Zwischen Schlagzeilen und Alltag:Verändert die WM den Blick auf die USA?
von Fränzi Meyer, Washington, D.C.
Trump, Proteste, Waffengewalt: So sehen viele Schlagzeilen über die USA aus. Gleichzeitig feiern WM-Fans ein anderes Amerika - von Walmart bis Waffle House. Wie passt das zusammen?
Die USA sind raus aus der WM, was aber der allgemeinen Stimmung keinen Abbruch tut. Die Fans aus aller Welt sind begeistert vom American Way of Life.
10.07.2026 | 1:39 min"Dude, das ist eine Tankstelle?!" Millionen Menschen haben in den vergangenen Wochen dabei zugesehen, wie der deutsche Content Creator Freddy und andere internationale Fußballfans durch die USA reisen. Sie staunen über endlose Regale im XXL-Supermarkt Walmart, frühstücken bei Waffle House oder verbringen Stunden bei Buc-ee's - einer Tankstelle, die eher an einen Freizeitpark erinnert.
Die Videos feiern Amerika. Viele Schlagzeilen zeichnen dagegen ein anderes Bild: Proteste gegen Maßnahmen von US-Präsident Donald Trump, Waffengewalt, Abschiebungen und Sorgen vor der Einreise prägen für viele die Wahrnehmung der USA. Wie passen diese beiden Bilder zusammen?
X-Post von Freddy
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Warum Alltagsorte faszinieren - besonders in den USA
"Touristen interessieren sich nicht nur für berühmte Sehenswürdigkeiten; sie möchten ebenso verstehen, wie Menschen tatsächlich leben", erklärt US-Tourismusforscherin Asli Tasci, die zu Destinationsimage und Reiseverhalten forscht, gegenüber ZDFheute. Deshalb werden ausgerechnet Orte spannend, die für US-Amerikaner selbstverständlich sind. Wer bei Walmart einkauft, selbst auf einem Highway fährt oder bei Buc-ee's eine Pause macht, fühle sich für einen Moment weniger wie ein Tourist - und mehr als Teil des amerikanischen Alltags.
Diese Faszination für den Alltag gebe es grundsätzlich an vielen Reisezielen, in den USA komme jedoch etwas hinzu: Viele Besucher reisten bereits mit einem bestimmten Bild des Landes an. "Vor allem Europäer waren schon immer von der amerikanischen Kultur fasziniert - von ihrer Darstellung in Filmen, Musik und Fernsehserien", erklärt die britische Tourismusforscherin Heather Gibson, die an der University of Florida lehrt. Sie spricht von "Americana" - Symbolen des amerikanischen Alltags, die diese Vorstellungen prägen.
Die Faszination für das 'Americana'-Gefühl führt dazu, dass Menschen gezielt US-amerikanische Produkte und Marken aufsuchen und davon beeindruckt sind.
Heather Gibson, US-Tourismusforscherin
X-Post von Freddy
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Zwischen Schlagzeilen und Reiseerlebnissen
Wie können die politischen Schlagzeilen über die USA und die begeisterten Urlaubsvideos gleichzeitig wahr sein? Für die Tourismusforscherinnen Asli Tasci und Heather Gibson ist das kein Widerspruch. Sie zeigen vielmehr unterschiedliche Facetten desselben Landes.
In der öffentlichen Wahrnehmung prägen häufig politische Schlagzeilen, Krisen und Konflikte das Bild der USA. Reisen hingegen seien persönliche Erfahrungen, erklärt Tasci. Wer Menschen begegne, lokale Traditionen kennenlerne oder sich willkommen fühle, nehme ein Land oft differenzierter wahr. Politische oder gesellschaftliche Probleme verschwänden dadurch nicht. Persönliche Erfahrungen ergänzten das Bild jedoch um eine emotionale Dimension, die Medienberichterstattung allein nicht vermitteln könne.
Das Image eines Reiseziels ist mehrdimensional.
Asli Tasci, US-Tourismusforscherin
Bunte Jutebeutel sorgen für einen Ansturm auf die Filialen der Supermarktkette Trader Joe's. Die limitierten Taschen erreichten durch TikTok sogar einen weltweiten Hype und ziehen Touristen an.
10.04.2026 | 2:08 minHat die Weltmeisterschaft das Bild der USA verändert?
Für Gibson spricht vieles dafür. Wer das Land während des Turniers besucht habe, nehme vor allem die eigenen Erfahrungen mit nach Hause: "Die Begegnungen mit Einheimischen und die Atmosphäre dieser besonderen Zeit voller Begeisterung und Stolz werden zu ihren langfristigen Erinnerungen an die USA." Deshalb sei es wahrscheinlich, dass künftige Nachrichten über die Vereinigten Staaten mit diesen persönlichen Erlebnissen verknüpft würden und zum Image beitragen.
Diese unmittelbaren Erfahrungen hinterlassen stärkere und dauerhaftere Bilder und Erinnerungen.
Heather Gibson, US-Tourismusforscherin
Für Tasci endet dieser Effekt nicht bei den Reisenden selbst: "Millionen von Menschen erzählen nun ihre eigenen Geschichten, anstatt lediglich Medienberichte über das Land zu konsumieren." Wie der deutsche Content Creator Freddy auf X teilten Besucher ihre Erlebnisse in Echtzeit in den sozialen Medien. Das Bild der USA entsteht damit nicht mehr nur durch Schlagzeilen - sondern auch durch Millionen persönlicher Geschichten.
Fränzi Meyer ist Reporterin im ZDF-Studio Washington, D.C.
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