Schwere Niederlage für Trump:US-Staatsbürgerschaft: Was der Supreme Court entschieden hat
Schwere Niederlage für US-Präsident Donald Trump vor dem Supreme Court: Wer in den USA geboren wird, ist auch künftig automatisch US-Staatsbürger. Was die Entscheidung bedeutet.
Der Supreme Court hat entschieden, dass in den USA geborene Kinder weiterhin Anspruch auf die US-Staatsbürgerschaft haben und kippt damit Trumps Pläne zur Einschränkung dieses Rechts.
30.06.2026 | 0:22 minDer Oberste Gerichtshof der USA hat das Recht von in den USA geborenen Kindern auf die amerikanische Staatsbürgerschaft bestätigt. Die Richterinnen und Richter am Supreme Court widersprachen am Dienstag einer Anordnung von US-Präsident Donald Trump, wonach neugeborene Kinder, deren Eltern sich illegal oder nur vorübergehend in den USA aufhalten, keine US-Staatsbürgerschaft mehr erhalten sollten.
Die Richter begründeten ihr Urteil mit der Entstehungsgeschichte des 14. Verfassungszusatzes und einem Grundsatzurteil des Supreme Court aus dem Jahr 1898. Die betroffenen Kinder seien "nach der Verfassung von Geburt an Staatsbürger".
Für die Gegner von Trumps Vorstoß war die Rechtslage durch das Grundsatzurteil im Fall von Wong Kim Ark von 1898 bereits abschließend geklärt. Dem Sohn chinesischer Einwanderer, der in San Francisco geboren wurde, wurde nach einer China-Reise die Einreise zurück in die USA verweigert. Die Begründung der Behörden: Da seine Eltern aufgrund des damaligen "Chinese Exclusion Act" - einem rassistischen Gesetz zur Ausgrenzung chinesischer Migranten - niemals die Chance auf eine Einbürgerung hatten, sei er ebenfalls kein Staatsbürger.
Der Supreme Court entschied damals mit einer deutlichen Mehrheit dagegen: Der Ort der Geburt ist das entscheidende Kriterium, nicht die Herkunft der Eltern. Gerichtsbarkeit bedeute ferner, dass man den Gesetzen des Landes unterworfen ist und von der Polizei belangt werden kann. Solange man etwa kein Diplomat ist, untersteht man der US-Gerichtsbarkeit.
Quelle: dpa
Zudem betonte das Gericht, dass Begriffe wie "rechtmäßig" oder "vorübergehend", auf die sich Trump in seiner Anordnung zur Änderung des Geburtsrechts stützte, im Verfassungstext gar nicht vorkämen - "aus einem einfachen Grund: Sie spielten keine Rolle."
Der oberste Gerichtshof der USA hat darüber entschieden, ob in den Staaten geborene Babys weiterhin automatisch die amerikanische Staatsbürgerschaft erhalten sollen - auch wenn die Eltern keine haben.
01.04.2026 | 0:34 minWas gilt in den USA?
In den USA bekommen Babys, die dort geboren werden, automatisch die Staatsbürgerschaft zugesprochen. Basis dafür ist der 14. Zusatzartikel der US-Verfassung:
Alle Personen, die in den Vereinigten Staaten geboren oder eingebürgert sind und deren Gerichtsbarkeit unterstehen, sind Bürger der Vereinigten Staaten.
14. Zusatzartikel der US-Verfassung
Dieses sogenannte Jus Soli (Recht des Bodens) garantierte seit 1868 fast jedem auf US-Territorium geborenen Kind automatisch die Staatsbürgerschaft. Die Richterinnen und Richter des obersten US-Gerichts bestätigten diese Praxis nun mit ihrem Urteil.
Auch im Zusammenhang mit der Entlassung der Fed-Direktorin Lisa Cook hat Trump vor dem Supreme Court einen Rückschlag erlitten. Sie bleibt vorerst im Amt.
29.06.2026 | 0:31 minWas wollte Trump erreichen?
Trump unterzeichnete gleich zu Beginn seiner zweiten Amtszeit eine Anordnung, mit der er das Geburtsrecht massiv einschränken wollte. Kinder, deren Eltern nur auf Zeit oder ohne gültige Aufenthaltspapiere in den USA sind, wollte er vom US-Geburtsrecht ausnehmen. So sollten Babys von Migranten ohne gültigen Aufenthaltsstatus, auch jene von Asylsuchenden, ausländischen Studenten, Touristen oder Ausländern, die von Firmen auf Zeit in die USA versetzt wurden, nicht mehr automatisch die US-Staatsbürgerschaft bekommen.
