Trump will verbesserten Atomvertrag:Neues Abkommen nach "New Start"? Experte ist skeptisch
Nach dem Ende von "New Start" drängt Trump auf ein neues Abkommen. Experte Lange warnt: Beide Seiten könnten zusätzliche Bedingungen und politische Forderungen koppeln.
"New Start" sei ein Relikt aus der Vergangenheit, sagt der Sicherheitsexperte Nico Lange. Es gebe neue Waffen und aufstrebende Mächte. Es sei grundsätzlich richtig, auch über neue Wege nachzudenken.
05.02.2026 | 5:11 minDer letzte Atomwaffen-Abrüstungsvertrag zwischen den USA und Russland, das sogenannte "New Start"-Abkommen, sei schlecht verhandelt gewesen. Das sagte US-Präsident Donald Trump, nachdem der Vertrag am Donnerstag ausgelaufen war. Trump hatte zuletzt gefordert, China in künftige Rüstungskontrollabkommen einzubeziehen. Peking erteilte dieser Vorstellung am Donnerstag aber eine Absage: "Chinas Nuklear-Arsenal ist keineswegs mit dem der USA oder Russlands vergleichbar. China wird sich nicht an den Verhandlungen zur nuklearen Abrüstung beteiligen", sagte Lin Jian, Sprecher des chinesischen Außenministeriums.
Dann eben doch nur Russland? So scheint es. US-Präsident Trump will nun ein neues, besseres Abkommen mit Russland. Trump wolle Experten eine neue Version des "New Start"-Abkommens ausarbeiten lassen, teilte seine Sprecherin Karoline Leavitt am Donnerstag mit. Hat Trump Recht mit seiner Haltung zum "New Start"-Abkommen und wie wahrscheinlich ist eine Neuauflage?
Dazu äußert sich Nico Lange, Experte für Sicherheits- und Verteidigungspolitik bei der Münchner Sicherheitskonferenz, im ZDF heute journal.
Sehen Sie das gesamte Interview oben im Video oder lesen Sie es hier in Auszügen.
Deutschland und Europa hätten die Gefahr lange ignoriert, erklärt Weltraumexpertin Nötzold. Wenn sich Weltraumsysteme anderen näherten, sei das stets brisant.
26.09.2025 | 15:49 minWie ist Trumps Haltung mit Blick auf das "New Start"-Abkommen zu bewerten?
Trump habe nicht immer recht, so Lange, aber:
In dem Fall ist es so, dass der New-Start-Vertrag sowas ist wie ein Relikt aus der Vergangenheit.
Nico Lange, Experte für Sicherheits- und Verteidigungspolitik
Bestehende Abrüstungsverträge seien aus einer anderen Zeit. Jetzt gebe es "neue Waffensysteme, neue Raketen, Hyperschallraketen zum Beispiel und andere". Gleichzeitig gebe es aufstrebende Mächte wie China, die ihr Nuklear-Arsenal ständig ausbauten. Grundsätzlich seien Abrüstungsabkommen legitime Mechanismen:
Zu diesen Verträgen gehörte Transparenz, man konnte sehen, was der andere macht und China will sich da offensichtlich nicht in die Karten gucken lassen.
Nico Lange, Experte für Sicherheits- und Verteidigungspolitik
Gleichzeitig betonte Lange, dass es auch ohne Verträge Möglichkeiten gebe, für Transparenz zu sorgen: "Inspektionen freiwillig zulassen, für Vertrauen sorgen und vor allen Dingen verhindern, dass es auf der anderen Seite Fehlkalkulationen gibt", betonte Lange.
Der New-Start-Vertrag von 2010 sollte die Zahl der Atomwaffen reduzieren – nun ist er ausgelaufen. US-Präsident Trump wirbt für ein "verbessertes und modernisiertes" Abkommen.
05.02.2026 | 2:43 minWie realistisch ist es, dass man nach "New Start" einen neuen Vertrag aushandeln kann?
"Ich bin skeptisch, gerade wenn von solchen Deals gesprochen wird und wenn das in den Zusammenhang gesetzt wird mit allen möglichen Dingen, jetzt Friedensverhandlungen in Bezug auf die Ukraine, vielleicht noch andere wirtschaftliche Deals, die Trump ja immer im Sinn hat, der alles mit allem verbinden will", erklärt Lange.
