Chancen im Unternehmertum:Afrikas Bevölkerung wächst - doch wo bleiben die Jobs?
von Susann von Lojewski
Die Weltbevölkerung wächst. Besonders in Subsahara-Afrika: Bis 2054 soll sich die Bevölkerung fast verdoppeln. Das ist Chance und Risiko zugleich für die jungen Menschen dort.
Afrikas Jugend ist ehrgeizig und träumt vielerorts von großen Jobmöglichkeiten - doch die halten mit der weltweit am stärksten steigenden Einwohnerzahl nicht Schritt.
11.07.2026 | 1:51 minSo hatte Brian Wangui sich seine Zukunft nicht vorgestellt. Der 24-Jährige steht am Straßenrand von Kiserian, einer Siedlung am Stadtrand von Kenias Hauptstadt, und verkauft Schuhe.
Sein kleiner Stand mit akkurat aufgereihten Sneakern und Pumps findet nicht viel Aufmerksamkeit. Doch irgendwie muss Brian Wangui sein Leben finanzieren.
Einfache Jobs trotz guter Ausbildung
Der junge Kenianer hat eigentlich seit April vergangenen Jahres einen Bachelor-Abschluss in Wirtschaft und Finanzen. Nur: Einen Job hat er damit nicht gefunden. Wie viele Bewerbungen er schon geschrieben hat, weiß er nicht. Nun also - Schuhverkäufer.
Vielen jungen Afrikanerinnen und Afrikanern geht es ähnlich: Gut ausgebildet, doch am Ende arbeiten sie im sogenannten "informellen Sektor", in dem schon ihre Eltern tätig sind - als Haushaltshilfen, Wachleute oder Kindermädchen.
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Gewalt und Proteste aufgrund hoher Jugendarbeitslosigkeit
In Südafrika etwa leiden sie seit Jahren unter einer Jugendarbeitslosigkeit von um die 60 Prozent. Wut und Frust entladen sich allzu oft in Gewalt und Straßenprotesten.
Ein Bericht des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen UNFPA von 2026 zeigt: Zwar blicken gut die Hälfte der jungen Menschen in Afrika optimistisch auf ihre Zukunft - in West- und Zentralafrika sind es sogar 62 Prozent -, gleichzeitig bewerten Dreiviertel jedoch die wirtschaftliche Unsicherheit als besorgniserregend. Wie aber können Optimismus und Verunsicherung nebeneinander existieren?
Kenias Jugend droht Hunger und Perspektivlosigkeit. Sie protestiert gegen die verschuldete Regierung seit Jahren - und auch mit Gewalt.
02.07.2024 | 6:09 minSoziologe: Großes Potenzial junger Unternehmer
"Wenn wir in die Bildung, die Gesundheit und die Schaffung von Arbeitsplätzen für die Bevölkerung investieren, werden sich die Zahlen für Afrika positiv entwickeln," sagt der Soziologe Dr. Anthony Ajayi vom African Population and Health Research Center APHRC.
"Derzeit gibt es - sozusagen - eine Diskrepanz zwischen Wunschvorstellungen und der Realität, und diese Lücke muss geschlossen werden. Gelingt uns das, lässt sich dies in eine 'Dividende' für den Kontinent ummünzen", ergänzt Ajayi. Das African Population and Health Research Center (APHRC), eine Art Bevölkerungsinstitut, hat jedoch noch etwas anderes herausgefunden:
Es gibt viele junge Menschen, die Initiativen ergreifen und Unternehmen von Grund auf aufbauen. Das sind Entwicklungen mit großem Potenzial.
Anthony Ajayi, African Population and Health Research Center
Afrika weist durch Wissenschaft und Innovationen elf der 20 weltweit am stärksten wachsenden Volkswirtschaften auf.
22.01.2026 | 44:14 min"Zudem gibt es Initiativen, bei denen viele Menschen lernen, sich zu Unternehmern zu entwickeln oder eine Berufsausbildung absolvieren. Das sind wichtige Aspekte, doch wir brauchen mehr," so Anthony Ajayi vom APHRC.
Vom Krankenhausjob in die Immobilienbranche
Es ist also das kreative und flexible Potenzial junger Afrikanerinnen und Afrikaner, das die Forschenden als Chance sehen. Mabel Okuna ist so ein Beispiel. Die 29-Jährige hat Psychologie studiert, praktizierte über ein Jahr in einem Krankenhaus.
Von ihrem Gehalt aber konnte sie kaum leben, geschweige denn, dass sie ihre Familie, die alles in ihre Ausbildung investiert hatte, unterstützen konnte, sagt die junge Kenianerin.
Ehrlich gesagt, das, was ich verdient habe, hat echt nicht gereicht. Und manchmal kommt man in seinem Leben an einen Punkt, an dem man harte Entscheidungen treffen muss.
Mabel Okuna, Unternehmerin
Wer in Nairobi beruflich erfolgreich ist, geht gern nachts feiern: in den Partyvierteln von Kenias Hauptstadt.
02.06.2026 | 4:26 minDiese "harte Entscheidung" bedeutete - umsatteln. Mit ihrem minimalen Ersparten mietete Okuna ein unmöbliertes Apartment in Nairobi, richtete es ein und vermietete es für deutlich mehr Geld an Kurzzeitgäste. Heute sind zwölf Apartments in ihrem Portfolio, in guten Monaten verdient sie umgerechnet über 3.000 Euro.
Bevölkerungswachstum als Herausforderung und Chance
"Ich mag es sowieso, unterschiedliche Dinge zu entdecken. Und Immobilien haben mich interessiert", erzählt die junge Frau. "Also habe ich mir mehr Wissen darüber angeeignet. Und merkte - ich mochte das. Und wenn du etwas magst, warum sollst du es dann nicht versuchen?"
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Afrika ist schon jetzt der Kontinent mit dem größten Bevölkerungswachstum. 2,5 Milliarden Menschen werden für 2050 prognostiziert. Eine Herausforderung, wenn es um Jobmöglichkeiten geht. Aber auch eine Chance für junge Menschen, die flexibel, motiviert und einsatzfreudig sind.
Susann von Lojewski ist Korrespondentin im ZDF-Studio Nairobi.
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