Ukraine-Krieg: Putin-Kanonenfutter - Sterben für Russland

Krieg gegen die Ukraine:Putin-Kanonenfutter: Sterben für Russland

von Arndt Ginzel

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Russland braucht Soldaten für den Krieg gegen die Ukraine. ZDF-Recherchen zeigen, wie ausländische Rekruten mit Geld und falschen Versprechungen in die russische Armee geraten.

"Die Spur: Putins Kanonenfutter": Fotomontage: Ein Porträtfoto von Putin liegt im Hintergrund, davor stehen mehrere bewaffnete Personen in Uniform sowie stilisierte Soldatenfiguren. An der Seite leuchtet das Sendungslogo grün.

Russland braucht Soldaten. Mehr als 200.000 sind im Ukraine-Krieg gefallen. Neue Kämpfer rekrutiert Russland auch im Ausland – als Söldner, mit Geld, Jobs oder Studienversprechen.

29.06.2026 | 29:11 min

Nach Informationen des ukrainischen Militärgeheimdienstes kämpfen Tausende Ausländer an der Seite Russlands gegen die Ukraine. Russland suche weltweit nach Männern für die Front - besonders dort, wo Armut und Arbeitslosigkeit besonders groß seien und Perspektiven fehlten.

Viele kommen aus Afrika oder Asien. Nach Schätzungen des kenianischen Geheimdienstes kämpfen etwa Tausend Kenianer für Russland. Mehrere Hundert Soldaten kämen aus Indien.

Soldat Kenia

Junge Männer aus Kenia werden mit Job-Versprechen nach Russland gelockt – angeblich als Fahrer mit gutem Verdienst. In Wirklichkeit landen sie an der ukrainischen Front.

09.02.2026 | 3:28 min

Für die Rekruten beginne die Reise oftmals mit einem Versprechen. Sie könnten viel Geld verdienen und sich so ein besseres Leben leisten. Dabei würden die jungen Männer oftmals in den sicheren Tod geschickt. In der Regel müssten sie nach einer kurzen Ausbildung direkt an die Front.

Die russische Regierung teilte auf Anfrage mit, zu den Rekrutierungen lägen keine Informationen vor. Die ZDF-Recherchen zeichnen jedoch ein anderes Bild.

In Russland zum Armeevertrag gezwungen

In Indien sollen mehrere Fälle aktenkundig sein, in denen Männer als Touristen oder mit dem Versprechen, einen Job zu bekommen, nach Russland reisten. Einer von ihnen ist Karan Bhandari. Ihm sei vor zwei Jahren ein Job versprochen worden, der sich in Russland dann aber als Wehrdienst entpuppte. Als er zurück nach Indien wollte, habe man von ihm verlangt, die Kosten für Reise und Vermittlung zurückzuzahlen. Weil seine Familie arm sei, habe er den Militärvertrag unterschrieben. Er sei an die Front geschickt worden, um Verwundete und Tote vom Schlachtfeld zu holen.

Auch der Fall eines weiteren jungen Inders zeigt, wie aus einem Arbeitsversprechen offenbar ein Fronteinsatz wurde. Das ZDF sprach mit seinem Vater. Demnach soll ein indischer Vermittler dem Sohn einen Job in Europa versprochen haben. Doch statt nach Italien kam er nach Russland und landete dort bei der Armee. Seine letzte Nachricht an die Familie lautete: "Bitte rettet mich!"

Zwei Jahre später erhielt der Vater menschliche Knochen, eine russische Fahne und eine originalverpackte Uniform - angeblich die Überreste und Ausrüstung seines Sohnes.

Gefängnis oder Front

Bereits 2024 hatte das ZDF über den Hilferuf indischer Männer berichtet, die in Russland zum Kriegsdienst gedrängt wurden. Sie waren als Touristen eingereist. Als die Männer erfuhren, dass sie an die Front sollten, weigerten sie sich zunächst. Nach eigenen Angaben wurden sie vor die Wahl gestellt: Gefängnis wegen gesetzeswidriger Einreise oder Armeevertrag.

