Pontifex schärft sein Profil:Trump-Streit und Co.: So lief das erste Jahr von Papst Leo
von Jürgen Erbacher
Leo XIV. ist ein Papst leiser Töne - doch er gewinnt an Profil, wie der Trump-Streit zeigt. Politisch ist Frieden sein großes Thema, innerkirchlich will er weniger Polarisierung.
Seit Mai 2025 führt Papst Leo XIV. die katholische Kirche. Wohin geht die Reise?
02.04.2026 | 43:35 min"Der Friede sei mit Euch allen!" Das waren die ersten öffentlichen Worte des neugewählten Papstes vor einem Jahr. Damit war das Programm für das Pontifikat gesetzt. Das Engagement für Frieden und Versöhnung steht im Zentrum des Handelns von Leo XIV. Dabei lässt er sich von niemandem beeinflussen.
Papst Leo XIV. pocht auf Frieden - erzürnt damit Trump
Das machte er im Streit mit US-Präsidenten Donald Trump in den vergangenen Wochen deutlich. Noch am Dienstag erklärte das Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken mit Verweis auf seinen ersten Auftritt: "Ich habe gesagt: 'Friede sei mit euch', und die Mission der Kirche ist es, das Evangelium zu verkünden, den Frieden zu verkünden." Wenn ihn jemand dafür kritisieren wolle, dass er das Evangelium verkünde, solle er das mit der Wahrheit tun, erklärte Leo XIV.
Es war ein beispielloser Streit zwischen dem US-Präsidenten und Papst Leo XIV. - Trump legte nochmal nach und bezeichnete den Papst als eine Zumutung. Was steckt hinter dem Konflikt? ZDFheute live
15.04.2026 | 33:15 minDamit reagierte er auf erneute Vorwürfe Trumps, für den Papst sei es okay, dass der Iran Atomwaffen besitze. Leo stellte klar: "Die Kirche spricht sich seit Jahren gegen alle Atomwaffen aus, da gibt es also keinen Zweifel. Und ich hoffe einfach, dass man mir Gehör schenkt, um des Wortes Gottes willen."
Leo auf Franziskus' Spuren
Die Auseinandersetzung mit dem US-Präsidenten Trump hat Leo weltweit Aufmerksamkeit verschafft. Für viele wirkte der 70-jährige Pontifex bis dahin blass, sein Pontifikat wurde kaum wahrgenommen. Dabei steht er bei vielen Themen in der Linie seines Vorgängers Franziskus und positioniert die katholische Kirche weiter bei den Armen und Ausgegrenzten.
Auch beim Thema Klimawandel kritisierte Leo XIV. wiederholt die, "die noch nicht die Dringlichkeit erkennen, für unser gemeinsames Haus, die Schöpfung, Sorge zu tragen". Elf Tage tourte er im April durch vier Länder Afrikas, um die Ausbeutung natürlicher Ressourcen zu kritisieren, mehr soziale Gerechtigkeit einzufordern und zur Überwindung von Gewalt zu mahnen.
Leo XIV. ist seit einem Jahr Papst und mehr - der Tagesausblick zum 08. Mai 2026.
08.05.2026 | 0:46 minWenig Veränderungen innerhalb der Kirche
In wenigen Tagen soll seine erste Enzyklika erscheinen. Er will sie dem Vernehmen nach am 15. Mai unterzeichnen. Auf den Tag genau vor 135 Jahren veröffentlichte Papst Leo XIII. die erste Sozialenzyklika und begründete damit die katholische Soziallehre. Damals ging es um eine Antwort auf die sozialen Folgen der Industrialisierung. In der Enzyklika Leos XIV. wird es um die Frage gehen, wie Künstliche Intelligenz (KI) heute Leben und Arbeit verändert. Es dürfte kein Zufall sein, dass Leo am Jahrestag seiner Wahl das Marienheiligtum von Pompeji besucht. Das ist eng mit caritativen Diensten verbunden.
Innerkirchlich hat der Augustinermönch auf dem Stuhl Petri im ersten Jahr wenige Akzente gesetzt. Im Vatikan sortierte er einige Zuständigkeiten neu. Bei den großen Reformthemen wie Abschaffung des Pflichtzölibats, der Weihe von Frauen oder der Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren trat er erst einmal auf die Bremse. Schnell sind hier keine Veränderungen zu erwarten.
Am Anfang seiner Amtszeit hatte Papst Leo XIV. sich dem Zuhören gewidmet. Auf seiner Afrika-Reise prangert er Machtgehabe und Kriegstreiberei an, wurde dafür von US-Präsident Trump attackiert.
21.04.2026 | 2:07 minVielmehr legt Leo XIV. Wert auf Beratungen. Er will möglichst viele Stimmen hören und die Debatten versachlichen. Anfang Januar hatte er alle Kardinäle nach Rom berufen, Ende Juni wird er sie wieder treffen. Im Oktober kommen alle Vorsitzenden der Bischofskonferenzen in den Vatikan, um über das Thema Ehe und Familie zu sprechen. Hier dürfte es auch um wiederverheiratete Geschiedene und gleichgeschlechtliche Paare und deren Segnung gehen.
Differenzen zwischen Vatikan und deutscher Kirche
Das ist einer der wenigen Punkte, in denen Leo klar Position bezogen hat. Den Segen für diese Paare, wie er von der Mehrheit der deutschen Bischöfen vorgesehen ist, lehnte er wiederholt öffentlich ab. Zugleich betonte er aber, dass man aus Fragen der Sexualmoral keine Spaltung ableiten könne. Den Dissens zwischen Vatikan und Deutschland sieht er offenbar als weniger gravierend an.
Dennoch belastet dieses Thema die Beziehungen. Noch ist offen, wie der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, hier eine Lösung finden will.
Auf dem Rückflug seiner Afrikareise hat Papst Leo XIV. die förmliche Segnung von homosexuellen Paaren abgelehnt. Der Vatikan sei mit einer weitergehenden Liberalisierung "nicht einverstanden".
24.04.2026 | 1:05 minAuch bei einem zweiten Thema zeichnet sich ein Konflikt ab. Die deutschen Bischöfe wollen die Predigt von Laien in der Messe erlauben; aus dem Vatikan sind skeptische Stimmen zu hören. Dennoch hat sich das Verhältnis zwischen dem Vatikan und den deutschen Bischöfen unter Leo XIV. entspannt. Seine ruhige Art trägt dazu bei, dass Brücken gebaut werden können. Wie stabil die sind, muss sich noch zeigen, wenn nach vielen Beratungen der Papst dann entscheidet.
Jürgen Erbacher ist Leiter der ZDF-Redaktion Religion und Leben.
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