Armenien: Der exzentrische Gastgeber des EPG-Gipfels in Eriwan

Premier Paschinjans besonderer Stil:Armenien: Exzentrischer Gastgeber für den EPG-Gipfel

Sebastian Ehm

von Sebastian Ehm, Eriwan

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Die Europäische Politische Gemeinschaft ist zu Gast in Eriwan. Armeniens Premier Paschinjan versucht, das kleine Land mit eigenwilligem Stil zwischen den Großmächten zu behaupten.

President of the European Commission Ursula von der Leyen, left to right, Prime Minister Mark Carney, Secretary General of NATO Mark Rutte, President of Ukraine Volodymyr Zelenskyy and Prime Minister of Finland Petteri Orpo wait for the start of a meeting on the situation in Ukraine during the 8th European Political Community Summit in Yerevan, Armenia on Monday, May 4, 2026.

Beim EPG‑Gipfel in Eriwan beraten Europas Staats- und Regierungschefs über Sicherheit, mehr Eigenständigkeit bei Verteidigung und den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.

04.05.2026 | 2:43 min

Es ist nicht leicht zu erfahren, was Nikol Paschinjan dieser Tage vorhat. Sein Pressedienst ist im Stress. Ein Treffen der Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPG) und ein EU-Armenien-Gipfel stehen an. Außerdem führt der Premier Wahlkampf. Am 7. Juni will er wiedergewählt werden.

Um den Premier mit eigenen Augen zu sehen, muss man deswegen seine Facebook-Seite im Blick behalten und dann schnell reagieren. Denn dort geht er mehrmals pro Tag live und streamt seine Auftritte.

ZDF-Korrespondent Andreas Stamm

Die Europäische Politische Gemeinschaft versteht sich als informelle Plattform für Gespräche. ZDF-Korrespondent Andreas Stamm berichtet von dem Treffen in Armenien.

04.05.2026 | 1:09 min

Armeniens Premier Paschinjan führt Wahlkampf

So erfährt man an einem Dienstagmorgen vor dem EPG-Gipfel, dass er am Sewan-See mehrere Dörfer besucht. Der malerische See, umgeben von schneebedeckten Gipfeln, liegt rund eine Stunde außerhalb von Armeniens Hauptstadt Eriwan. Paschinjan besucht dieser Tage oft mehrere Dörfer am Stück. Kurz raus aus dem Auto, schnelles Gespräch mit den Bewohnern und weiter.

Armeniens Premierminister Nikol Paschinjan spricht zu Vertretern der Presse. (Archiv)

Armeniens Premierminister Nikol Paschinjan (Archivbild)

Quelle: action press

Auch in Martuni ist das so. Einen kurzen Versuch, ihm ein paar Fragen zum anstehenden EPG-Gipfel zu stellen, weist er mit einem freundlichen, aber bestimmten "No Comment" zurück. Dann drängen ein Dutzend Sicherheitsbeamte die Menge zurück. Paschinjan steigt auf die Stufe seines Geländewagens, winkt und ist weg. Schade, denn gerne hätten wir ihn gefragt, was er von dem EPG-Gipfel erwartet, der heute in Armenien ansteht.

... ist eine Plattform für die politische Koordination zwischen den europäischen Ländern. Das Forum trifft sich ein- bis zweimal im Jahr. Es steht allen Ländern in Europa offen, die die Werte der EU teilen. Die EPG hängt nicht mit der Europäischen Union und nicht mit dem Europarat zusammen, sondern ist ein informelles Format. Ziel ist, Sicherheit, Stabilität und Wohlstand auf dem europäischen Kontinent zu stärken.

Quelle: Bundesregierung.de


Armenien zwischen den Fronten

Lange war Armenien Spielball von Großmächten. Nun versucht das Land, sich von Russland zu lösen und der EU anzunähern. In der Bevölkerung herrscht Hoffnung, aber auch Resignation.

03.05.2026 | 3:04 min

Paschinjan auf dem Land beliebt

Die Bewohner in Martuni mögen Paschinjan. Frieden mit Aserbaidschan, das habe er geschafft. Außerdem gehe es ihnen gut, sagt Ashot, ein älterer Herr mit weißer Schirmmütze. "Krankenhäuser, Straßen, eine höhere Rente. Wir sind sehr zufrieden mit unserem Premier."

Paschinjan ist seit 2018 im Amt, damals übernahm er nach einer friedlichen Revolution. Armeniens Wirtschaft wächst schnell, auch wegen der vielen gut ausgebildeten russischen Neuankömmlinge seit 2022. Mit der Teilmobilmachung kamen Zehntausende vor allem nach Eriwan. In der Stadt hört man Russisch an jeder Ecke.

Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft

Die Europäische Politische Gemeinschaft, kurz EPG, kommt heute in Armenien zusammen und berät über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Doch die Meinung vieler Armenier dazu bleibt kritisch.

