Warnstreik im ÖPNV: Wo gestreikt wird - und wo nicht

Warnstreik im ÖPNV:Wo gestreikt wird - und wo nicht

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Seit Montagmorgen wird in weiten Teilen Deutschlands der Nahverkehr bestreikt. Wo Busse und Bahnen ausfallen, welche Städte besonders betroffen sind - und wo es Ausnahmen gibt.

Verdi-Warnstreiks im Nahverkehr – Brandenburg

Ein Warnstreik hat den Nahverkehr in vielen Regionen Deutschlands zum Erliegen gebracht. Millionen Menschen waren betroffen. Verdi will damit den Druck im Tarifstreit erhöhen.

02.02.2026 | 2:39 min

Ein ganztägiger Warnstreik hat den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) in vielen Regionen Deutschlands zum Erliegen gebracht. Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen blieben bei zahlreichen kommunalen Betrieben in den Depots. Betroffen waren nahezu alle 16 Bundesländer, wie die Gewerkschaft Verdi mitteilte.

Im Rahmen von parallel laufenden Tarifverhandlungen hatte die Gewerkschaft zu Warnstreiks bei kommunalen Verkehrsunternehmen aufgerufen. Lediglich Niedersachsen war den Angaben nach ausgenommen.

Anderswo wurde es für Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer stressig - sie mussten trotzdem pünktlich am Arbeitsplatz erscheinen. Und für Eltern ebenso: Auch Schülerinnen und Schüler durften nicht einfach zu Hause bleiben. ZDFheute hat den Überblick zu den Streiks.

Drei Busse stehen still

In fast ganz Deutschland wird seit Montagmorgen der öffentliche Nahverkehr bestreikt. Welche Auswirkungen haben die Streiks auf Pendler? ZDFheute live ordnet ein.

02.02.2026 | 21:18 min

Welche Verkehrsmittel sind vom Streik betroffen?

Bestreikt werden Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen der kommunalen Verkehrsbetriebe. Nicht betroffen sind die S-Bahnen sowie der Regional- und Fernverkehr der Deutschen Bahn. Diese fahren regulär, da die DB nicht von Verdi vertreten wird.

Eine Anzeigetafel in Hamburg weist auf den Ausfall aller Busse und U-Bahnen hin

Rund 100.000 Mitarbeiter im öffentlichen Nahverkehr sind zurzeit am Streiken. Die Forderung: kürzere Schichten, längere Ruhezeiten und bessere Zuschläge.

02.02.2026 | 1:54 min

In welchen Bundesländern wird gestreikt?

Der Warnstreik betrifft alle Bundesländer mit Ausnahme von Niedersachsen, dort gilt noch bis zum 1. April 2026 eine Friedenspflicht. Dort sind etwa 5.000 Beschäftigte - etwa bei der ÜSTRA in Hannover - nicht zum Streik aufgerufen. Entsprechend fährt der Nahverkehr dort nach Plan.

Die Liste der zu erwartenden Einschränkungen in den Bundesländern wird laufend aktualisiert:

Berlin

Bei der BVG in Berlin fallen U-Bahn, Straßenbahn und die meisten Buslinien aus. Eine Besonderheit: Einige Straßenbahnen fahren trotz Streiks - allerdings ohne Fahrgäste. Die Bahnen bleiben leer, die Türen geschlossen. Hintergrund sind vereiste Oberleitungen, die regelmäßig befahren werden müssen, damit der Betrieb am Dienstag wieder anlaufen kann.

Eine leere Tram fährt am 02.02.2026 während eines Warnstreiks durch die Stadt Berlin, um die Oberleitungen zu eisfrei zu halten.

In Berlin fahren die Straßenbahnen trotz BVG-Streik, allerdings ohne Passagiere. Der Grund: Vereiste Oberleitungen, die weiterhin befahren werden sollen, so ZDF-Reporter Carsten Behrendt.

02.02.2026 | 2:16 min

Nordrhein-Westfalen

In NRW hatte Verdi Beschäftigte in insgesamt rund 30 kommunalen Verkehrsbetrieben zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen, unter anderem in Köln, Düsseldorf, Dortmund und Münster. Busse, Straßen- und U-Bahnen blieben am Montag in den Depots. 12.000 Beschäftigte seien dem Aufruf zu Arbeitsniederlegungen gefolgt, teilte die Gewerkschaft Verdi mit. U-, Straßen- und Stadtbahnen sind vielerorts komplett ausgefallen, teils dürften auch Nachtlinien betroffen sein.

In einigen Städten sind Busse von Subunternehmen unterwegs. Reisende müssen im Internet und in Apps schauen, welche Verbindungen sie nehmen können. S- und Regionalbahnen sind nicht betroffen.

Ein Schaltgespräch mit ZDF-Reporter Thomas Münten.

