Experte: Nuklearer Rüstungswettlauf droht nach Ende von New Start

Interview

Nach Auslaufen von "New Start":Experte: Welt an der Schwelle zu nuklearem Rüstungswettlauf

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Nach dem Ende des "New Start"-Vertrags wächst die Gefahr eines nuklearen Wettrüstens. Experte Fella warnt vor weniger Berechenbarkeit und einer Rückkehr zur Abschreckungslogik.

Putin und Trump neben einem Atom-Warnschild

Das "New Start"-Abkommen ist ausgelaufen. Kommt jetzt das Atom-Poker ohne Regeln? ZDFheute live ordnet ein.

05.02.2026 | 10:49 min

Der letzte Atomwaffen-Abrüstungsvertrag zwischen den USA und Russland ist ausgelaufen. Und eine Weiterführung des "New Start"-Abkommens mit Beteiligung Chinas ist nicht in Sicht. Tobias Fella vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik glaubt, dass es damit auch ein neues nukleares Wettrüsten geben könnte.

Im Interview mit ZDFheute live sagte er:

Das bedeutet, dass wir uns tatsächlich an der Schwelle von einem neuen nuklearen Rüstungswettlauf befinden. Dass die Zeit der Abrüstung vorbei ist, dass die Berechenbarkeit weiter abnimmt.

Tobias Fella, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik

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Globaler Ordnungskollaps

Zudem bestehe ein höheres Risiko, dass weitere Nuklearmächte zu den bestehenden hinzukommen, so Fella. Und wenn keine Verträge zur Verifikation von Angaben geschlossen würden, gebe es auch weniger Berechenbarkeit und es könnten "negative Szenarien größer werden, auf die man sich glaubt vorbereiten zu müssen".

Das passt gut zu dem Gesamtbild, dass wir es momentan hier wirklich mit einem Ordnungskollaps, einer Ordnungserosion zu tun haben.

Tobias Fella, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik

Der "New Start"-Vertrag begrenzte die Zahl der strategischen Atomsprengköpfe sowie die der Raketen und Startvorrichtungen auf beiden Seiten. Das Abkommen läuft nach mehr als einem halben Jahrhundert aus. Putin hatte die Umsetzung durch Russland 2023 wegen der US-Unterstützung für die Ukraine ausgesetzt.

... ist Politikwissenschaftler und forscht unter anderem zu Rüstungskontrolle sowie zu konventioneller und nuklearer Abschreckung. In Berlin leitet er das trilaterale Forschungs- und Transferprojekt Challenges to Deep Cuts des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg.


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US-Logik zielt auf China

US-Präsident Donald Trump forderte zuletzt, China in künftige Rüstungskontrollabkommen einzubeziehen. Peking lehnte diese Forderung Washingtons am Donnerstag "zum jetzigen Zeitpunkt" ab.

Aus der US-Logik heraus sei es vor allem China, das abgeschreckt werden müsse, betonte Fella. Das Land habe relativ stark aufgerüstet und besitze aktuell etwa 600 Nuklearsprengköpfe. Deshalb hätten die Amerikaner die Idee, das eigene US-Nuklearwaffenarsenal vielleicht zu erhöhen.

Und da sind mehr Nuklearwaffen nötig als man bisher hat.

Tobias Fella, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik

Elmar Theveßen | ZDF-Korrespondent in Washington

Nach Ablauf des "New Start"-Abkommens zwischen den USA und Russland könnte es zu einem "Rüstungswettlauf zwischen den Supermächten kommen", berichtet ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen.

05.02.2026 | 3:35 min

Von Vertrag bis Wettrüsten - wie geht es weiter?

Fella benannte mehrere Szenarien, wie es nach "New Start" weitergehen könne:

  • Am liebsten hätten die USA laut Fella ein Abkommen mit Russland und China gleichzeitig. Dann könne es auch Limits geben - wobei die Frage sei, ob Russland das mittragen würde.
  • Eine andere Option wäre, dass die USA mit China und mit Russland jeweils ein eigenes Abkommen haben.
  • Es könne aber auch sein, dass es statt Verträgen nur Willensbekundungen aus Moskau oder Washington gebe, die sich an die alten "New Start"-Zahlenlimits orientieren. "Da ist die Überprüferkarte natürlich schwerer."
  • Auch dass die Supermächte sich ohne Vereinbarungen an die Limits halten, sei denkbar.
  • Und: Es könnte sein, dass beide Seiten ihre nuklearen Trägersysteme mit zusätzlichen Sprengköpfen bestücken. Damit könnten Russen und Amerikaner in den nächsten ein bis zwei Jahren ihr stationiertes Arsenal sogar verdoppeln.

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Welchen Weg schlägt Europa ein?

Mit Blick auf Europa hob Fella die Bedeutung von Abschreckung Richtung Moskau hervor. "Es ist auch klar, dass die Europäer eigene Kanäle brauchen nach Moskau, um zu reden über Rüstungskontrolle." Und eine Debatte über eine europäische nukleare Abschreckung mit Frankreich im Zentrum.

Denkbar sei etwa, dass andere europäische Länder wie Deutschland französische Nuklear-Operationen mit konventionellen, also nicht nuklearen Streitkräften, unterstützen, sagte Fella. Und dass französische Flugzeuge, die mit Nuklearwaffen bestückt werden können, auf Flugplätzen in anderen europäischen Ländern sind.

Und es gebe die Idee von einer europäischen Nuklearwaffen-Atombombe. Das sei aber angesichts der vielen Problemthemen innerhalb der EU nicht realistisch. "Warum sollte es dann der große Wurf bei den Nuklearwaffen gelingen?"

Quelle: ZDF
Über das Thema berichtete ZDFheute live am 05.02.2026 um 12:38 Uhr in der Sendung "USA und Russland: Kein Limit für Atomwaffen".

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