ICE-Proteste: "Diese WM ist auf jeden Fall politisch"

Aktivistin zur Situation in New York:Kritik an ICE-Einsätzen: "WM ist auf jeden Fall politisch"

von Frank Hellmann, New York

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Hae-Lin Choi ist als Aktivistin für die Initiative "Hands off New York" am Endspielort tätig. Sie erlebt täglich, dass Menschen mit Migrationshintergrund eingeschüchtert werden.

Archiv: Anti-ICE Protest in New York

Am Mittwoch protestierten New Yorker gegen die US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE).

Quelle: ddp

Es sind gemischte Gefühle, die Hae-Lin Choi mit dieser WM verbindet. Da waren Begegnungen im German House of Soccer in New York mit deutschen Fans und Funktionären. Oder das Treffen mit Oke Göttlich, dem Präsidenten vom FC St. Pauli, mit dem die 49-Jährige viele Werte teilt. Doch im Alltag erlebt ihre Organisation "Hands off New York" die Schattenseiten der Politik von Präsident Donald Trump während des Turniers.

Sie unterstützt nämlich die Menschen, die von der US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) auch während der WM verfolgt werden. "Ich würde sagen, fast alle Menschen mit Migrationshintergrund sind traumatisiert, fühlen sich terrorisiert oder leben in Furcht. Denn ICE tritt in New York gewissermaßen wahllos auf: Sie können jederzeit überall auftauchen", sagt sie.

Eingebunden sind verschiedene Initiativen (Team Wonder", "No ICE In The Cup", "Our Copa" und "GOAL"), die alle dasselbe Ziel verfolgen: der Trump-Politik die Stirn zu bieten, rechtlichen Beistand zu leisten. Die Räumlichkeiten ihrer Einrichtung mitten in Manhattan gegenüber vom Chelsea-Hotel sind voll von Transparenten, Flyern, Pfeifen und Visitenkarten.

Freunde und Verwandte halten eine Mahnwache für Sebastian Duran Guerrero ab

Nach einem weiteren tödlichen Einsatz im Bundesstaat Maine hat die US-Einwanderungsbehörde ICE ihre Vorschriften verschärft. Autokontrollen sollen nur noch in Ausnahmefällen stattfinden.

15.07.2026 | 0:23 min

Kritik an ICE-Einsätzen auch von Human Rights Watch

Ihre These: "Diese WM ist auf jeden Fall politisch. Allein schon, weil schwarze und braune Fans, Teams und Schiedsrichter teilweise ausgegrenzt werden." ICE habe Milliarden Dollar Steuergeld, "um Lager zu bauen, Überwachungsgeräte anzuschaffen und eigentlich nicht befähigte Leute einzustellen", kritisiert Choi.

Ein Umstand, den auch die Organisation Human Rights Watch (HRW) mehrfach anprangerte. Ihre Kritik: "Abseits des Rampenlichts schaden die menschenrechtsfeindlichen Maßnahmen der Trump-Regierung weiterhin Tausenden von Einwanderern, Fans, Journalisten und Arbeitnehmern."

Zur Person

Hae-Lin Choi
Quelle: ZDF

Hae-Lin Choi arbeitet seit diesem Jahr hauptberuflich für die Organisation "Hands off New York. Sie promovierte an der Freien Universität in Berlin in Politikwissenschaften. 2001 begann sie in der Arbeiterbewegung der Deutschen Gewerkschaft Verdi, ehe sie über ein Stipendium 2008 in die USA ging, wo sie zuletzt als Gebietsdirektorin für Politik, Gesetzgebung und Mobilisierung für die Gewerkschaft Communications Workers of America (CWA) tätig war.

Sie verfügt über weitreichende Erfahrung in der Basis-, Gewerkschafts- und politischen Organisationsarbeit. Mit ihrem Mann und zwei Kindern lebt sie in Brooklyn und hat inzwischen auch einen amerikanischen Pass.


Seit Amtseinführung des US-Präsidenten Tump seien 52 Menschen in Gewahrsam der US-Einwanderungsbehörde ums Leben gekommen. Dazu kamen erst vergangene Woche zwei tödliche Vorfälle unter ICE-Beteiligung - erst in Houston, dann in Maine.

Demonstranten halten Plakate hoch.

In den USA ist innerhalb von nur einer Woche ein zweiter lateinamerikanischer Migrant von ICE-Beamten erschossen worden. Er wurde offenbar verwechselt.

14.07.2026 | 2:27 min

Bernd Neuendorf im UN-Gebäude mit Allgemeinplätzen

Die als Tochter südkoreanischer Gastarbeiter in Bochum aufgewachsene Aktivistin hätte gerne auch den DFB mehr in die Verantwortung genommen. Zwar wies Göttlich anfangs bei der Eröffnung des Deutschen Hauses auf ihre Organisation hin, aber insbesondere DFB-Präsident Bernd Neuendorf vermied tunlichst jede Einmischung in die US-Politik. Eine Lehre aus der WM in Katar, als der deutschen Delegation die sportpolitischen Statements rund um die One-Love-Binde auf die Füße fielen.

Bei einem Panel im UN-Gebäude hielt Neuendorf eine allgemeine Rede - wohlgemerkt vor dem Ausscheiden der DFB-Auswahl -, als er generell auf die gesellschaftliche Bedeutung des Fußballs verwies. "Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus widersprechen des Werten des Fußballs", sagte er. Der DFB stehe für Vielfalt und gegen jede Form der Ausgrenzung. Er legt sich aber deswegen nicht mehr mit der FIFA an.

Weder vom DFB noch vom Verband kam Kritik

Die Aktivistin Choi hätte sich gefreut, wenn nur ein Fußballer oder Funktionär, egal aus welchem Land, mal ihren Sticker getragen hätte. Aber die Chuzpe hatte niemand. New York könnte eigentlich vor dem Finale aus ihrer Sicht ein gutes Beispiel geben: "Es war und ist immer eine Stadt von Migranten: egal wo du herkommst, egal wie du aussiehst. Eine WM könnte gerade hier das Zeichen setzen: Wir stehen alle zusammen."

Aktuell aber verberge sich hinter der glitzernden Kulisse oft ein düsterer Alltag. "Wir hören über unsere Migrationsorganisationen von so vielen Familien, dass sie unterschwellig Panik schieben. Wir wissen von vielen Migranten, dass sie ihre Kinder nicht mehr zur Schule schicken. Restaurantbesitzer berichten, dass außerhalb von Manhattan viele nicht mehr zur Arbeit kommen, weil sie Angst haben, dort aufgegriffen zu werden."

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