Japan lockert historisches Verbot von Rüstungsexporten

Änderung der Nachkriegspolitik:Japan lockert historisches Verbot von Rüstungsexporten

|

Japan hat seine historisch begründete Beschränkung für Waffenexporte gelockert. Der Export "jeglicher Verteidigungsausrüstung" werde nun möglich, so Ministerpräsidentin Takaichi.

Japans Ministerpräsidentin Sanae Takaichi

Japans Regierung hebt die Beschränkungen für Waffenexporte ins Ausland weitgehend auf. Sie entfernt sich damit immer stärker von einer seit Jahrzehnten pazifistisch ausgelegten Militärpolitik.

21.04.2026 | 0:29 min

Die japanische Regierung hat ihre historischen Beschränkungen für Waffenexporte ins Ausland weitgehend aufgehoben. Eine entsprechende Änderung wurde vom Kabinett und dem Nationalen Sicherheitsrat genehmigt, sagte Regierungssprecher Minoru Kihara bei einer Pressekonferenz in Tokio. Ministerpräsidentin Sanae Takaichi erklärte im Onlinedienst X, dass nun der Export "jeglicher Verteidigungsausrüstung" möglich werde.

Wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete, zielen die Änderungen darauf ab, Japans "sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit Partnerländern auszubauen". Damit wendet sich das Land immer stärker von seinem nach dem Zweiten Weltkrieg eingeschlagenen pazifistischen Kurs ab.

Menschen in Tokio stehen in einer Schlange vor einem Wahllokal

Bei den Parlamentswahlen in Japan hatte die Partei rund um Ministerpräsidentin Takaichi die meisten Stimmen geholt. Während der Wahlen gab es heftige Schneefälle.

08.02.2026 | 0:23 min

Japans Regierungssprecher: Änderung dient "Sicherheit in der Region"

Künftig ist es dem Land demnach erlaubt, auch als "tödliche Waffen" eingestufte Rüstungsgüter in Länder zu verkaufen, mit denen Japan bestimmte Verteidigungsabkommen unterhält. Bislang waren Ausfuhren weitgehend auf Ausrüstung für Rettungs-, Transport- und Überwachungseinsätze sowie die Minenräumung beschränkt.

Künftig sollen Minister und Beamte jeden geplanten Verkauf einzeln prüfen. Zwar bleiben grundsätzliche Verbote für Lieferungen in Konfliktgebiete bestehen, Ausnahmen aus Gründen der nationalen Sicherheit sind der Regierung zufolge jedoch möglich.

Die Änderung diene "der Sicherheit in der Region", sagte Regierungssprecher Kihara dazu, der früher japanischer Verteidigungsminister war. "Heutzutage kann keine Nation ihren eigenen Frieden und ihre Sicherheit allein gewährleisten", fügte er hinzu.

Ein Shenyang J-35 Düsenjäger führt am 3. September 2025 während einer Militärparade zum 80. Jahrestag des Sieges über Japan und des Endes des Zweiten Weltkriegs einen Überflug auf dem Tiananmen-Platz in Peking durch.

Im Dezember sollen chinesische Militärflugzeuge über Okinawa japanische Kampfjets ins Visier genommen haben. Die Vorfälle hatte das japanische Verteidigungsministerium öffentlich gemacht.

07.12.2025 | 0:22 min

Japan will sich wohl nicht länger nur auf die USA verlassen

Takaichi gilt als Vertreterin einer harten Sicherheitspolitik. Die Exportlockerungen werden unter anderem als Versuch gewertet, die heimische Rüstungsindustrie auszubauen. Japanische Firmen wie Mitsubishi Heavy Industries waren etwa auf kleine Aufträge der heimischen Streitkräfte angewiesen. Die militärisch rasant aufrüstenden Nachbarstaaten Nordkorea und China werden in Japan zudem zunehmend als Bedrohung wahrgenommen.

Tokios nationale Sicherheit hängt stark vom traditionellen Verbündeten USA ab. Doch seit der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump werden die Vereinigten Staaten als zunehmend unzuverlässiger Partner wahrgenommen. Trump hatte wiederholt US-Sicherheitsgarantien gegenüber seinen Alliierten infrage gestellt.

Quelle: dpa, Reuters, AFP
Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress in dem Beitrag "Japan lockert Exportverbot für Waffen" am 21.04.2026 um 12:46 Uhr.
Thema

Mehr Nachrichten aus Japan und Asien

  1. Eine Warnmeldung auf einem Bildschirm mit Live-Bildern von NHK, die nach einem Erdbeben im Norden Japans am 20.04.2026 in Tokio eine Tsunami-Warnung auslöste.

  2. Ein taiwanesischer Soldat im Hintergrund, im Vordergrund eine große Linse, in der sich zahlreiche weitere Soldaten spiegeln.

    Indopazifik unter Druck:Iran-Krieg verunsichert US-Verbündete in Asien

    mit Video1:32

  3. Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius (l) und der japanische Verteidigungsminister Shinjiro Koizumi (r), aufgenomen am 22.03.2026
    Analyse

    Verteidigungsminister sucht Verbündete:Pistorius in Asien: Neue Partner in unsicheren Zeiten

    von Ines Trams
    mit Video1:12

  4. Eine Person in traditioneller japanischer Kleidung schießt mit einer Arkebuse. Aus dem Schaft und der Mündung tritt Rauch aus.

    Japan im Jahrhundert der Schlachten :Wie Waffentechnik aus Europa Japans Geschichte beeinflusste

    von Andreas Singler
    mit Video44:50