Wachsende Vermögen:Superreichtum in Deutschland: Gefahr für die Demokratie?
von Anna Riek
In Deutschland leben immer mehr Superreiche - das befördert Debatten über gesellschaftliche Ungleichheit. Werden Superreiche zu einem Problem für den demokratischen Zusammenhalt?
Die Zahl der Superreichen nimmt hierzulande zu - wird das zum Problem?
11.09.2026 | 44:44 minEin Finanzvermögen von mehr als 100 Millionen US-Dollar: Rund 5.000 Menschen konnten das nach Schätzungen der Boston Consulting Group 2025 in Deutschland vorweisen - und damit 1.100 Personen mehr als im Jahr zuvor. Gleichzeitig ist Vermögen in Deutschland sehr ungleich verteilt. Während die untere Hälfte der Bevölkerung einen geringen Anteil daran besitzt, verfügt das reichste ein Prozent der Bevölkerung über etwa 35 Prozent des gesamten Vermögens. Auch deshalb ist über die Frage, ob extremer Reichtum negative Folgen für Gesellschaft und Demokratie hat, eine Diskussion entbrannt.
Warum werden die Reichen immer reicher?
Wer bereits große Vermögen besitzt, profitiert häufig von steigenden Aktienkursen sowie von wachsenden Unternehmens- und Immobilienwerten. Hinzu kommt: Kapitalerträge werden in Deutschland mit einigen Ausnahmen ohne Progression mit einheitlich 25 Prozent besteuert. Viele Kritiker sehen darin den entscheidenden Grund, warum Vermögende ihr Vermögen schneller ausbauen als Menschen, die hauptsächlich von Arbeitseinkommen leben.
Nie zuvor hat der Staat so viel Erbschafts- und Schenkungssteuer eingenommen. Was der Rekord über die Vermögen in Deutschland aussagt, ordnet ZDF-Experte Frank Bethmann ein.
26.08.2026 | 1:16 minHeftige Kritik an diesen Verhältnissen übt die österreichische Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek. Ihr neues Stück "Unter Tieren" feierte bei den Salzburger Festspielen seine Uraufführung. Darin treten als Tiere verkleidete Schauspieler auf und versuchen, ein "verrücktes" System zu erklären, das aus Geld immer mehr Geld macht - allerdings nur für einige Wenige.
Erbschaften und Vermögen in Deutschland
Für die Berliner Politikwissenschaftlerin Martyna Linartas birgt die wachsende Vermögensungleichheit erheblichen sozialen Sprengstoff. Reichtum könne sich über Generationen hinweg verfestigen und anderen Gesellschaftsmitgliedern den Aufstieg erschweren.
Besonders problematisch ist für sie die Entwicklung bei den größten Vermögen. Rund 75 Prozent der Milliardärsvermögen in Deutschland beruhten auf Erbschaften oder Schenkungen. "Wir sind bereits heute keine Leistungsgesellschaft mehr, sondern eine Erbengesellschaft", meint Linartas. Das schwäche das Vertrauen in gesellschaftliche Aufstiegsmöglichkeiten und bereite den Boden für die AfD.
Immer mehr Menschen sind auf Hilfe angewiesen, gleichzeitig wächst das Vermögen der Reichsten immer schneller. Soziale Ungleichheit schwäche die Demokratie, warnt die Organisation Oxfam.
19.01.2026 | 2:27 minSteuerhinterziehung kostet Milliarden
Neben der Ungleichheit beschäftigen Kritiker zwei weitere Themen: Steuerhinterziehung und Finanzkriminalität. Die ehemalige Cum-Ex-Ermittlerin Anne Brorhilker spricht von einem "Riesenproblem". Nach Schätzungen des Netzwerks Steuergerechtigkeit entgehen dem Staat durch Steuerhinterziehung jährlich rund 100 Milliarden Euro.
In den Cum-Ex-Verfahren geht es um Steuern, die vom Staat zurückgefordert wurden, obwohl sie nie entrichtet worden waren. Es handele sich dabei keineswegs um das bloße Ausnutzen einer Gesetzeslücke, so das Netzwerk, sondern um skrupellosen, bandenmäßig organisierten Betrug. Brorhilker kritisiert vor allem das geringe Entdeckungsrisiko im Fall von Wirtschaftskriminalität. Solange Täter kaum Konsequenzen befürchten müssten, bleibe der Anreiz für illegale Geschäfte bestehen.
Das private Geldvermögen in Deutschland hat die 10-Billionen-Euro-Marke überschritten, meldete die DZ-Bank im Januar. Wie sich die Vermögen zusammensetzen, erklärt ZDF-Wirtschaftsexperte Frank Bethmann.
02.01.2026 | 1:42 minVermögensteuer für Superreiche?
Wie sich wachsende Ungleichheit begrenzen lässt, darüber gehen die Meinungen auseinander. Politikwissenschaftlerin Linartas zum Beispiel unterstützt den Vorschlag des französischen Ökonomen Gabriel Zucman: Dieser fordert eine Vermögensteuer von zwei Prozent pro Jahr für Menschen mit Vermögen von mehr als 100 Millionen Euro.
Darüber hinaus kritisiert Linartas die übliche Praxis, dass unter bestimmten Umständen bis zu 100 Prozent der Erbschaftssteuer auf große Betriebsvermögen erlassen werden. Würde diese Regelung abgeschafft, ließen sich Milliarden für Bildung, Infrastruktur und öffentliche Investitionen mobilisieren. Andere Stimmen hingegen warnen vor den negativen Folgen für Investitionen, Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze.
Superreiche und Demokratie
Die Kontroverse über Vermögensungleichheit in Deutschland geht weit über bloße steuerpolitische Fragen hinaus, denn mit dem persönlichen Reichtum kann zugleich die politische Macht wachsen. Wie sich am Beispiel der USA zeigen lässt, sind milliardenschwere Unternehmer und Tech-Konzerne durchaus in der Lage, erheblichen Einfluss auf Politik, Gesetzgebung, Medien und öffentliche Debatten auszuüben.
Keine Millionäre, keine Armut? Philipp Türmer, Vorsitzender der Jusos, diskutiert mit Jan Fleischhauer.
09.04.2026 | 29:08 minDer preisgekrönte Filmregisseur Alex Gibney hat bei den Filmfestspielen in Venedig gerade eine knapp vierstündige Dokumentation über Elon Musk präsentiert. Gibney beschreibt, wie der reichste Mann der Welt in mehreren Ländern rechte Parteien unterstützt, die im Gegenzug gern bereit sind, seinen ökonomischen Interessen zu dienen.
Damit liegt die zentrale Frage in der Reichtums-Debatte auf dem Tisch: Wie kann verhindert werden, dass der übergroße Reichtum einiger Weniger die demokratische Gesellschaft zerstört?
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