Kommt die blaue Welle?:Wie Georgia Geschichte schreiben könnte
von Anne Brühl, Georgia
Georgia gilt als klassischer Swing-State. Diesmal könnte zum ersten Mal in der Geschichte der USA eine schwarze Gouverneurin an die Spitze eines Bundesstaats gewählt werden.
Kurz vor den Zwischenwahlen kämpfen Demokraten und Republikaner in Georgia um die Stimmen unentschlossener Wähler. Wirtschaftliche Sorgen prägen den Wahlkampf.
01.11.2026 | 2:33 minDie Demokratin Keisha Lance Bottoms muss kämpfen - die Umfragen, die in den USA ohnehin von begrenzter Verlässlichkeit sind, sehen ein Kopf-an-Kopf-Rennen, wenn es um das Gouverneursamt geht.
Wahlkampf gegen Trump
Lance Bottoms war Bürgermeisterin von Atlanta, jetzt will sie an die Spitze des Bundesstaates mit einer klaren Botschaft: Jeder, egal welcher Herkunft und Hautfarbe, verdiene eine bessere Zukunft. Sie will auf einen besseren Zugang zu Bildung setzen, an einigen Colleges die Studiengebühren abschaffen und in die medizinische Grund-Versorgung investieren. Sie wettert gegen die hohen Preise und eine korrupte Clique um Präsident Trump.
Dessen Umfragewerte sind im Keller und die Frage, die sie sich bei den Republikanern in Georgia schon stellen, ist die: Zieht der Präsident die konservativen Kandidaten mit in den Keller?
Rick Jackson, Gouverneurskandidat der Republikaner, genießt die volle Unterstützung des Präsidenten. Seine Anhänger stehen hinter ihm - viele nicht wegen, sondern trotz Trump. "Klar sind wir nervös", sagt Neeahtima Dowdy, die auf eine von Jacksons Veranstaltungen gekommen ist. Jackson ist der Gründer eines millionenschweren Gesundheitsunternehmens. Im Wahlkampf verspricht er die Halbierung der bundesstaatlichen Einkommenssteuer, setzt auf die Themen Sicherheit und Künstliche Intelligenz.
Demografischer Wandel beeinflusst Wahlverhalten
Alte Gewissheiten verschieben sich in Georgia. Außerhalb der größeren Städte wie Atlanta und Savannah ist der Staat ländlich, religiös und konservativ. Aber vor allem die Region um die Hauptstadt Atlanta wächst schnell: gute Jobs, bezahlbare Wohnungen sorgen für Zuzug. Wo einst Pferdekoppeln das Bild bestimmten, sind längst neue Vorstädte entstanden.
Der Anteil der weißen Bevölkerung nimmt seit Jahren ab - mittlerweile sind sie in Georgia in der Minderheit. Schon immer hatte Georgia eine große schwarze Community. Atlanta war Zentrum der Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King. Inzwischen sind fast ein Drittel aller Einwohner Georgias schwarz, dazu kommt eine größere Gruppe Hispanics. Weniger weiß - mehr städtisch - das sind soziologische Milieus, die eher dazu tendieren, demokratische Kandidaten zu wählen.
Die Demokraten könnten bei den Zwischenwahlen in den USA die Mehrheit sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat erlangen. ZDF-Korrespondentin Claudia Bates berichtet aus Washington.
02.11.2026 | 1:02 minJon Ossoff als Hoffnungsträger der Demokraten
Jon Ossoff wird es wohl schaffen, seinen Senatssitz zu verteidigen. Es gibt keine Umfrage, die ihn nicht sehr deutlich vor seinem Herausforderer Mike Collins sieht, dem die eigene Partei die Wahlkampffinanzierung abgezogen hat. Obwohl Ossoff, der 39 Jahre alt ist, immer wieder abgewunken hat, sehen viele in ihm einen möglichen Kandidaten für die nächste Präsidentschaftswahl. "Wisst ihr noch, wie es ist zu gewinnen?", fragt er seine Wähler in Georgia und verspricht das Land zu heilen.
Aber auch er weiß: Gelingen kann das nur, wenn die Demokraten es schaffen, ihre Basis an die Wahlurnen zu bekommen. Bis zum Freitag gab es "early voting" in Georgia, mit vielversprechenden Zahlen: Mehr als 37 Prozent aller registrierten Wähler haben ihre Stimme im Wahllokal bereits abgegeben - so viele wie nie zuvor.
Kommt die blaue Welle?
Überall im Staat ist viel von der blauen Welle die Rede. Blau ist die Farbe der Demokraten. Aber Parteipolitik wird für viele Bewohner in Georgia nicht unbedingt die entscheidende Rolle spielen: Denn außer den 14 Abgeordneten, die Georgia ins Repräsentantenhaus nach Washington schickt, außer den Rennen um den Senatssitz und das Gouverneursamt, geht es um viel mehr. Wahlämter in Städten und Gemeinden - oder den Secretary of State. Der ist für korrekte Durchführung der Wahlen zuständig.
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