Polen führt Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne ein

Debatte auch in Deutschland:Polen führt Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne ein

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Deutschland diskutiert weiter über eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne - Polen führt diese jetzt für ein Jahr ein. Steuern auf Kraftstoffe sollen gleichzeitig sinken.

Archiv:  Fahrzeuge mit deutschen Kennzeichen stehen an einer Tankstelle im polnischen Slubice.

Polen führt eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne ein. (Symbolbild)

Quelle: Patrick Pleul / dpa

Um die Preise für Benzin und Diesel senken zu können, führt Polen eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne ein. Nachdem Präsident Karol Nawrocki ein entsprechendes Gesetz unterschrieben hatte, veröffentlichte die Regierung eine Verordnung über ein neues Spritpreispaket.

Die Übergewinnsteuer wird für den Zeitraum vom März 2026 bis März 2027 erhoben. Die Abgabe betrifft Unternehmen, die auf der Grundlage ausländischer Konzessionen Kraftstoffe herstellen oder verarbeiten. Daraus resultierende Einnahmen sollen direkt in den Staatshaushalt fließen.

Jeder Zloty, der dank dieses Gesetzes eingenommen wird, muss für die Senkung der Treibstoffpreise ausgegeben werden.

Präsident Karol Nawrocki

Abgeordnete geben bei der namentlichen Abstimmung im Bundestag über den Tankrabatt und die Senkung der Energiesteuer ihre Stimmen ab.

In Deutschland ist der Tankrabatt seit dem 1. Oktober in Kraft. Die SPD fordert zudem eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne.

25.09.2026 | 1:49 min

Übergewinnsteuer soll Spritpreispaket finanzieren

Nach der nun erlassenen Verordnung der Regierung wird die Mehrwertsteuer auf Treibstoffe von bislang 23 Prozent auf acht Prozent gesenkt. Außerdem gelten eine niedrigere Energiesteuer sowie ein Maximalpreis, der täglich vom Energieministerium festgelegt wird. Die Regelung tritt am 3. Oktober in Kraft und gilt bis Jahresende. 

Energieminister Milosz Motyka erwartet, dass die Treibstoffpreise bereits am Samstag um umgerechnet bis zu 30 Cent fallen werden. In Polen kostet Superbenzin gegenwärtig im Schnitt umgerechnet 2,05 Euro pro Liter und Diesel 2,06 Euro pro Liter. 

Um das Gesetz zur Einführung der Übergewinnsteuer hatte es in Polen politisches Gezerre zwischen der Regierung und dem rechtskonservativen Präsidenten gegeben. Einen ersten Anlauf der Regierung hatte Nawrocki im Sommer per Veto gekippt. Unter dem Druck der Öffentlichkeit unterzeichnete er das Gesetz nun zwar, beauftragte aber gleichzeitig das Verfassungsgericht mit der Überprüfung.

Eine Übergewinnsteuer ist eine temporäre Sondersteuer. Sie hat das Ziel, Zufallsgewinne von Konzernen abzuschöpfen, die durch außergewöhnliche externe Umstände verursacht wurden. Die Idee dahinter: Unternehmen sollen nicht nur deshalb sehr viel mehr verdienen, weil Krieg, Knappheit oder Marktverwerfungen die Preise nach oben treiben.

Der reguläre Gewinn soll unangetastet bleiben, nur Renditen, die ausschließlich durch Krisen entstanden, sollen beschnitten werden - zumindest in der Theorie. Die dadurch erzielten, zusätzlichen Einnahmen sollen der Allgemeinheit zugute kommen.


Andreas Audretsch  Bündnis 90/Die Grünen | stellv. Fraktionsvorsitzender

Für eine Übergewinnsteuer für Energiekonzerne sprach sich Mitte September auch der stellvertretende Fraktionschef der Grünen, Andreas Audretsch, aus.

16.09.2026 | 6:16 min

Deutschland: CDU und SPD uneins

Auch in Deutschland wird seit Monaten über eine Übergewinnsteuer diskutiert. Bundeskanzler Friedrich Merz und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (beide CDU) lehnen sie ab, die SPD von Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil ist dafür.

Auch Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge hatte zuletzt für eine Übergewinnsteuer plädiert. Mit den Einnahmen solle ein pauschales Energiegeld finanziert werden. Beim Tankrabatt lande dagegen ein relevanter Anteil bei den Mineralölkonzernen.

Linken-Chefin Ines Schwerdtner sagte, der Tankrabatt werde "direkt aus den Taschen der Steuerzahler bezahlt" und löse keines der Probleme in der aktuellen Ölpreiskrise. "Stattdessen müssen endlich die Milliarden an Übergewinnen der Mineralölkonzerne dafür genutzt werden, um die Menschen im Land wirklich zu entlasten", forderte sie.

Bayern, München: Spritpreise auf einer Anzeigetafel.

SPD-Chefin Bärbel Bas forderte bereits im Frühjahr eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne.

18.03.2026 | 0:23 min

SPD-Ministerpräsident für nationale Steuer

Ein Vorstoß Klingbeils auf Ebene der Europäischen Union wurde von EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis vorläufig abgelehnt. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) forderte, die Steuer notfalls national einzuführen.

"Was jetzt auf der EU-Ebene nicht geht, sondern auf nationaler Ebene, muss umgesetzt werden", sagte Lies vergangene Woche "Table.Briefings". Es könne "nicht sein, dass wenige profitieren und alle es zahlen".

So entwickelt sich der Spritpreis heute

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Quelle: dpa, Reuters, AFP
Über die Debatte rund um die hohen Spritpreise und eine Übergewinnsteuer berichtete das ZDF zuletzt regelmäßig, u. a. in den heute-Nachrichten am 14.09.2026 ab 17 Uhr.
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