Milliardäre jubeln: Kalifornien stimmt gegen einmalige Steuer

Milliardäre können jubeln:Kalifornien sagt "Nein" zur einmaligen Milliardärssteuer

von Sophie Steinfeld & Katharina Schuster, Washington D.C.

|

Milliardäre in Kalifornien müssen vorerst keine Sondersteuer zahlen. Die Wähler lehnten eine einmalige Vermögensabgabe ab. Das lag auch an einem millionenschweren Wahlkampf.

US-Midterms: Stimmabgaben in Kalifornien

Fünf Prozent ihres Vermögens sollten Milliardäre abgeben. Doch Kaliforniens Wähler lehnten die geplante einmalige Sondersteuer klar ab.

Quelle: CHINE NOUVELLE / SIPA / AP

Für Kaliforniens Milliardäre ist es wohl eine gute Nachricht: Sie müssen vorerst keine Sondersteuer zahlen. Die Wähler des US-Bundesstaates haben eine einmalige Vermögensabgabe für Superreiche abgelehnt mit 53,7 Prozent der Stimmen.

Dabei ging es um Milliarden und um eine grundsätzliche Frage: Wie viel sollen die Reichsten zum Gemeinwohl beitragen?

Der Plan war ehrgeizig: Rund 250 Milliardäre in Kalifornien sollten einmalig fünf Prozent ihres Vermögens abgeben. Für einen Milliardär mit einem Nettovermögen von zehn Milliarden US-Dollar wären beispielsweise 500 Millionen US-Dollar fällig gewesen.

Bis zu 100 Milliarden US-Dollar hätte das in die Staatskasse gespült. Das Geld sollte vor allem dem Gesundheitssystem zugutekommen, dem wegen Kürzungen auf Bundesebene Milliarden fehlen.

US-Korrespondentin Katharina Schuster steht mit Leoparden-Weste vor einer Hausfassade in Virginia und spricht in ein Mikrofon. Ihre lange braunen Haare fallen ihr über die rechte Schulter. Sie trägt ein dunkles T-Shirt mit weißen Rüschen.

US-Korrespondentin Katharina Schuster erklärt, welche Themen demokratische und republikanische Wähler vor den Midterms umgetrieben haben.

19.10.2026 | 1:23 min

Politologe: Abstimmungskampagne war extrem teuer

Doch die Gegner mobilisierten massiv. Google-Mitgründer Sergey Brin und mindestens elf weitere Milliardäre spendeten gemeinsam 269 Millionen US-Dollar an ein politisches Aktionskomitee, das gegen die Steuer kämpfte.

Insgesamt flossen mehr als 300 Millionen US-Dollar in Kampagnen gegen den Vorschlag und für konkurrierende Abstimmungsinitiativen. David McCuan, Politikwissenschaftler an der Sonoma State University, stellt gegenüber ZDFheute fest:

Das war die teuerste Abstimmungskampagne für eine einzelne Wahlinitiative überhaupt.

David McCuan, Politikwissenschaftler an der "Sonoma State University"

Die "Nein"-Kampagne sei praktisch überall präsent gewesen: im Fernsehen, auf Streamingplattformen, in sozialen Medien und im digitalen Raum.

Politikwissenschaftler Jeff Rathke

Korruption treibt die Preise an – das spüren viele US-Amerikaner jetzt in ihrem Alltag, so Politikwissenschaftler Rathke bei ZDFheute live.

28.10.2026 | 19:47 min

Sorge vor einer Ausweitung der Steuer

Die Gegner hatten zudem gewarnt, die Abgabe könnte vermögende Unternehmer aus Kalifornien vertreiben, Investitionen bremsen und Arbeitsplätze kosten. Doch laut McCuan ging es um noch etwas anderes: die Angst, dass es nicht bei einer einmaligen Abgabe bleibt. Was heute nur Milliardäre trifft, könnte morgen auch Millionäre betreffen, so die Warnung der Gegner.

Auch die Demokraten waren sich in der Frage uneinig. Während Stimmen wie Bernie Sanders und Elizabeth Warren die Steuer unterstützten, stellte sich Kaliforniens demokratischer Gouverneur Gavin Newsom dagegen. Er fürchtete, dass der Bundesstaat mit der Abgabe vermögende Unternehmer und Investoren vertreiben könnte.

Kritiker vermuten allerdings auch politische Motive. Newsom gilt als möglicher Präsidentschaftskandidat der Demokraten für 2028, braucht dafür Spenden und pflegt seit Jahren enge Beziehungen zu Geldgebern aus dem Silicon Valley. Newsom weist diesen Vorwurf zurück.

ZDF-Korrespondentin Katharina Schuster steht in blau-pinkem Oberteil vor einer petrolfarbenen Wand und faltet die Hände.

Amerikas Superreiche stecken viel Geld in den Wahlkampf. Republikaner und Demokraten ringen mit besonders harten Bandagen im Senatsrennen in Texas.

31.10.2026 | 4:50 min

"Nein" zur Milliardärssteuer keine Endstation

Das "Nein" bedeutet allerdings nicht, dass die Kalifornier höhere Steuern für Wohlhabende grundsätzlich ablehnen. Eine andere Abstimmung, die höhere Einkommensteuersätze für die reichsten Einkommensgruppen dauerhaft festschreibt, fand gleichzeitig eine Mehrheit.

Für McCuan ist die gescheiterte Milliardärssteuer der Anfang einer größeren Debatte:

Drei Themen werden den Weg zur Präsidentschaftswahl 2028 prägen: die Macht der großen Tech-Konzerne, die Zukunft der künstlichen Intelligenz - und nicht zuletzt die Frage, wie die Superreichen stärker besteuert werden können.

David McCuan, Politikwissenschaftler

Die Abstimmung zeigt damit vor allem eines: Der politische Streit darüber, wie viel Verantwortung Superreiche für die Finanzierung des Gemeinwesens tragen sollen, hat gerade erst begonnen.

Sophie Steinfeld und Katharina Schuster berichten aus dem ZDF-Studio in Washington D.C.

Über dieses Thema berichtete das heute journal update am 03.11.2026 ab 00:00 Uhr und ZDFheute live am 28.10.2026 ab 19:30 Uhr.

Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen

Jetzt aktivierenMehr erfahren

Mehr zu den Midterms

  1. US-Midterms - Trumps Renovierungsprojekt "Reflecting Pool"

    Nach Erfolg bei den Midterms-Wahlen:Können die Demokraten jetzt Trumps Krieg gegen Iran stoppen?

    von Nils Metzger
    mit Video1:34

  2. US-Präsident Donald Trump verlässt die Bühne, nachdem er am 2. Oktober 2026 im Mitchell Center der University of South Alabama in Mobile, Alabama, bei einer Wahlkampfveranstaltung im Vorfeld der Zwischenwahlen eine Rede gehalten hat.
    Newsletter

    Verstehen, wie Trump die USA verändert:Zwei Kammern, ein Denkzettel

    Elmar Theveßen, Washington D.C.

  3. Anhänger des  Demokratischen Partei in Washington
    Analyse

    Wahlen zum Kongress in den USA:Demokraten gewinnen Midterms, jetzt müssen sie liefern

    Katharina Schuster, Washington D.C.
    mit Video1:48

  4. Porträt von Donald Trump mit weißer Cap auf der "USA" steht.
    Analyse

    Was die EU nach den Midterms erwartet:Ausgetrumpt

    Julia Rech und Ulf Röller, Brüssel
    mit Video3:21