Kampf gegen Hunger:Wie Kenias Bäuerinnen Wetterextremen trotzen
von David Ammon, Nairobi
Weltweit hungern 645 Millionen Menschen, so viele wie seit Jahren nicht mehr. Internationale Gelder fehlen, doch ein Beispiel in Kenia zeigt: Auch vor Ort kann etwas getan werden.
Weltweit nimmt der Hunger aufgrund von Kriegen und dem Klimawandel zu. Rund 309 Millionen Menschen in Afrika haben nicht genug zu essen. Traditionelle Anbaumethoden können helfen.
16.10.2026 | 1:36 minDie Fahrt von Nairobi nach Kibwezi im Südosten Kenias führt mehrere Stunden über staubige Landstraßen. In ausgetrockneten Flussbetten kann man magere Ziegen dabei beobachten, wie sie mühsam nach etwas Essbarem suchen. Soweit das Auge reicht - nichts als Dürre.
Kein Niederschlag seit Monaten
Mitten in dieser trockenen Region Kenias liegt die kleine Farm von Priscillah Mulwa. Die 63-Jährige steht schon seit den frühen Morgenstunden auf ihrem Acker, in der sengenden Mittagshitze arbeitet sie sich mit einer großen Hacke voran. Seit April ist hier kein Niederschlag mehr gefallen, selbst die letzte Regenzeit war ungewöhnlich kurz.
Die Wasserhyazinthe überwuchert Seen in der ganzen Welt und bedroht die Existenz der Fischer. Ein Start-up in Kenia verwandelt das Problem nun in umweltfreundliche Verpackungen.
06.09.2026Der roten Erde ist anzusehen: Sie ist steinhart. Umso mühsamer die Arbeit der Bäuerin. Hieb für Hieb gräbt sie kleine Gruben auf ihrem Feld, sogenannte "Zai Pits".
Neue Anbaumethoden und passende Saatauswahl
Die Pflanzgruben haben ihren Ursprung in der Sahelzone. Priscillah Mulwa füllt die Zai Pits im Boden mit Kuhmist, bedeckt sie später mit Stroh. Dadurch entsteht fruchtbare Erde, in der ihre Saat geschützt heranwachsen kann.
Zudem dienen die Gruben als Auffangbecken für fallenden Niederschlag, das Wasser kann vom Boden besser gespeichert werden. Für die Kleinbäuerin ein großer Erfolg. Die Witwe erzählt:
Schon eine kleine Fläche kann großen Ertrag liefern.
Priscillah Mulwa, Kleinbäuerin in Kenia
Früher habe sie deutlich weniger ernten können, obwohl sie den ganzen Hof bewirtschaftete.
Es war die lokale Hilfsorganisation "Utooni", die sie vor drei Jahren auf die Idee gebracht hat. "Utooni" arbeitet in Kenia mit Farmern und Farmerinnen vor Ort, bringt ihnen neue Anbaumethoden bei, hilft bei der passenden Saatauswahl und kümmert sich um eine bessere Wasserversorgung.
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25.05.2026 | 2:44 minHoffnung statt Resignation
In lokalen Selbsthilfegruppen arbeiten die von Wetterextremen geplagten Farmerinnen eng zusammen. Die Menschen von neuen Ansätzen zu überzeugen, sei recht einfach gewesen, berichtet Benson Muthenya, Koordinator der Nichtregierungsorganisation.
"Es fiel ihnen leicht, diese anzunehmen", erklärt er. Mit "Utooni" haben sie etwas geschaffen, das Hoffnung macht - entgegen dem globalen Trend.
Denn nach zwei Jahrzehnten der Verbesserung hat sich die weltweite Ernährungssituation seit 2018 wieder verschlechtert, stellt die Deutsche Welthungerhilfe in einem aktuellen Bericht fest. "Kriege bleiben der Haupttreiber für Hunger", so ihre Präsidentin Marlehn Thieme.
Kürzung von Hilfsgeldern erschwert die Situation
Aber auch Extremwetterereignisse und die Folgen der Konflikte im Nahen Osten erschweren die Gesamtsituation.
Wir erleben derzeit einen historischen Rückschritt.
Marlehn Thieme, Präsidentin der Deutschen Welthungerhilfe
Dass auch international Hilfsgelder gekürzt wurden, verschärfe die Lage noch einmal deutlich. An die Bundesregierung appelliert die Welthungerhilfe daher, ihren Sparkurs in der Entwicklungszusammenarbeit zu überdenken.
Die UN hat in Kenia zum Austausch über eine bessere Medikamentenversorgung in Afrika eingeladen. Im Kampf gegen die Tropenkrankheit Bilharziose soll Arznei nun direkt vor Ort produziert werden.
27.04.2026 | 1:39 minZudem müssten die Regierungen der Empfängerländer im globalen Süden stärker in die Verantwortung gezogen werden, Verpflichtungen gegenüber der eigenen Bevölkerung nachzukommen, so Thieme.
Es braucht mehr Anstrengungen für die Entwicklung ländlicher Räume, Investitionen in die Armutsbekämpfung, soziale Sicherungssysteme sowie Landreformen.
Marlehn Thieme, Präsidentin der Deutschen Welthungerhilfe
Gleichzeitig aber seien Investitionen in Bildung, Ernährung und Landwirtschaft nur möglich, wenn diese Länder der Schuldenfalle entkämen.
Hoffnung, trotz aller Widrigkeiten
Besonders in Subsahara-Afrika bereitet die aktuelle Entwicklung Sorge. Noch dazu, da heftige Regenfälle durch das Wetterphänomen El Niño in den nächsten Wochen erwartet werden. Auf ihrer Farm im kenianischen Wote bereitet sich Christine Savi bereits darauf vor.
Auf Anraten von der Organisation "Utooni" hat die 65-Jährige an ihrem Hanggrundstück Terrassen angelegt und die Böden gelockert, damit das Wasser für sie bestmöglich nutzbar wird. Trotz aller Widrigkeiten habe sie Hoffnung, "dass es eine gute Ernte wird, wenn der Regen denn endlich kommt".
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