die Militärversion des Systems, entwickelt für besonders geschützte Kommunikation und militärische Operationen.
Im Ukraine-Krieg ist Satelliten-Internet zu einem wichtigen Baustein moderner Kriegsführung geworden. Ohne sie würden viele Aufklärungs- und Kommunikationssysteme deutlich schlechter funktionieren. Starshield wird zum Beispiel bei Kameradrohnen eingesetzt, um ukrainische Soldaten über die Lage in bestimmten Abschnitten zu informieren. So können russische Truppen an der Front schon frühzeitig erkannt und gegebenenfalls auch angegriffen werden. Ebenso zum Einsatz kommt das Satelliten-Internet beim Abfangen von russischen Drohnen in der Luft. Aufgrund ihrer Geschwindigkeit ist hierfür die volle Netzstärke von Starshield erforderlich.
Quelle: ZDF
Für die Ukraine ist es das Rückgrat zur Verteidigung gegen Russland: Starshield. Das Satelliten-System wurde für militärische Operationen und Kommunikation entworfen. Wie die Ukraine Starshield nutzt.
15.10.2026 | 1:05 minWarum kam die Drosselung gerade jetzt?
Die Störung des Satelliten-Internets zum jetzigen Zeitpunkt sei "kein Zufall", sagt Reisner. Sie sei hingegen "ziemlich sicher" im Zusammenhang mit einem Versuch von US-Präsident Donald Trump zu sehen, "ganz gezielt Druck auf die Ukraine auszuüben".
Starlink gehört zum Konzern SpaceX des US-Technik-Unternehmers Elon Musk. Dieser sagte zur Einschränkung des Satelliten-Internets, das US-Militär und US-Präsident Donald Trump hätten über die Begrenzung des militärischen Starlink-Ablegers Starshield zu entscheiden. Starlink hingegen werde als kommerzieller Dienst nur für zivile und für Verteidigungszwecke, aber nicht für militärische Offensiven genutzt.
… ist Militäranalytiker, Historiker und aktiver Soldat beim österreichischen Bundesheer. Seit 2024 leitet er das Institut für Offiziersausbildung an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt. Zuvor war er Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung und Kommandant des österreichischen Gardebataillons.
Am Donnerstag schrieb Musk in seinem Onlinedienst X: "Es ist Zeit für Selenskyj, zu gehen." Auch Trump hatte kürzlich Selenskyjs Ablösung gefordert, nachdem der ukrainische Präsident Trumps Diesel-Deal mit Russland kritisiert hatte.
Reisner glaubt, es gehe darum, die Ukraine langsam, aber sicher "zum Nachgeben zu zwingen". So wolle man den Druck auf die Ukraine "jetzt nicht sofort radikal erhöhen", wie es beispielsweise durch eine komplette Abschaltung des Satelliten-Internets geschehen würde.
Aus meiner Sicht ist es so, dass der Druck langsam erhöht wird auf die Ukraine.
Oberst Reisner
Etliche ukrainische Kraftwerke funktionierten nicht mehr, berichtet ZDF-Reporter Hassanzadeh. Weil die russischen Angriffe anhalten, überlegten vor allem Ältere und Familien, Kiew zu verlassen.
15.10.2026 | 5:58 minWarum gibt es keine Alternativen zur US-Technik von Starlink?
"Man sieht ja ganz eindeutig, wie hoch die Abhängigkeit ist", betont Reisner mit Blick auf vielfältige Dienste der "Tech-Community", die die Ukraine nutzt - "denken Sie an Palantir von Alex Karp, denken Sie an die Hornet-Drohnen von Eric Schmidt, denken Sie an Starlink und Starshield von Elon Musk". Das könne positiv sein, berge aber auch einen "großen Nachteil":
Wenn jemand Ihnen eine Entscheidung aufzwingen möchte, dann kann er das tun.
Oberst Reisner
Reisner sagt, das solle auch "ein großes Warnsignal sein an Europa, sich hier auf keinen Fall in eine derartige Abhängigkeit zu geben".
Die amerikanische Rüstungsindustrie sei seit Jahrzehnten darauf ausgerichtet, "die amerikanischen Streitkräfte in die Lage zu versetzen, global auf dieser Welt Macht zu projizieren", betont der Militärexperte. Das habe sich seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis heute nicht verändert.
Starlink ist für die Kommunikation der ukrainischen Streitkräfte wichtig. Kiew meldete zuletzt geringere Datenraten und warnte vor Folgen für Einsätze und Luftabwehr.
14.10.2026 | 1:42 minMan dürfe nicht "naiv sein und glauben, dass sich in den letzten Jahren hier massiv etwas getan" habe, sagt Reisner. Es gehe "um Technologien, die Jahrzehnte brauchen, um entwickelt zu werden". Europa könne mit einem System wie Starlink nicht mithalten - genauso wie Russland. Von strategischer Autonomie sei man "noch weit entfernt", unterstreicht Reisner.
Das Interview für ZDFheute live führte Alica Jung. Autor der Zusammenfassung ist ZDFheute-Redakteur Julian Vulturius.
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