Bis auf einige wenige, private Buslinien fährt in Nordrhein-Westfalen gar nichts, so ZDF-Reporter Thomas Münten. Daher mussten viele auf das Auto ausweichen.

02.02.2026 | 4:36 min

Hamburg

Der Warnstreik im öffentlichen Nahverkehr hat die Menschen in Hamburg kalt erwischt - bei Minus-Temperaturen im wahrsten Wortsinn. Die Streikbeteiligung lag im Busverkehr nach Angaben der Hochbahn am Morgen zwischen 70 und 80 Prozent, bei den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein (VHH) sogar bei bis 95 Prozent.

Die S-Bahn war von dem 24-stündigen Warnstreik nicht betroffen. Auch Hamburgs Schülerinnen und Schüler mussten sich auf Einschränkungen einstellen. Der Schulbusbetrieb konnte laut einer Sprecherin der VHH aber, "mit den Kollegen, die noch fahren wollten", aufrechterhalten werden.

Bremen

In Bremen steht der öffentliche Nahverkehr seit den frühen Morgenstunden ebenfalls still. Seit 3.00 Uhr fahren weder Busse noch Straßenbahnen, auch die Kundencenter bleiben geschlossen, wie die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) mitteilte. Der Ausstand soll bis Dienstagmorgen gegen 3.00 Uhr andauern. Fahrgäste müssen auf Alternativen ausweichen.

Die BSAG bezeichnete den Warnstreik als verfrüht und bedauerlich. In der aktuellen Tarifrunde habe es bislang erst einen Verhandlungstermin Mitte Januar gegeben.

Ökonom zum ÖPNV-Streik: "Total nützlich"

Schaltgespräch mit Lukas Scholle (Ökonom und Chefredakteur Wirtschaftsmagazin Surplus) zu den Streiks im ÖPNV und dem Fachräftemangel.

02.02.2026 | 8:43 min

Mecklenburg-Vorpommern

Landesweit blieben in Mecklenburg-Vorpommern nach Schätzung der Gewerkschaft etwa 80 Prozent der Busse und Bahnen in den Depots. In Rostock fiel der ÖPNV bis auf den Busverkehr für den Schüler-Schwimmunterricht komplett aus. Viele der rund 2.800 in MV betroffenen Beschäftigen nutzten den Warnstreik, um nach Lübeck zur zentralen Gewerkschaftskundgebung zu fahren.

Verdi hatte nach eigenen Angaben Beschäftigte von neun Verkehrsbetrieben zu Warnstreiks aufgerufen.

Baden-Württemberg

Auch in Baden-Württemberg waren die Beschäftigten der kommunalen Verkehrsbetriebe zu dem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Betroffen sind nach Gewerkschaftsangaben mehrere große Städte, darunter Stuttgart, Karlsruhe, Heilbronn, Freiburg, Baden-Baden, Esslingen und Konstanz. In diesen Regionen bleiben die Busse und Bahnen weitgehend im Depot. Pendler und Schüler müssen mit erheblichen Einschränkungen im Nahverkehr rechnen.

Andreas Schackert | ver.di, Bundesfachgruppenleiter Busse & Bahnen

"Wenn wir nicht für bessere Arbeitsbedingungen streiken, werden die Jobs so unattraktiv bleiben, dass nicht genug Menschen bereit sind, den ÖPNV zu gewährleisten", sagt Andreas Schackert, Verdi.

02.02.2026 | 4:51 min

Rheinland-Pfalz und Saarland

In weiten Teilen des Landes Rheinland-Pfalz haben die Warnstreiks bereits am Sonntagabend ab 22 Uhr begonnen. Betroffen waren unter anderem Mainz, Trier, Kaiserslautern und Pirmasens.

In Mainz gab es ein stark ausgedünntes Angebot. Die Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG) versuchte, tagsüber einen Notbetrieb auf einzelnen Linien in einem 30-Minuten-Takt ohne feste Fahrzeiten aufrechtzuerhalten. In Kaiserslautern fielen alle Linien der örtlichen Stadtwerke (SWK) aus, der regionale Busverkehr war nach SWK-Angaben nicht betroffen. Erhebliche Einschränkungen gab es darüber hinaus bei den Trierer Stadtwerken, hier waren nur Busse auf wenigen von beauftragten Unternehmen gefahrenen Linien unterwegs.

Saarland

Auch im Saarland starteten die Warnstreiks ab Sonntagabend. "Im kompletten Gebiet des Saarlands sind heute zum Großteil keine Busse gefahren", sagte der ständige Gewerkschaftssekretär von Verdi, Janosch Fegert, in Saarbrücken. ÖPNV-Beschäftigte waren von Verdi zur Teilnahme an einer Kundgebung in Saarbrücken aufgerufen worden. Dort kamen am Mittag der Gewerkschaft zufolge insgesamt etwa 1.000 Menschen zusammen.