Indischer Söldner in Gesprächssituation mit indischer Frau im Freien

frontal berichtete über junge Inder, die im Ukrainekrieg für Russland kämpfen. Jetzt sind die Männer in die Heimat zurückgekehrt. Einer berichtet anonym über die Zeit an der Front.

10.12.2024 | 1:37 min

Einer von ihnen war Gurpreet Singh. Er konnte erst nach Intervention der indischen Regierung zurückkehren. Heute berichtet er von Albträumen und den Folgen seines Fronteinsatzes.

Auch der Fall von Samarjeet Singh wirft Fragen auf. Seine Familie ging davon aus, dass er in Russland eine medizinische Ausbildung beginnen sollte. Wenige Wochen später war er tot. Laut Totenschein starb er bei Pokrowsk, einer der besonders umkämpften Städte in der Ostukraine.

In Indien laufen inzwischen Ermittlungen wegen Menschenhandels gegen mutmaßliche Vermittler, die Jobs und Visa für Russland organisiert haben sollen.

Mit Geld in russische Armee gelockt

In Kenia wurden in WhatsApp-Gruppen Jobs in der russischen Armee mit einem Bonus von umgerechnet etwa 10.500 Euro beworben. Dazu kam ein versprochenes Monatsgehalt von etwa 1.840 Euro. In armen Ländern wie Kenia sind solche Summen sehr verlockend, das monatliche Pro-Kopf-Einkommen liegt bei rund 150 Euro.

Der kenianische Geheimdienst schätzt, dass bisher etwa Tausend Kenianer das Angebot angenommen haben. Die meisten von ihnen seien "freiwillig" in Russlands Armee eingetreten. Auch für kenianische Vermittler sei das ein gutes Geschäft - sie kassieren laut ZDF-Recherchen bis zu 4.300 Euro pro vermittelten Rekruten.

RUSSLAND, REGION MOSKAU – 10. APRIL 2026: Wehrpflichtige steigen in einer örtlichen Einberufungsstelle in Balaschicha, östlich von Moskau, in einen Bus, bevor sie zum Militärdienst bei der russischen Armee aufbrechen

Russland fehlen Soldaten. Der Kreml will Tausende Studenten für den Krieg rekrutieren.

21.04.2026 | 2:32 min

Mehrere Familien in Kenia berichteten dem ZDF von ihren Söhnen, die in Russland landeten und später in der Ukraine starben. David sagte seiner Mutter, er werde in Russland als Wachmann arbeiten. Später tauchten in sozialen Netzwerken Aufnahmen von ihm beim Militärtraining auf. Ein Freund schrieb Davids Mutter später, David sei bei einem Angriff getötet worden.

Auch Denis Ombwori reiste nach Russland. Er arbeitete zuvor als Wachmann in Katar. Im September 2025 unterschrieb er einen Armeevertrag, einen Monat später war er tot.

Rassismus und Misshandlungen in russischer Armee

Wie ausländische Soldaten in russischen Einheiten behandelt werden, zeigen Videos, die der ukrainische Militärgeheimdienst ausgewertet hat. In einem davon werden afrikanische Soldaten von russischen Kameraden beschimpft, erniedrigt und misshandelt.

Ein Soldat der Ehrengarde hält ein Gewehr mit einer russischen Fahne auf dem Bajonett.

Mit Folter, Erniedrigung und Mord zwingt die russische Armee ihre eigenen Leute, den verlustreichen Kampf in der Ukraine zu kämpfen. Das berichtet eine BBC-Doku über einen geflohenen Deserteur.

01.04.2026 | 2:00 min

Ein viral gegangenes Video zeigt einen offenbar aus Kenia stammenden Soldaten mit einer Panzerabwehrmine an die Brust geheftet. Ein russischer Vorgesetzter fragt ihn nach seinem Namen und beschimpft ihn anschließend rassistisch. Die Szene steht beispielhaft für den Umgang, den ausländische Rekruten in russischen Einheiten erleben.

Über dieses Thema berichtete das ZDF am 29.06.2026 in der Reportage "Putins Kanonenfutter - Wie Ausländer an die Front gelockt werden".

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