Kongo: Wie die Ebola-Epidemie die humanitäre Krise verschärft

Zahl der Infizierten auf Rekordhoch:Ebola im Kongo: "Wir laufen der Epidemie nur noch hinterher"

von Julia Hartmann

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Seit drei Monaten hat die Ebola-Epidemie den Ostkongo fest im Griff. Für das Gesundheitspersonal ist es ein Wettlauf gegen die Zeit, denn das Virus breitet sich hier rasant aus.

Ebola im Kongo

Das Ebola-Virus breitet sich schnell aus. Die USA stellen nun eine weitere Hilfe in Millionenhöhe zur Verfügung - obwohl die Trump-Regierung eher für gestrichene Hilfsmittel steht.

06.08.2026 | 0:27 min

Für Dr. Christiane Piepel beginnt jeder Arbeitstag gleich: Bevor sie ihre Patient*innen behandeln kann, muss sie sich selbst schützen. Plastikanzug, Handschuhe, Maske, Schutzbrille. Mit einem Filzstift wird ihr Name auf die Stirn ihrer Maske geschrieben - mehr als diese ist von ihr später nicht mehr zu erkennen.

Seit zwei Wochen unterstützt die deutsche Ärztin das Ebola-Behandlungszentrum im ostkongolesischen Mongbwalu in der Provinz Ituri, dem Epizentrum der Epidemie. Der Ostkongo, ein Landesteil der Demokratischen Republik Kongo, grenzt an Uganda und den Südsudan und ist seit Jahrzehnten von bewaffneten Konflikten geprägt.

Millionen Menschen wurden vertrieben und leben in provisorischen Lagern, eine medizinische Versorgung ist vielerorts oft kaum erreichbar.

epa13127239 Staff prepare to bury the coffin of an Ebola victim in Bunia, Ituri province, Democratic Republic of Congo, 22 July 2026. According to the World Health Organization (WHO), the province of Ituri remains the epicenter of the Bundibugyo variant of the Ebola virus, reaching almost 1000 deaths. EPA/DIEUDONNE DIROLE

Ebola breitet sich im Osten der Demokratischen Republik Kongo rasant aus. Ärzte kämpfen mit fehlendem Personal, Geldmangel und Streiks - die Zahl der Toten und Infizierten steigt.

01.08.2026 | 2:34 min

Angst vor dem Krankenhaus begünstigt Ansteckung

Etwa 20 Ärzt*innen sind hier bereits an Ebola gestorben, für viele Bewohner*innen der Region ist das ein Zeichen, das Krankenhaus lieber zu meiden. "Die Menschen verstecken sich dann eher zu Hause und haben den Eindruck, dass man im Behandlungszentrum eh nur stirbt", erklärt Christiane Piepel.

Es ist genau diese Angst vor dem Krankenhaus, die die Epidemie weiter vorantreibt. Die Menschen leben teils auf engstem Raum zusammen und können sich nicht isolieren, viele von ihnen sterben zu Hause.

"Die Bestattungsteams kommen oft zu spät, manchmal kommen sie gar nicht. Dann bleiben die Leichen zwei oder drei Tage in den Häusern", sagt Richard Ngona Bule, Präsident der Zivilgesellschaft der Bahema-Baguru-Region in der Provinz Ituri. Außerdem fehle es an Medikamenten und Mitteln, um die Häuser zu desinfizieren. Das Risiko einer Ansteckung sei dadurch enorm hoch.

Ebola

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Fehlende Ressourcen erschweren die Eindämmung

Neben Versorgungsmaterialien fehlen aber auch Fahrzeuge zum Transport der Kranken und Toten. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sind nicht einmal die Hälfte der benötigten Spendengelder wie sonst eingenommen worden.

In den vergangenen Tagen kam es außerdem vermehrt zu Streiks der staatlichen Hilfskräfte, die seit zwei Monaten nicht mehr bezahlt wurden. "Wir setzen hier jeden Tag unser Leben aufs Spiel. Trotzdem haben wir seit Monaten keinen Lohn erhalten. Wir können nicht dauerhaft arbeiten, ohne bezahlt zu werden", sagt Asimwe Mugisa, Hygienefachkraft im Elikya Private Hospital in der Provinzhauptstadt Bunia.

Und wer sich infiziere, fürchte nicht nur um das eigene Leben, sondern auch darum, Familienmitglieder anzustecken.

Medizinisches Personal tauscht sich am Freitag, dem 3. Juli 2026, im Evangelical Medical Center in Bunia im Osten des Kongo aus, wo klinische Studien zu Ebola stattfinden sollen.

Die Ebola-Epidemie im Kongo breite sich schneller als jede Welle zuvor aus, warnt die afrikanische Gesundheitsorganisation Africa CDC. Gegen die aktuelle Virusvariante gibt es bisher keinen Impfstoff.

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Tägliche Suche nach Infizierten

Trotz fehlender Bezahlung arbeiten viele Pfleger*innen und Ärzt*innen weiter, wie auch Dr. Moubarack Kano. Täglich begibt er sich auf die Suche nach Ebola-Infizierten, um diese möglichst früh in eine Klinik zu bringen und eine weitere Verbreitung zu verhindern. "Wir entdecken die Krankheit erst, wenn sie sich bereits ausgebreitet hat. Wir laufen ihr nur noch hinterher", beschreibt Kano die Situation.

Das zeigen auch die aktuellen Fallzahlen. Nach Angaben der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) sind inzwischen fast 1.800 Menschen an dem Virus gestorben - über 200 mehr als noch vergangene Woche.

Mit über 3.600 Infizierten übersteigt die Zahl nach drei Monaten bereits die Gesamtzahl des letzten Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo. Bei diesem waren von 2018 bis 2020 insgesamt 3.323 bestätigte Fälle registriert worden.

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Eine Krise inmitten einer Krise

Im Ostkongo trifft Ebola eine Region, die bereits unter Vertreibung und Hunger leidet. "Etwa fünf Millionen Menschen befinden sich in einer akuten Ernährungskrise, in einigen Gebieten herrscht sogar Hungersnot. Mit Ebola verschärft sich die Situation weiter. Es ist eine Krise inmitten einer Krise", erklärt Carl Skau, Direktor des UN-Welternährungsprogramms.

Durch geschlossene Märkte und unterbrochene Lieferwege sei es für viele Menschen zunehmend schwierig, ausreichend Lebensmittel zu bekommen.

Ausbreitung schneller als je zuvor
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Medizinisches Personal desinfiziert einen Krankenwagen im Ebola-Behandlungszentrum des Allgemeinen Krankenhauses von Bunia.

Hilfsorganisationen schicken mehr Leichensäcke

Während die Hilfsorganisationen weiterhin versuchen, sowohl die Epidemie als auch den Hunger zu bekämpfen, bereiten sich die betroffenen Regionen zugleich auf weitere Todesfälle vor. Erst am Montag schickte das IFRC neue Leichensäcke nach Bunia - ein bedrückendes Zeichen dafür, dass der Kampf gegen Ebola noch lange nicht vorbei ist.

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Über dieses Thema berichtete die Sendung heute journal update am 01.08.2026 ab 00:15 Uhr.

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