Einzige Antikriegspartei:Russland: Liberale Oppositionspartei von Wahl ausgeschlossen
Russlands Oberstes Gericht hat die liberale Oppositionspartei Jabloko von der Parlamentswahl im September ausgeschlossen - wegen angeblichen Verstößen gegen die Wahlgesetzgebung.
Jabloko-Vorsitzender Nikolai Rybakow: Von den Parlamentswahlen ausgeschlossen.
Quelle: dpaRusslands Oberstes Gericht hat die gegen Moskaus Angriffskrieg in der Ukraine auftretende liberale Oppositionspartei Jabloko von der Parlamentswahl im September ausgeschlossen. Richter Wjatscheslaw Kirillow gab in Moskau einer Klage der kremltreuen nationalistischen Partei Rodina statt, die eine Vielzahl von Verstößen gegen russische Gesetze bei der Zulassung der Oppositionspartei beklagt hatte. Der als Erfüllungsgehilfe des Kreml kritisierte Kirillow folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die Rodinas Beschwerde gegen die Wahlleitung als gerechtfertigt ansah.
Vor dem Gericht versammelten sich Hunderte Unterstützer der Partei, die "Jabloko", "Jabloko" riefen. Die Partei will das Urteil anfechten. Kirillow ließ eine Berufung ausdrücklich zu. Jabloko fordert eine Beendigung des russischen Kriegs gegen die Ukraine. Die landesweite Parlamentswahl in Russland und die Kommunalwahlen sind vom 18. bis 20. September angesetzt.
Ein niedergebranntes Haus, ausgeschlossene Kandidaten, Gerichtsprozesse: Vor der Duma-Wahl geben Putins Gegner nicht auf, um Russlands unterdrückte Opposition am Leben zu erhalten.
05.08.2026 | 8:34 min40-seitige Klageschrift
Die Partei wehrte sich in einer stundenlangen Verhandlung gegen den Ausschluss von der Parlamentswahl. Jabloko habe keine Rechtsverstöße begangen, sagte Partei-Chef Nikolai Rybakow in seinem Schlusswort. Die Partei trete für Frieden und Freiheit ein und ein Leben ohne Angst. Millionen Russen seien bereit, ihre Stimme seiner Partei zu geben, sagte Rybakow. "Politische Konkurrenz ist das Wesen von Wahlen", betonte er. Ziel der Kläger sei es, den Menschen eine freie Wahl zu nehmen.
Rodina wirft Jabloko vor, in ihrem Wahlkampfmaterial Urheberrechte - etwa bei Darstellungen von Friedenstauben - verletzt und für Wahlwerbung im Internet unzulässig viel Geld ausgegeben zu haben. Außerdem soll Jabloko 16.900 Rubel (rund 178 Euro) Wahlfinanzierung aus den USA und Deutschland erhalten haben. Juristen von Jabloko widersprachen den Punkten in der 40-seitigen Klageschrift.
Die Wahl des russischen Parlaments, der "Duma", steht an. "Die Opposition hat fast keine Einflussmöglichkeiten", so Russlandexpertin Sabine Fischer von der SWP Berlin. Es ginge um "eine mit Manipulation herbeigeführte Zustimmung zur Politik dieses russischen Regimes".
05.08.2026 | 5:24 minEinstimmige Entscheidung der Richter
Rybakow sprach von einem "historischen Prozess", weil noch nie eine zur Wahl zugelassene Partei später wieder ausgeschlossen worden sei. Ein Vertreter der Wahlkommission hob in seinem Schlusswort den Punkt der Wahlfinanzierung aus dem Westen hervor und meinte, dass ihn das nachdenklich stimme. Er hatte zuvor die Entscheidung der Kommission vom Juli verteidigt, Jabloko als eine von elf Parteien zuzulassen zur Wahl. Die Entscheidung war einstimmig gefallen.
Die Partei wollte zur Wahl unter der Losung "Für Frieden und Freiheit" antreten und versprach angesichts der politischen Repressionen im Land ein "Leben ohne Angst". Rybakow sagte am Ende, das Wichtigste sei, dass das Töten aufhöre. Er kritisierte, dass Rodina für die Anschuldigungen keine Beweise präsentiert habe, sondern Erfindungen und absurde Gedanken formuliere. Die von der Staatsanwaltschaft unterstützten Rodina-Vertreter zeigten sich von Anfang an selbstbewusst und siegessicher.
Vor mehr als 25 Jahren ist Wladimir Putin als Präsident an der Spitze der Atommacht Russland angekommen. Seitdem hat er den Staat immer stärker auf seine Person zugeschnitten.
25.06.2026 | 14:53 minJabloko verzeichnete zuletzt Zulauf
Beobachter erklärten die Angriffe gegen Jabloko damit, dass die Partei seit der Zulassung zur Wahl großen Zulauf verzeichnet habe - und dem Kreml das Risiko eines möglichen Erfolgs zu groß geworden sei. Experten meinten mit Blick auf Umfragen, dass die Partei Chancen gehabt hätte, die Fünf-Prozent-Hürde bei der Wahl zu überspringen und erstmals seit mehr als 20 Jahren wieder in die Duma zu kommen.
Zwar waren die prominentesten Jabloko-Mitglieder ohnehin nicht zur Wahl zugelassen, weil sie als "ausländische Agenten" eingestuft vor Gericht stehen oder in Haft sitzen. Aber selbst mit den weitgehend unbekannten Namen auf der Liste stiegen laut politischen Beobachtern die Zustimmungswerte.
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