Klingbeil in Polen: Kurztrip zum Wachstums-Nachbarn

Antrittsbesuch des Bundesfinanzministers:Klingbeil in Polen: Kurztrip zum Wachstums-Nachbarn

Anselm Stern

von Anselm Stern, Warschau

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Bei Klingbeils Antrittsbesuch in Polen geht's um mehr als ums offizielle Hallo-Sagen. Der Finanzminister ist unterwegs in Sachen europäischer Souveränität. Polen unterstützt das.

 Lars Klingbeil und sein polnischer Amtskollege Andrzej Domanski schütteln sich vor blauem Hintergrund und der deutschen und polnischen Flagge die Hand.

Bundesfinanzminister Klingbeil will mehr Geld für Verteidigung bei europäischen Anbietern ausgeben. Europa müsse effektiver und lokaler investieren, so Klingbeil bei seinem Besuch in Warschau.

02.02.2026 | 0:47 min

"Wir wollen dahin, wo andere Länder sind. Wir können Polen nur beglückwünschen", sagt Lars Klingbeil (SPD) in Warschau bei der Pressekonferenz mit seinem polnischen Amtskollegen Andrzej Domański, angesprochen auf das starke Wirtschaftswachstum von mehr als drei Prozent in Polen. Ein Wirtschaftswachstum, das in Klingbeils Heimatland von der Regierung so dringend gesucht wird.

Polen profitiert von starkem privaten Konsum, schnellen, unbürokratischen Möglichkeiten, ein Unternehmen zu gründen und von Fördergeldern der EU. Europa, so sagt es der Finanzminister aus Polen, müsse schnell "attraktiver, produktiver und wettbewerbsfähiger" werden, um zu bestehen.

Anselm Stern in Warschau

ZDF-Korrespondent Anselm Stern berichtet aus Warschau: Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) besucht Polen mit dem Ziel, Europa unabhängiger zu machen von den USA oder China.

02.02.2026 | 0:33 min

Finanzminister Klingbeil: "Weiter-so" ist keine Option

Der deutsche Vizekanzler will beim Besuch in Warschau sein gemeinsam mit Frankreich angestoßenes "E6-Format" in den Vordergrund rücken. Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, die Niederlande und Polen wollen, so Klingbeil, nun vorangehen in Sachen europäischer Souveränität. Es werde zeitnah ein "E6-Treffen" in Brüssel geben. Es handele sich dabei nicht um einen exklusiven Club, aber viele Themen könne die Gruppe gut vorantreiben.

Als Beispiel nannte Klingbeil die Finanzierung von jungen und innovativen Unternehmen:

Europäische Unternehmen sollen hier wachsen und hier bleiben, nicht irgendwann in die USA gehen.

Lars Klingbeil (SPD), Bundesfinanzminister

Im Hintergrund mittig zu sehen ist Finanzminister Lars Klingbeil (SPD), rechts daneben und im Vordergrund sieht man Mirko Drotschmann

Mirko Drotschmann blickt auf Lars Klingbeil. An dem Mann kommt in der Bundesregierung niemand vorbei, wenn's um Geld geht.

29.01.2026 | 9:56 min

Abhängigkeiten von USA und China reduzieren

Die europäischen Verteidigungsausgaben müssten stärker abgestimmt und Lieferketten widerstandsfähiger werden. Hier brauche es mehr Engagement, um bei strategisch wichtigen Mineralien und Rohstoffen weniger abhängig zu sein, so Klingbeil.

Dazu gehöre auch, den Euro zu stärken. Genauer gesagt: die internationale Rolle des Euro als sicheren Hafen - mit Verlässlichkeit, rechtsstaatlichen Prinzipien, weniger Bürokratie und eigenen Zahlungssystemen.

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Polen will nicht in die Eurozone

Der deutsche Vizekanzler und Bundesminister der Finanzen wirbt für den Euro - in Warschau, wo man den Euro nicht hat und ganz offenbar erstmal auch nicht will. Die wirtschaftliche Entwicklung des Landes spreche klar für den Erhalt der nationalen Währung, erklärte Finanzminister Andrzej Domański gegenüber der "Financial Times" vor wenigen Tagen.

Lars Klingbeil sagt dazu in Warschau:

Die Entscheidung über den Eintritt in die Eurozone ist eine polnische Entscheidung.

Lars Klingbeil (SPD), Bundesfinanzminister

Der Wunsch nach einer polnischen Eurozonen-Mitgliedschaft schwingt mit. Der Wunsch nach polnischen Wirtschaftswachstumszahlen auch.

Anselm Stern ist Korrespondent im ZDF-Hauptstadtstudio in Berlin.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress am 02.02.2026 in mehreren Beiträgen, etwa um 15:15 Uhr in dem Beitrag "Klingbeil in Polen: Mehr Unabhängigkeit von USA und China" und um 16 Uhr in dem Beitrag "Klingbeil will Europas Verteidigung stärken".

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