Nach Angaben der Saarbahn GmbH in Saarbrücken konnten die Saarbahnlinie S1 sowie die 40 Bus - und die sogenannten 800er-Linien (Schulbuslinien) nicht verkehren.

Sachsen

Der ÖPNV ist auch in mehreren Städten von Sachsen zum Erliegen gekommen. In Dresden, Chemnitz, Leipzig und Zwickau sei der Arbeitskampf am Montagmorgen wie geplant angelaufen, bestätigten Verdi-Sprecher Max Stryczek und Lou Hauser sowie Verdi-Verhandlungsführer Paul Schmidt der dpa.

In allen vier Städten stehen Busse und Bahnen größtenteils still. Einige Linien, die zum Teil von nicht bestreikten Unternehmen betrieben werden, sind jedoch ganz oder teilweise unterwegs. In Chemnitz fährt etwa die City-Bahn Chemnitz komplett laut Fahrplan. Auch in Zwickau verkehren mehrere Linien fahrplanmäßig In Leipzig waren zusätzlich Beschäftigte des öffentlichen Dienstes und des Universitätsklinikums zu Warnstreiks aufgerufen.

Schaltgespräch mit Arbeitsmarktforscher Prof. Thorsten Schulten.

Nur wenige Streiks beeinflussen den Alltag der Menschen so sehr wie die im öffentlichen Nahverkehr, sagt Arbeitsmarktforscher Prof. Thorsten Schulten.

02.02.2026 | 9:52 min

Sachsen-Anhalt

Auch in Sachsen-Anhalt stehen Busse und Straßenbahnen in Teilen still. In Magdeburg, Halle und dem Burgenlandkreis hat der Ausstand im Nahverkehr am Morgen begonnen, wie Sprecher der Gewerkschaft Verdi bestätigten.

Bis 1.00 Uhr in der Nacht sind dort laut Angaben der Halleschen Verkehrs-AG (HAVAG) alle Bus- und Bahnlinien betroffen. In der Landeshauptstadt sollen bis Dienstag 2.30 Uhr keinen Straßenbahnen und Busse der Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) fahren. In der Nacht zu Dienstag wird der Verkehr dann schrittweise wieder aufgenommen, wie das Unternehmen vorab mitteilte.

In Magdeburg fahren hingegen die Regionalbusse in Verantwortung der im Magdeburger Regionalverkehrsverbund organisierten Verkehrsunternehmen.

Hessen

In Hessen waren ebenfalls Beschäftigte der kommunalen Verkehrsbetriebe in Frankfurt, Kassel, Wiesbaden, Gießen und Marburg zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen.

Dort geht es in den laufenden Verhandlungen vor allem um Arbeitsbedingungen im Manteltarif, etwa Zuschläge, Eingruppierungen, eine Ballungsraumzulage und zusätzliche Urlaubstage - nicht um höhere Löhne.

Bayern

In Bayern sind ebenfalls mehrere große Verkehrsunternehmen betroffen: Busse, U-Bahn- und Straßenbahnangebote in Städten wie München und Nürnberg sind stark eingeschränkt.

Wie lange soll der Streik dauern?

Der Warnstreik ist ganztägig für Montag, 2. Februar, angesetzt. In vielen Städten hat er gegen 3 Uhr morgens begonnen und soll am Dienstag, 3. Februar, um 3 Uhr enden. In Hamburg wurde ausdrücklich ein 24-Stunden-Streik angekündigt. Mancherorts hat der Streik auch schon Sonntagabend ab 22 Uhr begonnen.

Warum wird gestreikt?

Mit dem Warnstreik will Verdi den Druck in den laufenden Tarifverhandlungen erhöhen. Die Gewerkschaft fordert vor allem bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten im kommunalen Nahverkehr, darunter:

  • kürzere Wochenarbeits- und Schichtzeiten
  • längere Ruhezeiten
  • höhere Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit

In mehreren Bundesländern - darunter Bayern, Brandenburg, Saarland, Thüringen und Hamburg - geht es zusätzlich um höhere Löhne und Gehälter. Die kommunalen Arbeitgeber kritisieren die Streiks hingegen als unverhältnismäßig.

Quelle: dpa, ZDF
Über dieses Thema berichtete das ZDF am 30.01.2026 mehrfach, unter anderem bei ZDFheute Xpress um 11:45 Uhr und bei heute um 19 Uhr sowie am 02.02.2026 bei heute Xpress um 15 Uhr und bei heute um 19 Uhr.

Mehr zu den Streiks

  1. Busse der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) stehen in einem Betriebshof am 30.01.2026.
    FAQ

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    von Christoph Schneider
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