Ferien vom Krieg:"Es ist friedlich hier": Wo sich junge Ukrainer erholen
von Inga Widdau
Während in der Ukraine Krieg ist, machen einige Jugendliche Ferien in Deutschland. Sie wollen den Kopf frei bekommen. Doch die Situation zu Hause lässt sie nicht los.
Der Verein Mainz-Odessa hat eine Ferienfreizeit für 20 ukrainische Jugendliche organisiert. Für die jungen Ukrainer, deren Alltag von Leid geprägt ist, ist dies eine Auszeit vom Krieg.
24.07.2026 | 1:55 minAuf dem Glan, einem kleinen Fluss, etwa eine Stunde von Mainz entfernt, schippern bunte Kanus durch das malerische Tal. Beladen mit zwei bis drei Kindern fahren sie unter Brücken aus Bruchstein und vorbei an grünen Bäumen. Ein extremer Kontrast zu ihrer ukrainischen Heimat, in der Krieg herrscht.
"Es ist friedlich hier. Die Bäume, das Wasser und die Ruhe, mir gefällt das alles sehr", sagt Ivan. Er ist zwölf Jahre alt, und kommt aus Odessa. In der Stadt am Schwarzen Meer leben über eine Million Menschen. Luftalarme und Raketen gehören zum Alltag der Hafenstadt.
Während wir hier sind, wird Odessa beschossen. Deswegen sind wir froh, dass einige die Möglichkeit haben, sich zu entspannen und in Ruhe zu schlafen.
Yelizaveta Kozytska, Betreuerin
Ukraine: Luftraum seit Kriegsbeginn gesperrt
Die 19-jährige Yelizaveta Kozytska ist als Betreuerin der Jugendgruppe mitgekommen. Insgesamt 20 Jugendliche sind nach Rheinland-Pfalz gereist. Mit dabei sind vier Betreuerinnen, darunter eine Psychologin sowie eine Kinderärztin. Dazu kommen zwei Busfahrer.
Schon wieder kommt es bei russischen Angriffen auf ein Wohngebiet in der Ukraine zu zivilen Opfern. Doch auch Russland beklagt bei einem Drohnenangriff auf einen Bus im Grenzgebiet Belgorod Tote.
20.07.2026 | 1:16 minZwei Tage dauert die Busfahrt bis zur Jugendherberge in Mainz - über Polen, mit Zwischenstation in Krakau. Der Luftraum über der Ukraine ist seit Beginn des Krieges gesperrt, und macht Flugreisen unmöglich.
"Es klingt vielleicht komisch, aber für mich ist ein Flugzeug etwas aus einem anderen Leben. Es wirkt vielleicht wie ein Witz, aber es ist einfach unglaublich, dass ich hier Flugzeuge sehen kann", sagt Mykyta, 16 Jahre alt.
Viele Väter der Kinder tot oder in Gefangenschaft
Die Ferienfreizeit, die vom Städtepartnerschaftsverein Mainz-Odessa organisiert wird, richtet sich an Jugendliche aus Odessa, deren Familien in besonders schwerer Weise durch den Krieg betroffen sind. Jedes Kind hat einen Angehörigen, der gestorben oder in Gefangenschaft ist. Meist sind es ihre Väter.
Die 16-Jährige Anastasiia und ihre jüngere Schwester wachsen ohne ihren Vater auf. Während ihrer Ferien in Deutschland telefoniert und schreibt Anastasiia stetig mit ihrer Mutter. Sie schickt ihr Selfies, und erzählt ihr von ihren Erlebnissen. Und sie versichert sich, dass es ihrer Mutter zu Hause gut geht.
Eine in Kiew lebende Russin unterstützt mit Billigung der ukrainischen Behörden die Suche nach Kriegsgefangenen. Sie hält Kontakt zu Angehörigen und gibt ihnen Hoffnung im Krieg.
21.07.2026 | 2:25 minStädtepartnerschaftsverein Mainz-Odessa: Ukraine-Krieg "betrifft uns direkt"
Auf dem Wasser rufen sich die Kinder Kommandos zu, die Kanus finden ihren Weg im Zickzack über den Fluss. Einige werfen sich ins Wasser, um die Boote aus den Fängen der Äste am Ufer zu befreien. Ein Aufschrei ertönt, als zwei Enten aus dem Dickicht brechen. Alle beginnen zu lachen.
"Das, was in der Ukraine passiert, betrifft uns direkt. Die Ukraine kämpft ein Stück unseres Kampfes für Freiheit. Wir wollen den Jugendlichen Kraft für den Alltag mitgeben, und einen winzigen Beitrag leisten, dass die Ukraine widerständig bleibt", sagt Markus Höffner-Mehlmer, Vorstand des Städtepartnerschaftsvereins, der die Gruppe begleitet.
Ukrainer: "Natürlich ist es zu Hause besser"
Die Kinder freuen sich vor allem über die neuen Erfahrungen der letzten Tage. Gefüllt mit Ausflügen in einen Kletterwald und Freizeitpark. Am letzten Abend gibt es eine Grillparty mit Lagerfeuer, an dem ukrainische Lieder gesungen werden.
"Die Landschaft, die Menschen, das Lebensgefühl hier - ich kann nichts Schlechtes finden. Aber natürlich ist es zu Hause besser. Einfach, weil es mein Zuhause ist, und ich immer dahin zurückkommen möchte", sagt Mykyta, und zuckt die Schultern.
Inga Widdau berichtet aus dem ZDF-Studio in Mainz.
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