Ich bin nicht besonders zuversichtlich, dass es da jetzt gelingt, einen neuen Vertrag und schon gar nicht schnell miteinander auszuverhandeln.
Nico Lange, Experte für Sicherheits- und Verteidigungspolitik
Russland hat dem Experten zufolge ein Interesse daran, mit den USA auf Augenhöhe wahrgenommen zu werden und das Gespräch aufrecht zu erhalten. "Aber es ist jetzt nicht so, dass Putin ein ehrliches Interesse an nuklearer Abrüstung hätte", schränkt Lange ein.
Welche Staaten haben wie viele Atombomben? Wo sind sie in Europa stationiert? Was bedeutet die Unterscheidung in taktische und strategische Atomwaffen? Ein grafischer Überblick.
03.07.2025 | 1:31 minWelche Rolle spielt China und wie wahrscheinlich ist es, dass Peking sich doch in Gespräche einklinkt?
China wolle sich einerseits nicht in die eigenen Karten schauen lassen, ordnet Lange ein. Andererseits wolle China nukleare Fragen erst dann aufrufen und adressieren, "wenn es stark genug ist".
Das war ja fast schon eine Freudsche Leistung des Sprechers da heute, der gesagt hat, die anderen haben viel mehr, deswegen reden wir noch nicht mit.
Nico Lange, Experte für Sicherheits- und Verteidigungspolitik
Diese Aussage suggeriere: "Wir reden dann mit, wenn wir auch so stark sind, wenn wir mehr Sprengköpfe, mehr Waffensysteme haben und dann rufen wir die Frage auf."
Beobachter hätten schon vielfach darüber gesprochen, dass "der russische Angriffskrieg auf die Ukraine, der russische Versuch mit Nuklearwaffen einen regionalen Krieg abzusichern, das Auslaufen dieses Vertrages, alles Hinweise darauf sind, dass wir mehr Atomwaffen sehen werden auf der Welt und auch mehr Risiken, die damit zusammenhängen", fasst der Sicherheitsexperte zusammen. Warum?
Weil es zu wenig Transparenz gibt, zu wenig Möglichkeiten, sich gegenseitig zu beobachten und weil dann alle aufgrund unvollständiger Informationen ihre jeweiligen Kalkulationen anstellen.
Nico Lange, Experte für Sicherheits- und Verteidigungspolitik
Weltweites Atomwaffen-Arsenal
Quelle: ZDFBesteht die Möglichkeit, dass die USA und Russland "New Start" freiwillig weiter einhalten?
Bei Gesprächen in Abu Dhabi am Donnerstag deuteten sowohl die amerikanische als auch die russische Seite an, "New Start" möglicherweise freiwillig weiterhin einzuhalten, um dann eine Art modernisierte Neuauflage zu verhandeln. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte, man sei offen für den Dialog, falls Washington sich auch bereit erkläre, zentrale Bestimmungen für ein weiteres Jahr beizubehalten. Wie ist dieses Signal einzuordnen?
Das freiwillige Einhalten, zum Beispiel von "Zugänge[n] für Beobachter, das Schaffen von Transparenz und von klaren Informationen, ist eine gute Sache, die man unterstützen sollte", bilanziert Lange. "Das kann man eben auch tun, wenn der Vertrag ausläuft."
Was eine Neuverhandlung betrifft, scheint mir, dass beide Seiten das in den Kontext auch noch mit anderen Dingen stellen.
Nico Lange, Experte für Sicherheits- und Verteidigungspolitik
Gleichzeitig betont der Experte, dass die Europäer darauf einen sehr genauen Blick haben müssten: "Ist das Teil einer großen Vereinbarung zwischen den USA und Russland, die am Ende auch zu Lasten der Ukraine und zu unseren Lasten geht?" Rüstungskontrollabkommen und Fragen nach Neuverhandlungen zu instrumentalisieren, "gerade im Zusammenhang mit Friedensverhandlungen für die Ukraine" hält Lange insgesamt für schwierig.
Das Interview führte ZDF-Moderatorin Anne Gellinek, zusammengefasst hat es ZDFheute-Redakteurin Laura Marie Mertes.
Nach Ablauf des "New Start"-Abkommens zwischen den USA und Russland könnte es zu einem "Rüstungswettlauf zwischen den Supermächten kommen", berichtet ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen.
05.02.2026 | 3:35 minMehr zu Thema
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