04.05.2026 | 4:28 min

Der Zeitpunkt für den EPG-Gipfel ist durchaus pikant. Armenien ist ein kleines Land mit drei Millionen Einwohnern. Seit Jahrhunderten ist es im Kaukasus umgeben von mächtigen Ländern, deren Spielball es immer wieder war: die Türkei, Iran und Russland.

Armenien seit Ukraine-Krieg und Iran-Krieg geopolitisch ins Zentrum gerückt

Mit Russlands Krieg in der Ukraine und dem amerikanischen Vorgehen gegen Iran sind der Kaukasus und Armenien plötzlich ins Zentrum geopolitischer Überlegungen gerückt. Viele Flugzeuge Richtung Asien hatten wegen Luftraumsperrungen in Russland und Iran nur die Möglichkeit, über den Kaukasus und Armenien zu fliegen. Kurz gesagt: Wegen der unsicheren Lage in den Nachbarländern hat der Westen ein strategisches Interesse an Stabilität im Kaukasus.

Karte Armenien
Quelle: ZDF

Dabei ist die Region eigentlich historisch gesehen ein Hort der Unruhe. Zweimal führte Aserbaidschan 2020 und 2023 Krieg gegen die Karabach-Armenier. Zehntausende mussten ihre Heimat verlassen. Doch Paschinjan hält die Kritik an den zwei Niederlagen in Schach. Die nationalistischen Kräfte konnten von den Bergkarabach-Krisen nicht profitieren.

SGS Anne Gellinek mit Andreas Stamm, ZDF-Korrespondent

Die EU steht unter Druck durch Trump. Die Abhängigkeit von den USA gehe "nicht so schnell weg", so ZDF-Korrespondent Andreas Stamm. Einigkeit in Europa herzustellen, brauche Zeit.

03.05.2026 | 2:53 min

Paschinjans Spagat zwischen dem Westen und den Nachbarn

Seit einigen Jahren versucht Nikol Paschinjan einen Spagat. Er will das Land Richtung Westen öffnen und gleichzeitig seine Nachbarn nicht verprellen. Keine einfache Aufgabe. Am 1. April widersprach er Russlands Präsident Wladimir Putin auf offener Bühne beim Thema Internetbeschränkungen und fing sich prompt einen Rüffel ein. Armeniens Verbindungen zu Moskau sind traditionell sehr eng. Wirtschaftlich und politisch. Paschinjan kann sich einen verärgerten Putin eigentlich nicht leisten.

Im Süden grenzt Armenien an Iran und im Westen und Osten an die Türkei und Aserbaidschan. Länder, mit denen Armenien eine jahrzehntelange Feindschaft verbindet. Doch Paschinjan versucht die Gemengelage auf seine Weise zu lösen.

Georgische Regierungsgegner demonstrieren vor dem georgischen Parlament

Ist der Traum von der EU in Georgien ausgeträumt? Trotz anhaltender Proteste wendet sich die Regierung immer stärker Russland zu und versucht Kritiker mundtot zu machen.

22.10.2025 | 6:39 min

EU muss liefern

Seit Monaten inszeniert er sich auf Instagram als exzentrischer, aber liebenswerter Mann, der Liebe in die Welt sendet. Auf Instagram gibt es Dutzende Videos von ihm beim Musikhören, beim Schlagzeugspielen und immer wieder formt er seine Hände zu einem Herz. "All you need is love."

Jetzt also kommen die EU und der Westen nach Eriwan. Paschinjan will seit Jahren mehr EU, mehr Westen für sein Land. Es geht um Sicherheitsgarantien, um Investments und um Partnerschaften. Die Armenier erhoffen sich viel von der EU und sind gleichzeitig skeptisch.

Die Beitrittsprozesse ehemaliger Sowjetrepubliken wie Moldau, Georgien und der Ukraine laufen schleppend. Brüssel wird liefern müssen, wenn man in der Region weiter Fuß fassen will und irgendwann wird Paschinjan von seinem Spagat aufstehen müssen und sich entscheiden. Wohin soll sich Armenien wenden? Brüssel oder Moskau?

Sebastian Ehm berichtet als Korrespondent über Russland, den Kaukasus und Zentralasien.

Wisente in Schneelandschaft

Wisente aus mehreren Ländern wurden nach Aserbaidschan gebracht. Die Auswilderung im Nationalpark wird von einem Projekt durchgeführt, das sich für die Rückkehr der Tiere einsetzt.

06.02.2026 | 3:04 min

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Über dieses Thema berichteten am 04.05.2026 verschiedene Sendungen, etwa das ZDF-Mittagsmagazin ab 12:00 Uhr, heute - in Europa ab 16:00 Uhr und das heute journal ab 21:45 Uhr.

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  3. USA, Washington: Präsident Donald Trump (Mitte) spricht mit dem armenischen Premierminister Nikol Paschinjan (rechts) und dem aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Alijew während einer trilateralen Unterzeichnungszeremonie im State Dining Room des Weißen Hauses
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