Neue Angriffe zwischen USA und Iran:"Eher Jahre als Monate": Experte erwartet langen Iran-Krieg
Der Politikwissenschaftler Stephan Bierling erwartet, dass die USA den Krieg gegen Iran nicht in naher Zukunft beenden können. Finanziell zu stemmen wäre er demnach auch "ewig".
Der Krieg zwischen USA und Iran werde noch länger andauern, da Trump ein Plan fehle, sich aus der Auseinandersetzung zurückzuziehen, so Politikwissenschaftler Stephan Bierling bei ZDFheute live.
31.08.2026 | 14:58 minDie USA könnten sich den Krieg in Iran nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Stephan Bierling von der Universität Regensburg noch "ewig leisten" - zumindest aus finanzieller Sicht. Der 20 Jahre andauernde Einsatz des US-Militärs in Afghanistan habe gezeigt, dass die Weltmacht für einen langen Krieg die nötigen Mittel aufbringen könnte.
Von 2001 bis 2021 hatten die US-Streitkräfte, anders als bisher in Iran, sogar "Bodentruppen in beträchtlicher Zahl" in Afghanistan eingesetzt. Der bisher überwiegend aus der Luft geführte Iran-Krieg sei daher im Vergleich durchaus "durchhaltbar", wenn auch "nicht so leicht", meint Bierling bei ZDFheute live.
Trump versprach: Keine "endlosen Kriege"
Allerdings widerspräche ein solches Vorgehen einem der zentralen Wahlkampfversprechen von US-Präsident Donald Trump, keine "endlosen Kriege" führen zu wollen. Das hatte er seinen Vorgängern George W. Bush und Barack Obama wiederholt vorgeworfen.
Jetzt droht er im Grunde das gleiche Schicksal zu erleiden: aus Hybris, aus Hochmut, aus Abenteurertum, aus Selbstglorifizierung einen endlosen Krieg mit dem Iran zu beginnen.
Stephan Bierling, Politikwissenschaftler
Das koste Rückhalt: Zum einen werde in Trumps eigenen Reihen, der "isolationistischen MAGA-Basis", Kritik lauter. Zum anderen habe er die unabhängigen Wähler gegen sich aufgebracht, die bei den Midterms im November wahlentscheidend sein könnten. Trump drohe der Verlust der republikanischen Mehrheit im Repräsentantenhaus, "vielleicht sogar im Senat".
Die USA werfen Iran vor, Seeminen in der Straße von Hormus zu verlegen. Tatsächlich gebe es immer wieder Berichte über beschädigte Tanker, berichtet ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa.
31.08.2026 | 5:43 minExperte erwartet regelmäßige "Scharmützel" in Straße von Hormus
Erstmals seit Ende Juli hatten die US-Streitkräfte in der Nacht auf Montag wieder Ziele in Iran angegriffen. Die USA nahmen zwei Raketenabschussrampen in der Nähe der Straße von Hormus ins Visier, wie verschiedene Medien unter Berufung auf einen US-Beamten berichteten. Iran reagierte umgehend mit Vergeltungsangriffen auf Stützpunkte des US-Militärs.
Die USA hätten befürchtet, dass Iran die Kontrolle über die Straße von Hormus ausbauen wollte, so Bierling. Der Experte bezeichnet die Meerenge als "das große Faustpfand" der iranischen Führung, mit dem sie Druck auf die ölexportierenden Golfstaaten, den internationalen Energiemarkt und den US-Präsidenten persönlich machen könne.
Die USA haben wieder Ziele in Iran angegriffen. Das US-Militär habe nach eigenen Angaben Abschussvorrichtungen attackiert. Teheran reagierte mit Drohnenangriffen auf eine US-Basis in Jordanien.
31.08.2026 | 0:25 minTrump versuche, diesen Kontrollgewinn Irans in der Region immer wieder mit "Scharmützeln" und "kurzen militärischen Aufeinandertreffen" zu unterbinden. Eine größere Eskalation wolle er, auch mit Blick auf die bedeutenden Zwischenwahlen, derzeit aber vermeiden. Innenpolitisch steht Trump wegen des Vorgehens im Mittleren Osten und wegen der hohen Benzinpreise in der Kritik. Bierling sagt:
Es ist ein Klotz am Bein im Wahlkampf. Und trotzdem, glaube ich, wird dieser Konflikt eher Jahre als Monate weitergehen, weil für beide Seiten im Grunde keine (...) Exit-Strategie, kein Ausweg wirklich sichtbar ist.
Stephan Bierling, Politikwissenschaftler
Trump werde sein zentrales Ziel, einen Regimewechsel in Teheran, letztlich aber nicht durchsetzen können.
Bierling: Russland und China profitieren von US-Kriegsführung
Von Trumps Fokus auf den Iran-Krieg würden stattdessen nun Russland und China profitieren, analysiert der Politikwissenschaftler. Im russischen Angriffskrieg habe die Ukraine Nachschub-Probleme - vor allem bei den Patriot-Raketen für die Flugabwehr, "weil die Amerikaner die, lassen Sie mich mal salopp formulieren, im Golf verballern", so Bierling.
Und Peking profitiere, weil die US-Sicherheitsgarantien für Taiwan brüchig würden. Die USA streckten Patriot-Lieferungen oder setzten diese sogar aus und zögen sogar Flugzeugträger aus der strategisch wichtigen Region in Ostasien ab.
Das Interview führte Christina von Ungern-Sternberg. Zusammengefasst wurde es von Torben Heine.
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