Streit zwischen Papst und Trump: Die Macht von Leo XIV.

Analyse

Streit zwischen Papst und US-Präsident:Leo XIV.: Ein unterschätzter mächtiger Mann ohne Truppen

Porträt Jürgen Erbacher

von Jürgen Erbacher

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Der Papst hat keine Armee, dennoch große Macht. Das zeigt sich nach Trumps Angriff auf das Kirchenoberhaupt. Leo XIV. zeigt sich unbeirrt; auch weil er unabhängig ist.

Donald Trump links im Bild und rechts daneben ein Bild von Papst Leo dem 14.

Es ist ein beispielloser Streit zwischen dem US-Präsidenten und Papst Leo XIV. Trump legt nochmal nach und bezeichnet den Papst als eine Zumutung. Was steckt hinter dem Konflikt? ZDFheute live

15.04.2026 | 33:15 min

Der Papst wird gerne belächelt. Was soll der weiße Mann in dem Zwergstaat im Herzen Italiens ausrichten können? Sein Heer, die Schweizergarde, die sich gerne als die kleinste Armee der Welt bezeichnet und in bunten Gewändern an den Eingängen des Vatikans kontrolliert, zählt gerade einmal 130 Mann.

Doch die Macht des Papstes liegt nicht in Divisionen, sondern in seiner moralischen Autorität und einem Einfluss auf die Katholikinnen und Katholiken weltweit, der zwar nicht gemessen werden kann, aber auch nicht unterschätzt werden darf.

Johannes Paul II. nutzte Einfluss im Ostblock

Die Rolle Johannes Pauls II. bei den Umwälzungen in Osteuropa in den 1980er Jahren ist unbestritten. Seine kontinuierliche Botschaft des Mutmachens an die Gläubigen in Polen und anderen Ländern des ehemaligen Ostblocks zeigte Wirkung.

Unvergessen sein Aufruf an die Massen "Habt keine Angst!" beim ersten Besuch in seinem Heimatland Polen im Juni 1979. Scharf war seine Kritik am Kommunismus. Über geheime Kanäle unterstützte er die Gewerkschaft Solidarnosc. Sie war die erste Massenbewegung im Ostblock, die nicht von der kommunistischen Partei kontrolliert wurde. Es ist ein Beispiel dafür, wie ein Papst Macht entfalten kann.

Religion spielt auch in den USA eine große Rolle

Kurz nach der Wahl Leos XIV. im Mai vergangenen Jahres stand die Frage im Raum, ob er für die USA unter Trump eine ähnliche Wirkung entfalten könnte, wie Johannes Paul II. seinerzeit in Polen und dem Ostblock. Die Situation ist einerseits eine völlig andere, die USA sind eine Demokratie. Andererseits sind auch die USA ein Land, in dem Religion und Glauben eine wichtige Rolle spielen. Deshalb ist es für den Präsidenten nicht unerheblich, wie die einzelnen Religions-Communitys sich zu ihm positionieren.

Laut dem Forschungsinstitut Pew Research Center wählten 55 Prozent der Katholiken Trump bei der letzten Wahl. Im Februar berichtete Pew, dass immer weniger weiße Katholiken überzeugt seien, dass der US-Präsident im Amt ethisch handle. Das war noch vor dem aktuellen Streit.

Papst Leo XIV. steht inmitten vieler Personen. Er begrüßt Menschen bei seiner Ankunft zu einem Pastoralbesuch in der Basilika Sacro Cuore di Gesù im römischen Stadtteil Castro Pretorio im Februar 2026.

Seit Mai 2025 führt Papst Leo XIV. die katholische Kirche. Wohin geht die Reise? Kann er die Polarisierung in der Kirche beenden? Kommen notwendige Reformen? Eine erste Bilanz.

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Der Papst hat zwar keine Divisionen. Dafür hat seine Unabhängigkeit einen großen Wert. Er ist selbst Staatsoberhaupt und niemandes Untertan. Er ist nicht von Wahlen abhängig, muss keine Wirtschaftssanktionen fürchten. Einen wunden Punkt gibt es allerdings. Würde Trump Druck auf Kreditkartenunternehmen ausüben und die den Betrieb im Vatikanstaat einstellen, träfe das den Ministaat empfindlich.

So geschehen Anfang 2013, als die italienische Zentralbank erwirkte, dass die Kartenzahlungen im Vatikan vorübergehend eingestellt wurden. Sie zwang damit den Papst, schärfere Regelungen gegen Geldwäsche einzuführen. Der Vatikan ist auf die Einnahmen der Millionen Touristen und Pilger in den Vatikanischen Museen, Souvenirshops und der eigenen Post angewiesen. Benedikt XVI. reagierte damals schnell und brachte wichtige Regeländerungen auf den Weg. Die Blockade dauerte nur wenige Tage.

Trump erntet mit Papst-Kritik Gegenwind

Trump könnte Druck auf die katholische Kirche in seinem Land ausüben. Viele Institutionen mussten das bereits erfahren. Doch das könnte zu einer Solidarisierung der Religionsgemeinschaften untereinander führen. Dazu kommt, dass auch Trump-Unterstützer in den Reihen der katholischen Kirche den US-Präsidenten nach seiner Papstschelte kritisierten, darunter der konservative katholische Bischof Robert Barron. Der ist Trump bisher wohlgesonnen, forderte ihn aber am Montag zu einer Entschuldigung beim Papst auf.

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Die moralische Autorität ist die Stärke des Papstamts. Die speist sich auch aus der politischen Unabhängigkeit. Der Papst fühlt sich der Menschenwürde verpflichtet, einer am Gemeinwohl und einer nachhaltigen Entwicklung orientierten Gesellschaftsordnung, im Kleinen wie global. Stichworte sind Gerechtigkeit und Solidarität.

Tat sich die katholische Kirche anfangs mit den allgemeinen Menschenrechten schwer, gehören die Päpste seit langer Zeit zu deren eifrigsten Verteidigern. Dass dies mit Blick auf die Gleichberechtigung von Mann und Frau hinkt, sehen sie nicht; es schmälert aber auch nicht ihr Engagement dafür.

Jürgen Erbacher ist Leiter ZDF-Redaktion Religion und Leben.

Über dieses Thema berichtete das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF am 15.04.2026 ab 05:30 Uhr.

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