Milliardengeschäft:30 Jahre Pokémon: Wie Taschenmonster eine Generation prägten
von Patrick Lipke
Vor 30 Jahren brachte der Japaner Satoshi Tajiri die virtuelle Monster Pokémon heraus. Mittlerweile bringt das Geschäft damit mehrere MiIliarden Dollar ein.
Es gibt sie als Computerspiel, Anime-Serie und Plüschtiere: Die Pokémon. Nun feiert das Franchise 30-jähriges Bestehen.
27.02.2026 | 4:43 minEin Vollbart wie mit dem Lineal gestutzt, markante Brille, Hemd, Lederschuhe: Petty Weihrauch sieht ganz anders aus als seine Kunden. In seinem Düsseldorfer Laden verkauft er Pokémon-Karten, insbesondere an Erwachsene.
Ich habe Leute hier, die geben im Monat 5.000 Euro für Karten aus.
Petty Weihrauch, "Pokémon"-Händler
Oft seien dies Sammler, die selbst handeln und darauf spekulieren, dass zumindest eine der zehn Karten in den blickdichten Boosterpacks selten und wertvoll ist, beobachtet Weihrauch.
Das Geschäft mit Pokémon geht in die Milliarden Dollar
30 Jahre lang gibt es das sogenannte Medien-Franchise und von Anfang an ist es ein Riesengeschäft. Deutlich mehr als mit „Star Wars“ oder „Marvel“. In einer Auswertung des Statistischen Bundesamtes steht Pokémon der umsatzstärksten Medien-Franchises auf Platz eins, weit vor "Hello Kitty", "Star Wars" oder "Mickey Mouse". Nach dieser Liste waren es bis 2021 100 Milliarden US-Dollar.
Begonnen hat alles mit dem Japaner Satoshi Tajiri, der - inspiriert von seiner Sammel-Leidenschaft für Insekten - über mehrere Jahre ein Video-Spiel entwickelt. Pokémon, die Abkürzung für Pocket-Monster, kam am 27. Februar 1996 in Japan auf den Markt. Das Spielprinzip hat sich seitdem kaum verändert: Monster sammeln, trainieren und in Arenen gegen andere Monster antreten lassen.
Erfinder des Pokémon: Satoshi Tajiri.
Quelle: ddpDebatte um Pokémon-Konsum
Es folgten: eine Animationsserie, Sammelkarten und Merchandise. Zur Jahrtausendwende entwickelte sich auch in Deutschland bei den Kindern der Hype zu einer Manie. Vielen Eltern und Lehrern ging das zu weit. Im Herbst 2000 sprach erstmals eine Grundschule in Baden-Württemberg ein Pokémon-Verbot aus.
Die Figuren seien gewaltverherrlichend, ältere Schüler würden Jüngere beim Karten-Tauschen übervorteilen oder das Essensgeld fließe in den Kauf neuer Karten, so die Begründung damals.
Fernsehen, Radio und Zeitungen befragten Anfang der Nullerjahre Medienpädagogen: Sind Pokémon schädlich für unsere Kinder? Die Experten nahmen Dampf aus der Diskussion und sahen sogar positive Effekte auf die Entwicklung.
Medienpädagogen nehmen Pokémon in Schutz
Die Vielzahl der unterschiedlichen Pokémon-Figuren - zu Beginn waren es 151 - bietet Kindern beim Spiel die Möglichkeit zur Identifikation und das Gefühl von Macht. Das Sammeln und Tauschen fördere das Sozialverhalten, könne Anerkennung bringen und die Fähigkeit, mit Konkurrenz umzugehen, meinten damals die Medienpädagogen.
Dominique Zgonec aus Krefeld haben die Monster nicht geschadet: "Es klingt ein wenig kitschig, aber das hat mir immer Halt gegeben." Der heute 26-jährige ist Mitarbeiter in einem Discounter. Nach Feierabend betreibt er einen Twitch-Kanal über Pokémon. Doch bei 100 Videospielen und über 1.000 Monstern findet er schon lange nicht mehr alles gut, sagt er.
"Pokémon-Go" macht den Hype komplett
Dominique erzählt, wie er als Teenager das Handy seiner Mutter ausleihen musste, um "Pokémon Go" spielen zu können. Das Spiel löst 2016 einen Hype aus vergleichbar mit dem der Anfangsjahre.
Was fasziniert die Fans nach wie vor an dem Spiel?
05.07.2019Damals rannten weltweit Millionen von Fans wie bei einer Schnitzeljagd durch die echte Welt, um per Smartphone und "Augmented Reality" auf Pokémon-Jagd zu gehen, das Handy-Spiel nutzte dabei die Kamera des Handys, um die digitalen Wesen direkt in die reale Umgebung des Spielers einzublenden.
Rekord-Einnahmen für Pokémon-Karten
Viele Fans wie Dominique sind mit den Taschenmonstern aufgewachsen und ihnen im Erwachsenenalter treu geblieben. Über Kunden, die nicht mehr auf das Taschengeld ihrer Eltern angewiesen sind, freut sich Händler Petty Weihrauch besonders.
"Pikachu", eine Pokémon-Figur brachte bei einer Versteigerung in den USA 14 Millionen Euro ein.
Quelle: APIm Januar wurde in den USA eine Karte mit Fanliebling Pikachu für die Rekordsumme von 14 Millionen Euro versteigert.
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