Pferdefleisch im Hamburger?:Warum Belgien ein Problem mit Pferdefleisch hat
von Anna Pettini und Lara Wiedeking
Ob Hamburger oder Frikadelle: Tierschützer in Belgien haben 123 Fleischprodukte von Frittenbuden untersucht und in mehr als einem Viertel der Gerichte Pferde-DNA gefunden.
An der Frittenbude in Belgien gibt es Hamburger, Fleischkrokette oder Bitterballen. Bei einer Untersuchung kam heraus: 27 Prozent der Gerichte enthalten Pferdefleisch. Und nicht immer ist das transparent.
07.10.2026 | 2:06 min"Wissen Sie, was in Ihrem Snack von der Frittenbude enthalten ist?", prangt es auf Werbeplakaten in ganz Belgien. Auch zu sehen: ein schwarzes Pferd mit verbundenen Augen. Dahinter steht die belgische Tierschutzorganisation "Gaia": Sie hat im August an 25 Frittenbuden in ganz Belgien insgesamt 123 verschiedene Fleischprodukte eingekauft. Das Ergebnis: In 27 Prozent der untersuchten Gerichte wurde Pferde-DNA gefunden. "Das ist besonders überraschend, da es nicht offensichtlich als solches gekennzeichnet ist", erklärt Sébastien de Jonge von der Tierschutzorganisation.
Das bedeutet: Der Verbraucher hat sehr wahrscheinlich... nein, eigentlich fast sicher Pferdefleisch gegessen, ohne es zu wissen.
Sébastien de Jonge, Tierschutzorganisation Gaia
Es sei kein Zufall, so de Jonge, dass beim Verkauf von Fleischprodukten nicht offensiv damit geworben werde, wenn Pferd enthalten sei. Man spreche lieber von einer "Fleisch-Krokette" statt von einer "Pferdefleisch-Krokette".
In der Fastenzeit verzichten manche auf Fleisch. Generell geht der Verbrauch von Fleisch in Deutschland zurück, während der von Gemüse zunimmt.
18.02.2026 | 0:25 minJede einzelne Zutat aufzulisten, sei zu viel Aufwand
Bernard Lefèvre vertritt rund 1.500 "Friterien". Jede einzelne Zutat aufzulisten, sei zu viel Aufwand und wenig hilfreich: "Wo endet dann die Information? Eine Friterie könnte etwa 30 Produkte auf der Karte haben. Ein Produkt hat vielleicht zwischen fünf und 15 Inhaltsstoffe", so Lefèvre. Das würde ein ellenlanges Plakat mit kleinsten Buchstaben zur Folge haben. Sein Appell darum: "Fragt einfach nach!" Wer zum Beispiel vegan lebt, würde auch nachfragen, ob Ei in der Mayonnaise enthalten sei.
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28.07.2026 | 43:17 minKeine spezielle Zucht oder Haltung für Pferdefleisch
Pferdefleisch gilt in Belgien als Delikatesse, der Verzehr ist normal - das merkt man auch, wenn man an einer Frittenbude mitten in Brüssel mit den Menschen spricht: Wenige wissen, dass Pferd darin verarbeitet sein könnte. Aber es stört auch nicht viele. Pferdefleisch sei gesund, erklärt zum Beispiel eine ältere Dame, es habe deutlich weniger Cholesterin. Und auf Nachfrage an der Frittenbude wird tatsächlich eine Zutatenliste vorgezeigt: Huhn, Schwein, Rind - in diesem Fall also kein Pferd.
Die Tierschutzorganisation Gaia sieht den Verzehr trotzdem als problematisch, denn es gebe keine spezielle Zucht oder Haltung für Pferdefleisch. "Das bedeutet: Das Pferd, das man - oft unwissentlich - isst, ist häufig genau jenes Tier, dem man auf der Weide, bei einem Spaziergang oder in der Reithalle begegnet, wenn man sein Kind zum Reitunterricht bringt."
Glückliche Schweine aus art- und tierwohlgerechter Haltung, damit werben zahlreiche Handelsketten mit Siegeln. Doch der Blick in Ställe zeigt: Es ist nicht immer Tierwohl drin, wo es draufsteht.
27.05.2025 | 9:54 minPferdefleisch kommt oft aus dem Ausland
Die Tierschützer warnen: Ein Großteil des Pferdefleisches sei aus dem Ausland importiert. Immer wieder gebe es Skandale mit gefälschten Dokumenten, sodass zum Beispiel Sportpferde, die nicht zum Verzehr geeignet sind, ihren Weg auf den Teller finden. Darum solle Pferdefleisch ganz verboten werden: "Unser Ziel ist es keineswegs, die Frittenbuden an sich infrage zu stellen, sondern vielmehr die Politik zum Handeln und zur gesetzlichen Regelung dieser Frage zu bewegen", so Tierschützer de Jonge.
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29.12.2025 | 1:12 minBetreiber müssen Pferdefleisch nicht ausweisen
Laut europäischem Recht muss an der Frittenbude, in Belgien "Friterie" oder "Frituur" genannt, nicht ausgewiesen sein, welches Fleisch verwendet wurde. Die Rede ist hier von all den Produkten, die traditionell neben den Pommes frites angeboten werden: Frikadelle, verschiedene Fleischbällchen, Würstchen usw. Anders als zum Beispiel im Supermarkt, wo bei verpacktem Fleisch die genauen Zutaten aufgelistet werden müssen, reicht es bei Frittenbuden, wenn diese Informationen mündlich erteilt werden.
Ob eine Änderung der EU-Verordnung vorgesehen ist? Der zuständige EU-Kommissar hat auf Interviewanfragen nicht reagiert. Eine Sprecherin der EU-Kommission erklärte auf Nachfrage, man unterstütze das Recht der Verbraucher, zu erfahren, was sie essen. Aber: Es sei in der Hand der Mitgliedsstaaten, eine Verschärfung durchzuführen, wenn sie dies wünschen.
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