Laurie Marsden spricht über Jeffrey Epstein und ihr Buch

Interview

Ex-Model zum Epstein-Skandal:"In der Modelbranche gehören sexuelle Übergriffe zum Alltag"

Gert Anhalt

von Gert Anhalt

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Die Veröffentlichung weiterer Akten aus den Epstein-Files zeigt: der verurteilte Sexualstraftäter nutzte ein Netzwerk von Mittätern, um junge Mädchen und Frauen anzulocken.

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Politiker, Künstler und Reiche sind verstrickt in das Missbrauchsnetzwerk von Jeffrey Epstein. Doch wie gelang dem Sexualstraftäter der Aufstieg in den Kreis der Mächtigen?

05.03.2026 | 43:41 min

Der wichtigste Komplize Jeffrey Epsteins war ein französischer Model-Agent namens Jean-Luc Brunel. Epstein behauptete, Brunel habe ihm 1000 Mädchen zum Missbrauch zugeführt und finanzierte ihm sogar eine Modelagentur, die vermutlich hauptsächlich diesem Zweck diente.

Ex-Model Laurie Marsden hat Brunel, gegen den es immer wieder Vorwürfe wegen sexueller Belästigung gab, während ihrer Model-Karriere kennengelernt. "Mich hat er in Ruhe gelassen", schreibt sie in ihrem Buch "Men and MeToo", "womöglich war ich ihm zu alt".

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Im ZDF-Interview spricht sie über den Epstein-Fall und das dunkle Thema sexuelle Ausbeutung junger Frauen und Mädchen in der Model-Branche.

ZDF: Wie konnte ein Mann wie Jean-Luc Brunel über Jahre sein Unwesen treiben?

Laurie Marsden: Brunel war bekannt als einer der besten Agenten in Paris. Er konnte Mädchen zu Stars machen. Das war keiner, der Mädchen in dunklen Gassen ansprach, sondern kam von ganz oben. Es gibt ein riesiges Machtgefälle, wenn ein junges Mädchen - 13, 14, 15 Jahre alt, vielleicht naiv, aus einfachen Verhältnissen, aus einer kleinen Stadt - in die Branche will.

So ein Mädchen träumt vielleicht von Glamour und viel Geld und sie will ihr Bestes geben. Aber die Männer, mit denen sie dann zu tun hat, wollen nicht unbedingt ihr Bestes.

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ZDF: Missbrauch und Übergriffe sind also keine Ausnahme in dem Geschäft?

Marsden: In der Modelbranche gehören sexuelle Übergriffe zum Alltag. Da werden die Frauen oft als reine Ware angesehen, die mit ihrem Aussehen, ihrem Körper Produkte vermarkten.

Manchmal bekommen sie erst dann Arbeit, wenn sie sich auch zu sexuellen Diensten bereit erklären. "Das Spiel spielen", wird das genannt. Es gab nicht nur Jean-Luc Brunel, sondern auch andere Agenten wie Gerald Marie. Und da sind Fotografen, die übergriffig wurden. Die Liste von Raubtieren in dieser Branche ist lang.

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ZDF: Und auch die Liste der Opfer - im Falle Epstein wird ihre Zahl auf bis zu tausend veranschlagt. Wie schätzen Sie die juristische Aufarbeitung des Epstein-Skandals ein?

Marsden: Ich bin mit einigen seiner Opfer in Kontakt und mir bricht das Herz, wenn ich sehe, wie da weiter gemauert wird. Sie wurden so unfair behandelt und suchen seit Jahrzehnten vergebens Gerechtigkeit. Viele waren noch Kinder, als sie mit einer ungeheuren Scham leben mussten.

Vor allem die Opfer, die er in Florida an den Schulen gefunden hat. Die wurden von Epsteins Anwälten als Prostituierte dargestellt, weil sie von ihm Geld genommen hatten. Und dann machte die Staatsanwaltschaft über ihre Köpfe hinweg einen lächerlichen Vergleich mit Epstein, der 2008 mit einer geringen Strafe davonkam.

Norwegen, Oslo: Norwegische Zeitungen berichten am Montag (02.02.2026) über den Kontakt der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit zu dem Sexualstraftäter Epstein.

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ZDF: Mächtige und reiche Männer übten mit Epstein jahrelang diesen Missbrauch aus und fühlten sich offenbar unverwundbar. Was sagt das über die Eliten aus?

Marsden: Eins ist klar: jeglicher Missbrauch hat mit Macht und Kontrolle zu tun. Manche Männer meinen, sie haben einen Anspruch auf den weiblichen Körper und sie nutzen ihre Macht, ihn zu bekommen. Aber es gibt Missbrauch nicht nur in elitären Kreisen.

Denken Sie an Gisele Pelicot. Da geschah das Verbrechen in einem kleinen Dorf. Sie wurde vom Bäcker, vom Handwerker, vom Dorflehrer vergewaltigt. Aus meiner Arbeit als Therapeutin kenne ich das Phänomen als "männlicher Diskrepanz-Stress". Wer in seiner Rolle als Mann unsicher ist, der tendiert dazu, Frauen anzugreifen.

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Sie wurde von ihrem Mann jahrelang betäubt und von dutzenden Männern vergewaltigt. Nun berichtet Gisèle Pelicot in ihrem Buch über die Taten und will anderen Betroffenen Mut machen.

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ZDF: Was kann man tun, um so etwas in zu verhindern?

Marsden: Der Schlüssel liegt in der Herstellung gleicher Rechte für Frauen. Dort, wo Frauen weniger Rechte haben, ist die Gefahr größer, dass sie Opfer von Gewalt werden. Und ganz wichtig: die Täter müssen zur Verantwortung gezogen werden.

Wenn vieles im Dunklen bleibt - wie jetzt im Fall Epstein - kann es keine Verbesserung und keine Heilung geben.

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Das Interview führte Gert Anhalt, Reporter in der ZDF-Redaktion auslandsjournal

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