Japan 1575: In Nagashino schreiben europäische Waffen Geschichte

Japan im Jahrhundert der Schlachten :Wie Waffentechnik aus Europa Japans Geschichte beeinflusste

von Andreas Singler

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Die Schlacht von Nagashino 1575 beschleunigte nach über 100 Jahren Krieg in Japan den Prozess der Einheit. Feuerwaffen aus Europa spielten dabei eine wichtige Rolle.

Portrait eines japanischen Kriegers aus dem 16.Jahrhundert, mit einer Akebuse in der Hand. Im Hintergrund eine Totale der Schlacht von Nagashino.

Japan 1575: Seit Langem ist das Land in zahllose Territorien zersplittert. Rivalisierende Clans kämpfen um die Vorherrschaft. Bei Nagashino kommt es zur Entscheidungsschlacht.

19.03.2026 | 44:50 min

Japan im Jahr 1575: Seit über 100 Jahren kämpfen verfeindete Landesfürsten, die Daimyo, um die Macht auf dem japanischen Archipel. Es ist die "Zeit der streitenden Reiche". Einen starken Shogun, der das zerrissene Land vereinen und der die gemeinsamen Staatsgeschicke lenken würde, gibt es längst nicht mehr.

Aber ein aufstrebender Landesfürst hegt große Hoffnungen: Oda Nobunaga, der Daimyo der Provinz Owari. Seit er 1560 mit nur 2.000 Kriegern einen Widersacher besiegte, der ihm zahlenmäßig mehr als zehnfach überlegen war, gilt er als aussichtsreichster Kandidat für die Position des Regenten.

Oda Nobunaga gilt zu Beginn seiner Karriere als recht exzentrisch. Er hält sich an keinen Ehrenkodex. An keine Bräuche.

Julien Peltier, Experte für japanische Militärgeschichte

Oda Nobunaga: Japanischer Landesfürst ist offen für Neues

Oda war offen für Einflüsse von außen. "Er interessierte sich für Besucher aus dem fernen Europa und freundete sich mit portugiesischen Jesuitenbrüdern an", erzählt der Militärhistoriker Julien Peltier in der ZDFinfo-Dokumentation "Nagashino - Schicksalstag der Samurai".

Neugierig war Oda nicht nur auf fremdartige Sitten. Ganz besonders interessierte sich der Kriegsherr für eine Neuerung, die seinen Weg an die Spitze entscheidend beschleunigen konnte: Feuerwaffen. Arkebusen, Flinten mit Luntenschlössern, gelangten erstmals 1543 auf die südwestliche Insel Tanegashima, eingeführt von portugiesischen Händlern.

Montage: Ein Samurai (Komparse) blickt mit ernstem Gesicht in die Kamera. Im Hintergrund ist eine Szene mit Kampfgetümmel unscharf zu erkennen.

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Danach verbreiteten sich die Gewehre schnell im ganzen Land. Vielerorts wurden sie von geschickten Handwerkern selbst hergestellt. Oda Nobunaga war nicht der erste Krieger, der das Potential der neuen ausländischen Waffe erkannte. Aber niemand vor ihm setzte sie im Kampf so strategisch und umfassend ein wie er in der Schlacht von Nagashino.

Pferde der Takedas hatten Kriegsführung geändert

Nagashino war eine kleine Burg, in der sich 500 Samurai tagelang gegen eine Übermacht von 15.000 Angreifern verteidigten, die von Takeda Katsuyori befehligt wurden. Katsuyori war der Sohn des bedeutenden Kriegsherrn Takeda Shingen. Der zwei Jahre vor Nagashino verstorbene Clanchef hatte das Pferd in die Kriegskunst eingeführt und damit spektakuläre Erfolge erzielt.

Sein Sohn Katsuyori wollte es ihm nachmachen: "Er wollte seinen Vasallen beweisen, dass er seinen Vater überträfe", sagt der Historiker Tetsuo Owada. "Indem er die Burgen einnahm, die sein Vater nicht bezwingen konnte."

Sehen Sie die Doku "Nagashino - Schicksalstag der Samurai" aus der Reihe "Entscheidung auf dem Schlachtfeld" am 1. April 2026 um 21 Uhr bei ZDFinfo oder streamen Sie sie jederzeit im ZDF-Streaming-Portal.


Odas Waffen stoppen die Reiterarmee der Takedas

Nach einem erfolglosen Kriegszug wollte der junge Takeda mit seiner Kavallerie vor der Heimkehr wenigstens noch einen Sieg für sich erringen - und Nagashino einnehmen. Einem Samurai aus der belagerten Burg gelang der Ausbruch, er holte Oda Nobunaga und seinen wichtigsten Verbündeten zur Hilfe, den späteren Shogun Tokugawa Ieyasu.

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Die Heere der beiden Verbündeten umfassten zusammen 38.000 Mann, aber die Überzahl war nicht ausschlaggebend für den Erfolg. "Oda Nobunaga hatte damals begriffen, dass sich eine angreifende Kavallerie am besten durch eine wahre Wolke aus Projektilen stoppen ließ", erläutert der Militärhistoriker Oliver Renaudeau, Kurator im Pariser Armeemuseum.

Er war der erste, der diese Taktik in einer Schlacht einsetzte und den Gegner in einem Kugelhagel vernichtete.

Olivier Renaudeau, Militärhistoriker

Gegen die bis zu 3.000 Arkebusen, deren Schützen sich hinter kilometerlangen Palisaden verschanzten, war der ungestüme Angreifer Takeda chancenlos. Seine Feinde hatten ihn überdies auf schweres Terrain gelockt, zwischen steile Abhänge und schlammige Reisfelder. Zwei Drittel seiner Kämpfer starben. Takedas Generäle hatten vergeblich versucht, ihn von dem Angriff abzubringen.

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Reichseinigung um Jahrzehnte beschleunigt

Die Einigung des japanischen Reiches war mit dem überwältigenden Sieg von Oda und Tokugawa noch nicht abgeschlossen. Aber sie dürfte sich nach Einschätzung von Historikern durch diesen Erfolg auf dem Schlachtfeld um Jahrzehnte beschleunigt haben. Oda Nobunaga selbst erlebte die Vollendung der Einheit Japans nicht mehr.

Tokugawa Ieyasu war es schließlich, der das Werk der Einigung vollendete, indem er die alleinige Macht in eine lange Ära unter der Führung von Shogunen seiner Familie überführte - die heute so genannte Edo-Periode zwischen 1603 und 1868. Benannt wurde sie nach der neuen Hauptstadt des Reiches, dem heutigen Tokio. An die Stelle der "Zeit der Streitenden Reiche" trat eine mehr als 250 Jahre lange währende Ära des inneren Friedens.

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Über dieses Thema berichtet die Doku "Nagashino - Schicksalstag der Samurai", online verfügbar am 19.03.2026 um 5 Uhr, in ZDFinfo am 01.04.2026 ab 21 Uhr.

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