Beisetzung in Belgrad:Tausende erweisen Kriegsverbrecher Mladic die letzte Ehre
Tausende nehmen in Belgrad Abschied von Kriegsverbrecher Ratko Mladic, darunter auch Minister. Die EU kritisiert die Verherrlichung des "Schlächters von Srebrenica" scharf.
Der ehemalige bosnisch-serbische Armeechef saß bis zu seinem Tod lebenslänglich, unter anderem wegen Völkermord, in Haft. Nun wurde sein Sarg in Belgrad aufgebahrt und anschließend beigesetzt.
07.09.2026 | 0:50 minTausende Menschen haben am Montag in der serbischen Hauptstadt Belgrad Abschied von dem in Haft in Den Haag gestorbenen Kriegsverbrecher Ratko Mladic genommen. Schon am Montagmorgen bildete sich eine lange Schlange vor der St.-Lukas-Kirche, in welcher der Sarg mit Mladics Leichnam aufgebahrt war, bevor er am Nachmittag beigesetzt werden sollte. Angesichts der Feierlichkeiten verurteilte die EU die "Verherrlichung von Kriegsverbrechern" in Serbien, das EU-Mitglied werden will.
Der ehemalige bosnisch-serbische Armeechef war am 27. August in einem Krankenhaus im niederländischen Den Haag gestorben, wo er eine lebenslange Haftstrafe wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnien-Krieges von 1992 bis 1995 verbüßte. Sein Name ist untrennbar mit dem Völkermord von Srebrenica im Juli 1995 verbunden, bei dem bosnisch-serbische Truppen unter seinem Kommando die UN-Schutzzone gestürmt und etwa 8.000 Menschen, hauptsächlich muslimische Männer und Jungen, ermordet.
Sowohl der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (IStGHJ) als auch der Internationale Gerichtshof (IGH) haben Srebrenica rechtlich als Völkermord anerkannt. Grundlage dafür war die gezielte Ermordung eines Teils der bosniakischen Volksgruppe mit dem erklärten Ziel, sie dauerhaft aus der Region zu eliminieren.
Im Rahmen der juristischen Aufarbeitung wurden 20 Angeklagte speziell für Srebrenica vor Gericht gestellt, darunter General Ratko Mladic, der 2017 zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, und Radovan Karadzic, der ebenfalls ein lebenslanges Urteil erhielt. Slobodan Milosevic, der damalige serbische Präsident, starb 2006 vor Abschluss seines Prozesses. Insgesamt erhob das Tribunal Anklage gegen 161 Personen, von denen 90 verurteilt wurden.
(Quelle: ZDF)
EU-Erweiterungskommissarin sagt Besuch in Serbien ab
Als sein Leichnam in der vergangenen Woche in einem Regierungsflugzeug nach Belgrad gebracht wurde, wurde er mit militärischen Ehren empfangen. Am Wochenende nahmen hochrangige Politiker an einer von pensionierten und aktiven Generälen organisierten Gedenkzeremonie teil.
Die Ankündigung von Justizminister Nenad Vujic, wonach Mladic mit "militärischen und staatlichen Ehren" beerdigt werden sollte, hatte in Brüssel Empörung ausgelöst. Aus Protest gegen die "Verherrlichung" Mladics in Serbien sagte EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos einen Besuch bei dem EU-Beitrittskandidaten ab.
Am Montag sagte ein Sprecher des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EEAS) in Brüssel, die "Leugnung von Völkermord" und ein allgemeiner Revisionismus widersprächen den "grundlegendsten europäischen Werten". Dies habe "keinen Platz in der EU oder in EU-Beitrittskandidaten".
Im Juli 1995 verübten bosnisch-serbische Truppen in Srebrenica den systematischen Mord an über 8.000 Männern und Jungen. 30 Jahre später werden wieder neue identifizierte Opfer beerdigt.
11.07.2025 | 2:47 minPräsident Vucic nahm nicht an Beisetzung teil
Serbiens Präsident Aleksandar Vucic, der nach eigenen Angaben wegen einer zuvor eingegangenen Verpflichtung nicht an der Beisetzung teilnehmen konnte, hatte die Vorwürfe einer Verherrlichung des ehemaligen Generals im Vorfeld der Beerdigung zurückgewiesen.
Er relativierte die Aussagen von Justizminister Vujic, der wie Verteidigungsminister Bratislav Gasic in die Kirche gekommen war, und erklärte, die Trauerfeier sei von Mladics Familie ausgerichtet worden. Die St.-Lukas-Kirche ist deutlich kleiner als der Dom des Heiligen Sava im Zentrum Belgrads, in dem normalerweise Staatsbegräbnisse stattfinden.
Mladic wird von serbischen Nationalisten verehrt
Hunderte Menschen, von denen viele Mladic glorifizierende T-Shirts trugen, warteten, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Mladics Sohn Darko, der offiziell als Veranstalter der Trauerfeier galt, stand am Eingang der Kirche.
Im Innenraum küssten viele Menschen den mit Medaillen und der für Mladic typischen Offiziersmütze geschmückten Sarg, an dem eine Ehrenwache von Soldaten und Veteranen stand, während orthodoxe Priester Gebete sprachen. Unter den Trauergästen war auch der russische Botschafter in Serbien.
Mladic wird trotz seiner Verurteilung von serbischen Nationalisten weiter als "Held" verehrt, insbesondere in der bosnischen Teilrepublik Republika Srpska.
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