Trumps Zahlen zum "Geburtstourismus":US-Pass für Babys: Reisen Schwangere dafür extra in die USA?
von Oliver Klein
Trump will "Geburtstourismus" bekämpfen. Dass Schwangere für die Entbindung in die USA reisen, damit ihr Kind US-Staatsbürger wird, passiert durchaus - aber vergleichsweise selten.
Donald Trump unterzeichnet Durchführungsverordnungen zur Einschränkung des Geburtsrechts.
Quelle: Action PressNun also ein neuer Anlauf. US-Präsident Donald Trump will noch einmal den sogenannten "Geburtstourismus" bekämpfen. Im Fokus: Schwangere Frauen, die seiner Meinung nach extra in die USA einreisen, um dort Kinder zu bekommen. In den USA geborene Babys erhalten in der Regel automatisch die US-Staatsbürgerschaft.
Trump will Geburtsortprinzip einschränken
Trump unterzeichnete am Donnerstag (Ortszeit) ein Dekret, das das Geburtsrecht auf die Staatsbürgerschaft für bestimmte Gruppen einschränkt. Mit einem zweiten Erlass will Trump die Visavergabe für Menschen verschärfen, die nach Ansicht seiner Regierung in die USA reisen, um dort ein Kind mit Anspruch auf die US-Staatsbürgerschaft zur Welt zu bringen.
Der Supreme Court hatte Ende Juni entschieden, dass in den USA geborene Kinder weiterhin Anspruch auf die US-Staatsbürgerschaft haben und kippte damit Trumps Pläne zur Einschränkung dieses Rechts.
30.06.2026 | 0:22 minEine Einschränkung des Geburtsortsprinzips gehört zu Trumps obersten Prioritäten bei seinem Vorgehen gegen Einwanderung. Die US-Regierung wolle damit den Wert der US-Staatsbürgerschaft schützen, heißt es zur Begründung. Das System solle nicht von "bösartigen Syndikaten" ausgenutzt werden.
Auf die Nachfrage eines Reporters bei einer Pressekonferenz im Oval Office, wie viele Menschen denn tatsächlich vom "Geburtstourismus" profitieren würden, erklärte Trump: "Das kann ich direkt beantworten: Hunderttausende, okay? Hunderttausende." Was ist dran an Trumps Behauptung? Welche Zahlen und Schätzungen zu dem Thema gibt es? Wie groß ist das Problem des "Geburtstourismus" in den USA wirklich? ZDFheute mit einem Faktencheck.
Die USA wollen die Aufenthaltsbestimmungen für ausländische Studenten und Journalisten verschärfen. Das US-Heimatschutzministerium möchte damit angeblichen Visa-Missbrauch eindämmen.
17.07.2026 | 0:28 minFälle von "Geburtstourismus" dokumentiert
Woher Trump seine Zahlen nimmt, ist unklar. Offizielle Statistiken zur Zahl der Ausländerinnen, die gezielt für eine Entbindung in die USA reisen, existieren nicht.
Dass es solche Fälle gibt, ist durch Ermittlungen der US-Behörden dokumentiert: So erhob das US-Justizministerium 2019 Anklage gegen 19 Personen, die Tausenden von Ausländerinnen geholfen haben sollen, ihr Kind in den USA zur Welt zu bringen. Einer der Anbieter hatte den Behördenangaben zufolge pro Kundin zwischen 40.000 und 80.000 Dollar verlangt. 2024 wurden in Kalifornien ein Mann und eine Frau wegen solcher Geschäfte mit schwangeren Frauen aus China schuldig gesprochen.
Das US-Außenministerium schätzt, dass jährlich "Tausende von Kindern" - nicht "Hunderttausende" - von Frauen mit einem B-Visum in den USA geboren werden; also mit einem Visum, das für Tourismus oder Geschäftszwecke ausgestellt wurde. Das geht aus einem Bericht des US-Senats zu "Geburtstourismus in den Vereinigten Staaten" aus dem Jahr 2022 hervor.
