Exilpolitiker über Russlands Opposition:Ausschluss von Jabloko zeigt, dass "Kreml Angst hatte"
Der Kreml hat die Anti-Kriegsbewegung in Russland unterschätzt, erklärt der russische Exil-Politiker Wolkow im Interview. Das zeige der Ausschluss der Oppositionspartei Jabloko.
Die Friedenspartei Jabloko zunächst zuzulassen, habe das Ziel gehabt, den Schein zu wahren, so der Exil-Oppositionelle Leonid Wolkow. Die Partei sei ausgeschlossen worden, als der Zuspruch wuchs.
11.08.2026 | 7:50 minRusslands Oberstes Gericht hat die liberale Oppositionspartei Jabloko von der Parlamentswahl ausgeschlossen - wegen angeblicher Verstöße gegen die Wahlgesetzgebung. Die Partei fordert eine Beendigung des russischen Kriegs gegen die Ukraine.
Oppositionspolitiker Leonid Wolkow kennt den Kreml und war Vertrauter des verstorbenen Alexej Nawalny. Wolkow lebt inzwischen im Exil in Litauen, bei einer Rückkehr droht ihm Gefängnis. Was der Politiker zu dem Verbot sagt, sehen Sie oben im Video; oder lesen Sie seine wichtigsten Aussagen im Artikel:
Welche Bedeutung Jabloko für Russlands Politik spielt
Im Vergleich zur Nawalny-Bewegung sei Jabloko eine relativ unbedeutende Oppositionspartei. Ihren letzten großen Wahlerfolg habe sie 2005 bei den Parlamentswahlen in Moskau eingefahren, erklärt Wolkow. Damals war Nawalny Jabloko-Mitglied und trat als Kandidat an. Seitdem gab es keine nennenswerten Erfolge, "die Partei war nahezu verschwunden", sagt Wolkow.
Die einzige Partei, die sich offen gegen den Krieg stellt, darf nicht an den Duma-Wahlen teilnehmen. Das hat das Oberste Gericht in Moskau entschieden. Viele junge Russen unterstützen die Partei.
11.08.2026 | 2:25 minBei den jüngsten Wahlergebnissen landete Jabloko bei 1,3 Prozentpunkten. Der Kreml habe dies nach Einschätzung von Wolkow als ungefährlich angesehen und zu Propagandazwecken nutzen wollen. Möglicherweise, um den Anschein zu erwecken, dass es nur sehr wenige Wähler mit einer kritischen Haltung zum Ukraine-Krieg gebe, erklärt Wolkow. "Das hat nicht geklappt."
Warum die kremlkritische Partei verboten wurde
Die Entscheidung, Jabloko quasi zu verbieten, zeige vielmehr, dass der "Kreml Angst hatte, dass der Kreml nicht genug Kontrolle über die innenpolitische Situation in Russland mehr hat."
Die Zustimmungswerte für die Anti-Kriegshaltung von Jabloko seien in den vergangenen Monaten in Russland rasant gestiegen. "Wir haben gesehen, wie wirklich eine Welle von Unterstützung von jungen Leuten" entstand, erklärt Wolkow.
Der Kreml wolle die Oppositionspartei Jabloko nicht zu einem Symbol des Anti-Kriegs-Protestes werden lassen, sagt ZDF-Reporter Ehm zum Ausschluss der Partei bei der Duma-Wahl im September.
11.08.2026 | 13:31 minSeiner Einschätzung nach sei Jabloko von dieser Unterstützung selbst überrascht gewesen. So habe Jabloko inzwischen etwa sechsmal mehr Follower beim Messengerdienst Telegram als Wladimir Putins "Einiges Russland".
Vor wenigen Tagen habe Julia Nawalnaja, die Witwe von Nawalny, ein Video gepostet, in dem sie zur Unterstützung von Jabloko aufrief. Allein dieses Video habe in den ersten 24 Stunden nach Veröffentlichung mehr als vier Millionen Zuschauer gesammelt, davon 80 Prozent aus Russland, erklärt Wolkow. Dies zeige, wie groß das Potenzial der Opposition gegen Putin sei, wenn sie zusammenarbeite.
Wie es nun mit den Wahlen in Russland weitergehen könnte
Jabloko will das Urteil anfechten. Die landesweite Parlamentswahl in Russland sowie die Kommunalwahlen sind vom 18. bis 20. September angesetzt. Sollte es beim Verbot bleiben, hoffen Oppositionspolitiker nun, dass möglichst viele Menschen andere Parteien als Putins "Einiges Russland" wählen - auch wenn diese auf der Linie der Regierung seien.
Es gehe darum, möglichst viele Proteststimmen zusammenzubekommen. Das werde "ein ganz wichtiges Signal senden, dass es überhaupt keine totale Unterstützung in der russischen Gesellschaft für Putin und seinen Krieg" gibt.
Das Interview führte Sara Bildau, zusammengefasst hat es Tai Becker.
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