Politik und die Weltmeisterschaft 2026:Doch keine Trump-Festspiele bei der WM?
von Fränzi Meyer, Washington, D.C.
Trump, Einreiseverbote und die Nähe zu FIFA-Präsident Infantino: Die Fußball-WM bot viel Stoff für politische Debatten. Doch welche Rolle spielte der US-Präsident am Ende wirklich?
Die WM sorgte für emotionale Momente und Aufreger. US-Präsident Donald Trump war dabei immer wieder präsent - bis hin zum Finale. Doch wie stark prägte er das Turnier am Ende tatsächlich?
19.07.2026 | 41:23 minNoch bevor der Ball rollte, stand die Frage im Raum: Würde Donald Trump die Weltmeisterschaft zur politischen Bühne machen? Menschenrechtsorganisationen warnten vor den Folgen seiner Einwanderungspolitik, Experten zweifelten, ob die USA unter seiner Führung ein offenes Gastgeberland sein könnten. Hinzu kamen die demonstrative Nähe des US-Präsidenten zu FIFA-Präsident Gianni Infantino und die Befürchtung, dass am Ende nicht der Fußball, sondern die Politik die Schlagzeilen bestimmen würde.
Zeit für eine Bilanz. Wie stark hat Trump dieses Turnier tatsächlich geprägt?
Fußball-WM 2026: Wie Trump sich einmischte
Schon Monate vor Turnierbeginn zeigte sich Trump an der Seite von Infantino und nahm einen eigens geschaffenen FIFA-Friedenspreis entgegen - ein Auftritt, der eine Debatte über das Verhältnis von Sport und Politik auslöste. Für Kritik sorgte zugleich die Einwanderungspolitik seiner Regierung. Für Spieler und Delegationen galten Ausnahmen, doch Fans aus Iran, Haiti und weiteren Ländern waren von erheblichen Einreisebeschränkungen betroffen. Dem FIFA-Schiedsrichter Omar Artan aus Somalia wurde die Einreise in die USA verweigert.
Die Rot-Sperre des US-Amerikaners Folarin Balogun ist nach einem Anruf von Donald Trump bei Gianni Infantino aufgehoben worden. Die Fußball-Welt ist empört.
06.07.2026 | 2:13 minWährend der Weltmeisterschaft griff Trump schließlich persönlich in die Debatte um den Platzverweis von US-Nationalspieler Folarin Balogun ein. Er rief Infantino an und kurz darauf setzte die FIFA die automatische Ein-Spiel-Sperre des Stürmers aus, sodass Balogun im Achtelfinale gegen Belgien auflaufen durfte. Trump erklärte später, er habe lediglich gebeten, dass sich die FIFA den Fall noch einmal anschaue.
Für den Politikwissenschaftler Michael Hanmer, der an der University of Maryland zum Verhältnis von Sport und Politik forscht, war dies Trumps sichtbarster Eingriff während des Turniers. Die unterschiedlichen Reaktionen aus der Fußballwelt zeigten, wie kontrovers sein Vorgehen aufgenommen wurde. Politikexperte Peter Loge von der George Washington University zieht aus dem Fall der roten Karte ein scharfes Fazit:
Diese gesamte Episode bestätigte erneut den hart erarbeiteten Ruf von Trump und der FIFA, Politik und Geld über Spieler und Fans zu stellen.
Peter Loge, US-Politikexperte
Gianni Infantino und Donald Trump übergaben dem spanischen Kapitän Rodri den WM-Pokal. Der US-Präsident blieb für das Siegerfoto neben der spanischen Mannschaft stehen.
20.07.2026 | 21:51 minExperten: So prägend wie erwartet war Trump nicht
"Insgesamt ist das nicht eingetreten", sagt Hanmer mit Blick auf die Erwartung, Trump könnte das Turnier für sich vereinnahmen. Auch Loge erklärt, trotz der sichtbaren Präsenz des US-Präsidenten, sei die befürchtete politische Dominanz bei der Weltmeisterschaft ausgeblieben. Zwar habe es zu Beginn des Turniers die Debatten um Einreisebeschränkungen und später Trumps Eingreifen im Fall Balogun gegeben - "abgesehen von diesen Ausnahmen" drehte sich die Weltmeisterschaft jedoch "glücklicherweise größtenteils um die Spiele und die Fans und nicht um die US-Politik", erklärt Loge weiter.
Im Großen und Ganzen war die Politik früh abgehandelt, und danach nahmen Fans, Spieler und Spiele ihren rechtmäßigen Platz im Mittelpunkt der Diskussion ein.
Peter Loge, US-Politikexperte
Trump und Infantino überreichten der spanischen Nationalmannschaft den WM-Pokal.
Quelle: firo SportphotoWas von der WM bleibt
Die größte Überraschung für mich ist, wie begeistert internationale Fans und Spieler die USA erlebt haben.
Michael Hanmer, US-Politikwissenschaftler
Bemerkenswert sei außerdem die Zusammenarbeit zwischen den USA, Kanada und Mexiko gewesen - trotz der angespannten politischen Beziehungen zwischen den drei Nachbarländern, betont Hanmer.
Und damit ist die bis dato größte Fußball-Weltmeisterschaft Geschichte. 104 Spiele von insgesamt 48 Teams und unzählige Momente, die bleiben - sportliche und auch politische.
20.07.2026 | 1:59 minZu Trumps Festspielen wurde die Weltmeisterschaft aus Sicht der Experten am Ende nicht. Während im Fußball wohl noch länger über Trinkpausen, das Entertainment rund um das Finale und Lehren für künftige Turniere diskutiert werden dürfte, werden viele Fans sich vermutlich an etwas anderes erinnern: an volle Stadien, Überraschungssiege, Fangesänge wie die Wikinger-Rufe der norwegischen Fans und die besondere Atmosphäre eines Turniers, das Menschen aus aller Welt zusammengebracht hat.
Großartige Spiele, besondere Geschichten und Amerikaner, die Menschen und Spieler aus aller Welt willkommen geheißen haben, machten diese Weltmeisterschaft zu einem Turnier für die Geschichtsbücher - eines, das nicht einmal Donald Trump überschatten konnte.
Peter Loge, US-Politikexperte
Fränzi Meyer ist Reporterin im ZDF-Studio Washington, D.C.
Wichtiger Hinweis in eigener Sache
Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.
Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr zur WM und Donald Trump
Zwischen Schlagzeilen und Alltag:Verändert die WM den Blick auf die USA?
Fränzi Meyer, Washington, D.C.mit Video1:39Entscheidend ist nicht nur auf dem Platz:Was wir bei der Fußball-WM gelernt haben
von Maik Rosnermit Video15:40Aktivistin zur Situation in New York:Kritik an ICE-Einsätzen: "WM ist auf jeden Fall politisch"
Frank Hellmann, New Yorkmit Video0:23Rot-Sperre nach Trump-Druck aufgehoben:"Unglückliche Situation": Balogun äußert sich zu WM-Skandal
mit Video33:20