Trump wollte zudem gegen den "Geburtstourismus" vorgehen - also Menschen, die nur in die USA einreisen, um ihr Baby dort zur Welt zu bringen.
"Es ist eine große Niederlage für Donald Trump, weil das Gericht unmissverständlich klarmacht, dass ein Präsident die Verfassung der Vereinigten Staaten nicht mal eben per Dekret verändern darf. Nur der Kongress oder die Bundesstaaten haben dazu das Recht.
Trump wird dennoch versuchen, seine Macht weiter auszudehnen. Dabei hat er insbesondere das amerikanische Wahlrecht im Visier. Der Präsident will die Regeln für die Kongresswahlen im November vorgeben, obwohl dafür nach der Verfassung allein die Bundesstaaten zuständig sind. Kritiker befürchten, dass Trump im schlimmsten Fall mit einer Notstandverordnung Fakten schafft und die Wahlen ins Chaos stürzt."
Was stoppte Trump bislang?
Dass Trumps Anordnung bislang nicht in Kraft trat, lag an Blockaden unterer Instanzen. Mehrere Organisationen hatten eine Sammelklage gegen die Trump-Regierung eingereicht.
Bei dem Namen der Klage "Barbara" handelt es sich um ein Pseudonym für eine aus Honduras stammende Asylbewerberin, die seit 2024 mit ihrer Familie in den USA lebt. Im Kern ging es um die Frage, ob Trump mit seinem Dekret den 14. Zusatzartikel der US-Verfassung verletzt.
In einem Urteil hat der Oberste US-Gerichtshof gegen einen besonderen Schutzstatus für Haitianer und Syrer gestimmt. 350.000 Haitianern und 6.000 Syrern könnte eine Abschiebung drohen.
25.06.2026 | 0:35 minWie interpretiert Trump die Gerichtsbarkeit?
Grundsätzlich bejahte der US-Präsident die bisherige Rechtslage, aber: "Der 14. Zusatzartikel wurde jedoch nie so ausgelegt, dass er die Staatsbürgerschaft universell auf jeden ausdehnt, der innerhalb der Vereinigten Staaten geboren wurde." Stattdessen müssten Neugeborene über ihre Eltern auch der Gerichtsbarkeit der USA unterstehen. Für gewöhnlich untersteht jeder Mensch der US-Gerichtsbarkeit, sobald er sich physisch auf ihrem Boden befindet.
Trumps Interpretation aber lautet: Nur wer dauerhaft und rechtmäßig - etwa als Staatsbürger oder Inhaber einer Green Card - im Land verwurzelt ist, untersteht der Jurisdiktion in jenem Maße, das den automatischen Pass für die Nachkommen rechtfertigt.
Warum ist der Fall für die USA so zentral?
Der Fall rüttelt an den Grundfesten des amerikanischen Selbstverständnisses als Einwanderungsnation. Kritiker sahen in dem Vorhaben nicht nur einen Verstoß gegen den 14. Verfassungszusatz, sondern warnten auch vor der Entstehung einer Gruppe von in den USA geborenen Kindern ohne gesicherten Status.
Die Zahl der Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung könnte so bis 2045 um 2,7 Millionen und bis 2075 um 5,4 Millionen steigen, wie aus Prognosen des Migration Policy Institute und der Penn State University hervorgeht. Hätte Trump mit seinem Vorstoß Erfolg gehabt, wäre also eine weitere große Gruppe von Menschen in den USA geschaffen worden, die potenziell mit einer Abschiebung hätten rechnen müssen.
Wichtiger Hinweis in eigener Sache
Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.
Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Nicht mehr automatisch US-Staatsbürger?:Supreme Court prüft US-Geburtsrecht - in Trumps Beisein
mit Video0:34Streit um US-Staatsbürgerschaft:Trumps Geburtsrecht-Dekret: Gericht gespalten
mit Video43:59Nach El Salvador:Trump überlegt, kriminelle US-Bürger abzuschieben
US-Staatsbürgerschaft bei Geburt:Richter blockiert Trump-Dekret