Filmemacher Marcel Ophüls mit 97 Jahren gestorben

Oscar-Gewinner wurde 97 Jahre alt:Filmemacher Marcel Ophüls ist tot

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Der Doku-Filmemacher Marcel Ophüls ist im Alter von 97 Jahren gestorben. Seine Werke prägten die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit und dem Zweiten Weltkrieg.

17.01.2016, Saarland, Saarbrücken: Regisseur Marcel Ophüls schaut am 18.01.2016 im Kino Cinestar in Saarbrücken (Saarland) vor der Eröffnung des 37. Filmfestival Max Ophüls Preis in die Kamera.

Marcel Ophüls wurde 1989 mit einem Oscar ausgezeichnet (Archivbild).

Quelle: dpa

Der französisch-amerikanische Dokumentarfilmer Marcel Ophüls ist tot. Ophüls starb am Samstag im Alter von 97 Jahren in Südfrankreich, wie Ophüls' Enkel der Deutschen Presse-Agentur bestätigte.

In seinen investigativen Dokumentarfilmen kämpfte der Filmemacher gegen Ungerechtigkeit, Unmenschlichkeit und Geschichtslügen. Zu seinen bekanntesten Werken zählen "Hundert Jahre ohne Krieg - Das Münchner Abkommen" und "Hotel Terminus - Zeit und Leben des Klaus Barbie".

Montage: Links: Ein Mann mit Maske schiebt einen Mann mit Hut im Rollstuhl. Rechts: Der ehemalige SS-Hauptsturmführer Klaus Barbie mit Hut und Sonnenbrille.

Nach 1945 entziehen sich die meisten SS-Täter ihrer Verantwortung. Durch Leugnen, neue Identitäten oder Flucht gen Südamerika. Nazi-Netzwerke helfen ihnen, der Justiz zu entkommen.

27.02.2022 | 43:53 min

Sohn von Max Ophüls

Ophüls wurde am 1. November 1927 als Sohn des berühmten, in Saarbrücken geborenen Filmemachers Max Ophüls und der Schauspielerin Hilde Wall in Frankfurt am Main geboren. 1933 floh er mit seiner Familie aus Nazi-Deutschland nach Frankreich, später flohen sie weiter in die USA. Ophüls nahm auch die US-Staatsangehörigkeit an und war als US-Soldat in Japan im Einsatz.

Nach dem Krieg drehte Ophüls zunächst Spielfilme, kam in den 60er Jahren dann aber zum Dokumentarfilm. Erstmals für Aufsehen sorgte er 1967 mit einer Doku über das Münchner Abkommen von 1938, in dem Hitler-Deutschland das Einverleiben des Sudetenlandes erlaubt wurde. In dem Film, den er für das französische Fernsehen drehte, geht es Ophüls unter anderem um die Frage, ob man mit Diktatoren verhandeln darf.

Ophüls Filme stießen auf Widerstand

Danach begann Ophüls über die deutsche Besetzung Frankreichs während des Zweiten Weltkriegs zu arbeiten und sorgte damit erneut für Aufsehen. Zwischen 1968 und 1971 arbeitete er fürs deutsche Fernsehen und stellte dort "Das Haus nebenan - Chronik einer französischen Stadt im Krieg" fertig, eine Doku über das Regime von General Pétain, der von der Stadt Vichy aus mit den Nazis kollaborierte.

In dem Film räumte er mit der Nachkriegslegende des einträchtigen Widerstands gegen die Nazis auf. Das französische Fernsehen lehnte es ab, den Film zu zeigen. Erst Anfang der 80er Jahre durfte er ausgestrahlt werden.

"Wir im Krieg – Privatfilme aus der NS-Zeit": Mann in Tracht hält Schild mit Jahreszahl 1939 hoch und lacht in die Kamera. "Wir im Krieg. Privatfilme aus der NS-Zeit".

Die Doku "Wir im Krieg" zeigt mithilfe von privatem und unveröffentlichtem Filmmaterial einen persönlichen Blick auf das Leben in NS-Diktatur und Krieg.

15.02.2020 | 43:21 min

Oscar für "Hotel Terminus"

1989 wurde der Regisseur für "Hotel Terminus - Zeit und Leben des Klaus Barbie" mit einem Oscar für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet. Der Film über den stellvertretenden Gestapo-Chef in Lyon gilt als sein Meisterwerk.

Filmisch beschäftigte er sich auch mit dem Fall der Berliner Mauer und internationalen Kriegsberichterstattern in Sarajevo im Balkan-Krieg 1994. Ophüls interviewte neben anderen den Nazi-Architekten Albert Speer und den DDR-Spionagechef Markus Wolf. Noch bis ins hohe Alter drehte er Filme.

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Quelle: dpa

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Quelle: dpa, AFP

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