Proteste in Serbien: Zehntausende fordern Neuwahlen

Gewalt und Festnahmen in Belgrad:Serbien: Zehntausende protestieren für Neuwahlen

|

Zehntausende Menschen haben in Belgrad wieder gegen die Regierung von Präsident Vucic und Korruption im Land protestiert. Dabei kam es zu Gewalt und mehreren Festnahmen.

Ein Mann in traditioneller Kleidung geht, während regierungskritische Demonstranten Leuchtraketen werfen und Zäune umstoßen und die Bereitschaftspolizei verhöhnen.

Auf der Kundgebung von protestierenden serbischen Universitätsstudenten wurden größere politische Veränderungen in dem von Präsident Vucic geführten Balkanland gefordert.

Quelle: dpa

Zehntausende Menschen sind in der serbischen Hauptstadt Belgrad für Neuwahlen und gegen Staatschef Aleksandar Vucic auf die Straße gegangen. Zu der Demonstration am Samstagabend hatten Studentengruppen aufgerufen, die auf neuen Schwung für die vor anderthalb Jahren begonnenen Proteste gegen die Regierung sowie die Korruption im Land hoffen. Gegen Ende der Kundgebung kam es zu Ausschreitungen.

Für Aufsehen hatte in den frühen Morgenstunden die Entscheidung der nationalen Bahngesellschaft Srbija Voz gesorgt, den Bahnverkehr am Tag der angekündigten Proteste bis auf Weiteres auszusetzen. Die Entscheidung ohne Begründung stieß auf heftige Kritik.

Menschen füllen die Straßen in der Nähe des Bahnhofs am ersten Jahrestag der Bahnhofskatastrophe in Novi Sad.

Nach dem Einsturz des Bahnhofsvordachs in Novi Sad gedenken Zehntausende der Opfer. 16 Menschen starben.

01.11.2025 | 2:04 min

Der Jurist und frühere Minister Rodoljub Sabic sprach im Sender N1 von Amtsmissbrauch. Daneben teilte der österreichische Europaabgeordnete Andreas Schieder über Soziale Medien mit:

Heute zeigt das Regime von Aleksandar Vucic und seiner Serbischen Fortschrittspartei (SNS) erneut, wie groß die Angst vor den eigenen Bürgern geworden ist.

Andreas Schieder, der österreichische Europaabgeordnete

Gewalt zwischen Demonstranten und Polizei: Mehrere Festnahmen

Die Teilnehmer waren aus dem ganzen Land angereist. Polizeichef Dragan Vasiljevic sagte, die Teilnehmerzahl werde auf 34.000 geschätzt. Unabhängige Schätzungen gab es nicht. Als sich die Demonstration auflöste, kam es zu Gewalt zwischen einigen Teilnehmern und Polizisten. Maskierte Teilnehmer warfen Steine, Flaschen und Feuerwehrkörper auf die Polizei, diese setze Tränengas ein. Mehrere Protestierende wurden festgenommen.

Die Polizei hinderte die Menge mit ihren Fahrzeugen daran, zum Präsidentenpalast und zum serbischen Parlament zu marschieren. Die serbische Staatsanwaltschaft betonte, alle, die Polizeibeamte angegriffen hätten, würden "identifiziert und in Übereinstimmung mit dem Gesetz strafrechtlich verfolgt".

Eine Kundgebung von oben.

Die Zahl der Demonstranten in Belgrad wird auf 34.000 geschätzt.

Quelle: dpa

Vucic verurteilt Gewalt: "Nicht gut für Serbien"

Vucic erklärte, die Szenen der Gewalt bei der Demonstration seien "nicht gut für Serbien". "Sie werden damit nichts verändern", fügte der Staatschef hinzu. "Nach anderthalb Jahren Protest hat das Volk nicht aufgegeben und seine Stärke nicht verloren", sagte hingegen der aus dem Osten des Landes angereiste Protestteilnehmer Ivan Milosavljevic.

Wir werden weitermachen, bis dieses gegen das Volk gerichtete Regime entfernt ist.

Ivan Milosavljevic, Demonstrant

Mit der Demonstration werde eine "klare Botschaft" gesendet, sagte der Rentner Zoran Savic: Serbien müsse "ein demokratischer Rechtsstaat" und Teil der EU werden.

SGS Bewerunge

In Novi Sad reißen die Proteste gegen Korruption und Missstände nicht ab.

01.11.2025 | 1:19 min

Studentenproteste gegen Korruption

Seit eineinhalb Jahren befindet sich der Westbalkan-Staat fest im Griff von Studentenprotesten. Die Jugendlichen und andere Demonstranten fordern ein entschiedeneres Vorgehen gegen Korruption und vorgezogene Parlamentswahlen.

Als Auslöser der Protestwelle gilt der Einsturz eines Bahnhofsvordachs in der zweitgrößten Stadt Novi Sad. Bei dem Unglück waren 16 Menschen gestorben. Diese Woche kündigte Vucic Wahlen zwischen September und November an. Die Studenten wollen mit einer eigenen Liste antreten.

Wichtiger Hinweis in eigener Sache

Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.

Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.

→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen


Quelle: AFP, KNA
Über das Thema wird die ZDFheute Xpress am 24.05.2026 um 12:00 Uhr berichten.

Mehr zu den Studentenprotesten in Serbien

  1. Teilnehmende nehmen in Novi Sad am 1. November 2025 an einer Gedenkveranstaltung zum ersten Jahrestag der Tragödie am Bahnhof von Novi Sad teil.

    Jahrestag des Unglücks von Novi Sad :Serbien zwischen Trauer und politischem Aufbruch

    von Michael Sommer

  2. Proteste gegen Regierung in Serbien: Polizeibeamte bewachen eine Straße während einer Demonstration.

    Proteste gegen Präsident Vučić:Serbien zwischen Protest und Korruption

    Michael Bewerunge, Belgrad
    mit Video6:28

  3. Demonstranten stehen während einer Anti-Regierungs-Kundgebung in Valjevo vor Bereitschaftspolizisten

    Proteste eskalieren:Serbiens Präsident droht Regierungskritikern

    mit Video1:31

  4. Demonstranten schwenken Fahnen vor einer Großkundgebung am Wochenende in der Innenstadt von Belgrad, Serbien.