Dutzende Tote, viele Verletzte:Was bisher zum schweren Zugunglück in Spanien bekannt ist
Erneut stoßen in Spanien zwei Hochgeschwindigkeitszüge zusammen, Dutzende Menschen sterben. Was ist bisher bekannt, zum Hergang, zu Opfern, zur Unfallursache - ein Überblick.
Zwei Hochgeschwindigkeitszüge sind südlich von Madrid zusammengestoßen. Dutzende Menschen starben, zahlreiche wurden verletzt. ZDFheute live zur aktuellen Lage.
28.10.2026 | 12:15 minErneut hat es in Spanien ein schweres Zugunglück gegeben. Zwei Hochgeschwindigkeitszüge stießen in Zentralspanien zusammen, zahlreiche Menschen kamen ums Leben. Was ist bisher darüber bekannt? ZDFheute mit einem Überblick.
Was ist genau passiert?
An dem Unglück beteiligt war ein Zug der spanischen Bahngesellschaft Renfe und ein Zug des privaten Betreibers Iryo. Nach Behördenangaben waren insgesamt 544 Passagiere an Bord, darunter viele Familien. Beide Züge waren auf dem Weg von Madrid nach Sevilla.
Nahe der Ortschaft Urda in der Provinz Toledo hatte der Iryo-Zug gestoppt, möglicherweise aufgrund von technischen Problemen. Der Renfe-Zug dahinter versuchte nach Berichten von Fahrgästen offenbar noch eine Vollbremsung, konnte aber nicht mehr anhalten und fuhr auf. Durch den Aufprall entgleisten mehrere Waggons, wie Luftaufnahmen der spanischen Polizei Guardia Civil vom Unglücksort zeigen:
Posting der spanischen Polizei Guardia Civil
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Einige der Waggons wurden weitgehend zerstört, der Bahndamm ist übersät mit Trümmerteilen. Rettungskräfte durchsuchen die Waggons nach Überlebenden und bergen Leichen.
Ein Überlebender schilderte "El País" die dramatischen Momente des Unglücks. Jesús Jerónimo saß in einem Waggon des Renfe-Zuges auf dem Weg nach Sevilla und arbeitete an seinem Laptop.
Ich spürte plötzlich eine heftige Beschleunigung und wurde mit voller Wucht gegen den Vordersitz geschleudert. Menschen flogen durch die Luft.
Jesús Jerónimo, Überlebender des Unglücks
In der Provinz Toledo sind zwei Züge zusammengestoßen. Viele Menschen starben.
28.10.2026 | 0:21 minWie viele Todesopfer gibt es?
Die Zahl der Todesopfer wurde bereits mehrfach nach oben korrigiert - inzwischen spricht die Regionalregierung von Kastilien-Mancha von 64 Toten. Dazu kommen über 170 Verletzte, die in mehrere Krankenhäuser gebracht wurden.
Was hat den Unfall verursacht?
Warum es zu dem Unglück kam, war zunächst unklar. Ursache ist möglicherweise menschliches Versagen: Nach ersten Analysen soll ein Mitarbeiter der zentralen Leitstelle dem Renfe-Zug die Weiterfahrt in Richtung Sevilla erlaubt haben, obwohl noch der Zug von Iryo die Gleise blockierte. Bis die genaue Unfallursache bekannt gegeben wird, könne es jedoch Wochen oder Monate dauern, berichtet ZDF-Reporter Carsten Thurau.
Video eines Augenzeugen vor Ort bei X
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Gibt es in Spanien häufiger Bahnunfälle?
Erst im Januar waren in Andalusien zwei Hochgeschwindigkeitszüge zusammengestoßen - auf derselben Strecke, und auch damals war es ausgerechnet ein Iryo- und ein Renfe-Zug. Der Iryo auf dem Weg von Malaga nach Madrid war aufgrund eines Schienenbruchs entgleist. Der entgegenkommende Renfe-Zug krachte nahezu ungebremst in die Unfallstelle. Bilanz: 46 Tote und mehr als 150 Verletzte.
Heute der Unfall bei Urda - und im Januar passierte auf derselben Strecke bereits ein weiteres Zugunglück mit 46 Toten.
Auch 2013 war es zu einem folgenschweren Hochgeschwindigkeitsunfall bei Santiago de Compostela gekommen: Ein Zug war mit viel zu hoher Geschwindigkeit in eine Kurve gefahren und entgleist. 80 Menschen kamen damals ums Leben.
Die Unglücke haben zwar auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun, erklärt Thurau. Dennoch fällt die Häufung solcher Unfälle in Spanien auf - das Land hat das größte Hochgeschwindigkeitsnetz in Europa.
Hochgeschwindigkeitszüge sind sehr beliebt, die Strecken sind sehr frequentiert. Und wahrscheinlich ist deshalb auch die Unfallgefahr relativ hoch.
ZDF-Reporter Carsten Thurau
Spanien habe in den vergangenen Jahren zwar rund 1,3 Milliarden Euro in die Bahn gesteckt, so Thurau - aber vor allem in neue Infrastruktur. Nur 16 Prozent der Summe seien in Instandhaltung der bestehenden Strecken gesteckt worden. "Man hinkt in der Pflege des Systems offensichtlich hinterher."
Bereits im Januar waren in Spanien Hochgeschwindigkeitszüge kollidiert. Damals hatte die Regierung Staatstrauer angekündigt und Aufklärung versprochen.
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