Der US-Kongress hat weitere 70 Milliarden Dollar für die Einwanderungsbehörde ICE freigegeben. US-Präsident Trump kann so seine Vorhaben bei der Immigrationspolitik fortsetzen.
10.06.2026 | 0:26 min0,26 Prozent Geburten von Müttern mit Wohnsitz außerhalb der USA
Genauere Zahlen nennt eine Statistik der Gesundheitsschutzbehörde CDC. In der Statistik für das Jahr 2024 werden insgesamt gut 3,6 Millionen Geburten ausgewiesen - etwa 9.500 davon entfielen auf Mütter mit einem ausländischen Wohnsitz. Das entspricht rund 0,26 Prozent aller in den USA registrierten Geburten.
Doch einige Faktoren schränken die Aussagekraft der Statistik ein:
- Die Anzahl der Geburten ist nicht gleichbedeutend mit der Anzahl der Mütter, wenn Mehrlingsgeburten darunter sind,
- nicht alle Fälle von Müttern, die nicht in den USA gemeldet sind, sind automatisch Fälle von "Geburtstourismus" - es können auch Frauen darunter sein, die aus anderen Gründen vorübergehend in den USA waren,
- da die Mütter ihren Wohnort selbst angeben, kann es zu Fehlern kommen - insbesondere zu einer Untererfassung der Zahl der ausländischen Mütter.
Die Republikaner verschieben eine wichtige Migrations-Abstimmung gegen Trumps Willen, auch wegen Entschädigungszahlungen an Kapitolstürmer. Wie viel Rückhalt hat Trump? ZDFheute live analysiert.
22.05.2026 | 28:41 minBis zu 26.000 Geburtstouristen - eine fehlerhafte Schätzung?
Immer wieder ist auch von 20.000 bis 26.000 Geburtstouristen die Rede. Die Zahl stammt vom konservativen Thinktank Center for Immigration Studies. Ziel der Denkfabrik: Eine Reduzierung der Zuwanderung. Die Zahl ist jedoch veraltet - und eine Schätzung: Sie bezog sich auf einen Zeitraum von der zweiten Hälfte des Jahres 2016 bis zur ersten Hälfte des Jahres 2017.
Die Denkfabrik Niskanen Center kritisiert an der Schätzung unter anderem, dass auch Ausländerinnen enthalten sein können, die langfristig legal im Land leben und ein Kind bekamen. Diese seien nicht zuverlässig herausgerechnet worden. Auch sei die Anzahl der Geburten mit der Anzahl der Mütter gleichgesetzt und Mehrlingsgeburten außer Acht gelassen worden. Niskanen hält die Schätzung deshalb für deutlich übertrieben.
Donald Trump unterzeichnet ein Dekret nach dem anderen. Protest gibt es kaum. Damit bringt er nicht nur internationale Beziehungen ins Wanken, sondern auch die US-Demokratie.
05.03.2025 | 6:58 minAuch eine Analyse der Pennsylvania State University ergab, dass die Zahl der Babys von "Geburtstourismus" zwischen 5.000 und knapp 10.000 pro Jahr lag. Doch egal, ob es sich um 5.000 Fälle oder um 26.000 Fälle handelt - verglichen mit etwa 3,6 Millionen Geburten pro Jahr in den USA ist es in jedem Fall ein relativ kleiner Anteil.
Fazit: Es gibt dokumentierte Fälle von "Geburtstourismus" in den USA. Die verfügbaren Schätzungen reichen je nach Definition und Methode von etwa 5.000 bis 26.000 Geburten pro Jahr; belastbare amtliche Fallzahlen fehlen. Trump sprach von "Hunderttausenden" Fällen - dafür nennt er keine Belege. Unklar ist auch, auf welche Zeitspanne er diese Zahl bezieht.
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