Vorwurf sexueller Übergriffe:Internationaler Strafgerichtshof suspendiert Chefankläger
Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs, Karim Khan, wurde nach Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens vorerst suspendiert. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus.
Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs, Karim Khan, wurde wegen des Verdachts sexueller Übergriffe suspendiert. Über eine Amtsenthebung sollen die Vertragsstaaten entscheiden.
09.06.2026 | 0:37 minWegen Vorwürfen des sexuellen Fehlverhaltens ist der Chefankläger am Internationalen Strafgerichtshof (IStGH), Karim Khan, von seinem Amt suspendiert worden. Diese Entscheidung verkündete am Montagabend das Präsidium der Versammlung der Vertragsstaaten (ASP). Der Fall solle an die Vollversammlung verwiesen werden, die alle Mitgliedstaaten des Gerichtshofs umfasst.
Das aus 21 Mitgliedern bestehende Präsidium entschied nach eigenen Angaben "mit qualifizierter Mehrheit, den Ankläger mit sofortiger Wirkung vom Dienst zu suspendieren, bis die Versammlung der Vertragsstaaten als zuständiges Entscheidungsorgan eine endgültige Entscheidung trifft". Zugleich wurde betont, "dass diese Suspendierung keinen Hinweis auf den endgültigen Ausgang des Verfahrens darstellt". Eine Sondersitzung soll so schnell wie möglich stattfinden.
Bericht: Sexuelle Belästigung über Monate hinweg
Medienberichten zufolge wird Khan sexuelles Fehlverhalten gegenüber einer Mitarbeiterin seines Büros vorgeworfen. Laut dem "Wall Street Journal" hatte eine Assistentin UN-Beamten mitgeteilt, dass Khan sie über mehrere Monate hinweg sexuell belästigt und schließlich zum Geschlechtsverkehr gezwungen habe.
Eine Kommission der Vereinten Nationen hatte die Vorwürfe untersucht. Diese hatte im Dezember 2025 ihren Bericht vorgelegt. Der Bericht wurde bisher nicht veröffentlicht. Drei Richter des Strafgerichtshofs hatten auf der Grundlage der Untersuchung ein Rechtsgutachten vorgelegt. Auch dieses wurde nicht veröffentlicht.
Richter Nicolas Guillou vom Internationalen Strafgerichtshof ist nach seinem Haftbefehl gegen Netanjahu sanktioniert worden. Die USA haben sein digitales Leben ausgelöscht.
05.12.2025 | 2:55 minDer 56-jährige Khan hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und sich bereiterklärt, mit den Ermittlern zu kooperieren. Wegen der Vorwürfe gegen ihn legte er bereits im Mai vergangenen Jahres sein Amt vorerst nieder. Nun wurde er formell suspendiert.
Khans Bilanz: Haftbefehle gegen Netanjahu und Putin
Khan ist seit Juni 2021 Chefankläger am IStGH. Er hatte in den vergangenen Jahren immer wieder für Aufsehen gesorgt. So erwirkte er Haftbefehle des IStGH gegen den israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu, den damaligen israelischen Verteidigungsminister Joav Gallant und mehrere Anführer der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas wegen mutmaßlicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit und mutmaßlicher Kriegsverbrechen im Gaza-Krieg.
Khan erwirkte zudem einen Haftbefehl gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin wegen des Vorwurfs der unrechtmäßigen Verschleppung ukrainischer Kinder.
Israel fordert Aufhebung von Haftbefehl
Israels UN-Botschafter forderte nun eine Aufhebung des Haftbefehls gegen Netanjahu. Die Suspendierung Khans beweise, "dass diese Institution bis ins Mark verdorben ist", schrieb UN-Botschafter Danny Danon auf X.
Der IStGH mit Sitz in Den Haag verfolgt seit 2002 besonders schwerwiegende Straftaten wie Kriegsverbrechen. 125 Staaten haben den Grundlagenvertrag unterzeichnet, darunter alle EU-Staaten. Die USA, Russland und Israel gehören dem Gericht nicht an.
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