Wie eine Russin Kriegsgefangene in der Ukraine aufspürt

NGO hilft russischen Angehörigen:Wie eine Russin Kriegsgefangene in der Ukraine aufspürt

ZDF-Reporterin Anne Brühl in grüner Bluse. Berichtet live abends aus der Ukraine.

von Anne Brühl

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Auf Irina Krynina ruhen die Hoffnungen vieler russischer Familien. Die Russin lebt in Kiew und ermöglicht mit Unterstützung ukrainischer Behörden den Kontakt zu Kriegsgefangenen.

Ukraine: Russische Kriegsgefangene, Archivbild

Irina Krynina unterstützt mit Billigung der ukrainischen Behörden die Suche nach Kriegsgefangenen. Sie hält Kontakt zu Angehörigen - und gibt ihnen Hoffnung.

28.07.2026 | 1:45 min

Einmal im Monat macht Irina Krynina sich auf den Weg in eines von fünf Lagern, in denen die Ukraine russische Kriegsgefangene interniert hat. Sie ist selbst Russin, lebt seit drei Jahren in Kiew und hat eine Nichtregierungsorganisation - eine NGO - gegründet: "Unser Ausweg". In den letzten Jahren ist sie eine wichtige Anlaufstelle für russische Frauen geworden, die ihre Männer und Söhne suchen - und oft über offizielle Kanäle nicht weiterkommen.

Die Ukraine betont immer wieder, dass sie russische Kriegsgefangene nach den Vorgaben der Genfer Konvention menschenwürdig behandelt. Dazu gehört auch, dass das "Rote Kreuz" Zugang zu den Lagern hat, dass die Gefangenen Briefe schreiben und Päckchen erhalten können.

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27.07.2026 | 0:21 min

Irina arbeitet mit Billigung der ukrainischen Behörden und füllt eine Lücke, die vielen Soldatenfamilien in Russland das Leben erleichtert. Das Problem: Die Angehörigen müssen nachweisen, dass ihre Männer tatsächlich in Kriegsgefangenschaft sind - auch deshalb macht Kryninas NGO Videos von den Gefangenen. Sie werden vom russischen Staat als Beweis akzeptiert. Die Familien erhalten dann umgerechnet 450 Euro im Monat für die Zeit der Gefangenschaft.

Fälle von Zwang und Misshandlung in russischer Armee

Irina hört immer wieder Geschichten von Zwang und Gewalt innerhalb der russischen Armee. Rafael Mageramow ist 63 Jahre alt, hat Asthma und Diabetes. Als er seinen Vertrag unterschrieb, hat ihm die Armee versprochen, dass er als Fahrer im Hinterland arbeiten kann. Sein Kommandeur verlangte 300.000 Rubel dafür - umgerechnet rund 3.300 Euro. Nach der Zahlung schickte er Mageramow trotzdem an die Front.

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28.07.2026 | 1:53 min

Viele der russischen Kriegsgefangenen sind verurteilte Straftäter - der Vertrag mit der Armee hat sie vor dem Gefängnis bewahrt. Auch Daniil Bukarew gehört dazu. Dank der NGO kann er über Videotelefonie seine neugeborene Tochter Alisa zum ersten Mal sehen. Er und seine Freundin sprechen offen: Natürlich möchten beide, dass er nach Hause kommt. Sie wissen aber auch: Die allermeisten werden, falls sie ausgetauscht werden, von der russischen Armee zurück an die Front geschickt. So sieht es der Vertrag vor, den sie alle unterschrieben haben - und der sich nach einer Verfügung des russischen Präsidenten Wladimir Putin jedes Jahr automatisch verlängert.

Vor der Kamera des ZDF spricht Bukarew davon, wie er abends mit den anderen Gefangenen ukrainisches Fernsehen schaut: die Bilder von den russischen Drohnen und Raketen auf Wohnhäuser, Tankstellen, Supermärkte. Viele Russen sehen hier zum ersten Mal, dass inzwischen auch die Ukraine erfolgreich militärische Ziele in Russland angreift.

Ich sehe, was für ein Wahnsinn in Kiew passiert. Ich sehe auch, was für ein Wahnsinn in Russland passiert.

Daniil Bukarew, Kriegsgefangener

Deutlicher wird er nicht.

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25.07.2026 | 0:16 min

Der Aufschrei in Russland bleibt aus

Irina Krynina versteht, dass es für jeden, der nach Russland zurück will, gefährlich werden kann, seine Meinung frei zu äußern. Ihre NGO gilt in ihrer Heimat als ausländischer Agent, unterliegt starken Beschränkungen. Deshalb will sie nicht nach Russland zurück. Sie sagt:

Dort sind inzwischen schreckliche Zeiten angebrochen.

Irina Krynina, Gründerin der NGO "Unser Ausweg"

200.000 Anfragen hat sie über ihren Youtube-Kanal erhalten. Zu 4.000 Russen in ukrainischer Kriegsgefangenschaft konnte sie den Kontakt vermitteln - alle anderen gelten als vermisst. Viele, glaubt Krynina, sind tot.

Was Irina Krynina vermisst, ist der Aufschrei in Russland. Die Menschen, glaubt sie, werden eingeschüchtert, mundtot gemacht - und das liege auch an der hohen Entschädigung, die der Staat den Familien gefallener Soldaten zahle: "Sie denken sich, wenn ich jetzt protestiere, bekomme ich am Ende gar nichts. Und der Angehörige ist ohnehin schon tot." Verstehen kann sie all das nicht. Weiterhelfen will sie aber trotzdem.

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