Sängerin und Schauspielerin:"Die Lütte": Angelika Mann ist tot
Angelika Mann, bekannt als "die Lütte", ist im Alter von 76 Jahren gestorben. Die Sängerin und Schauspielerin prägte Tanzmusik und Theater in der DDR und darüber hinaus.
Angelika Manns Musikkarriere begann in den 1970ern.
Quelle: ImagoWegen ihrer Körpergröße von 1,49 Metern ist sie "die Lütte" genannt worden: Angelika Mann war eine der bekanntesten Künstlerinnen mit DDR-Wurzeln. Nun ist die Sängerin und Schauspielerin im Alter von 76 Jahren gestorben, wie ihre Familie der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Mehr als ein halbes Jahrhundert stand sie auf der Bühne, auch als Kabarettistin und Moderatorin.
Auf ihrer Internetseite hieß es: "Klein an Gestalt, jedoch mit kaum zu zügelnder Berliner Schnauze, voluminöser Stimme und herausragender Bühnenpräsenz unterhält sie ihr Publikum als eine ganz 'Große'". Doch um ein Haar wäre Mann kein DDR-Star geworden - denn bei ihrer Geburt am 13. Juni 1949 lebten ihre Eltern im Westen Berlins.
Dann bekam ihr Vater, ein Arzt, eine Stelle im Berliner Stadtteil Buch. Die Familie zog in den Osten um. Im Spätsommer 1961 wollte ihre Mutter zurück in den Westen. Ein Grund: "Wir lebten in ständiger Angst." Das schrieb Mann in ihrer Autobiografie "Was treibt mich nur", die 2013 erschien. Aber: Der Mauerbau kam der lang geplanten Republikflucht zuvor.
Vor 50 Jahren brachte die Staatsoperette Dresden mit "Cabaret" ein West-Musical auf eine DDR-Bühne – ein kulturpolitischer Grenzgang. Weshalb das Stück heute wieder erstaunlich aktuell wirkt.
19.01.2026 | 2:47 minAngelika Mann übte täglich stundenlang Klavier
Musik spielte für die Berlinerin schon früh eine wichtige Rolle. Als Kind übte sie bis zu acht Stunden täglich Klavier, als Teenager hörte sie Bach und Beatles. Doch nach dem Abschluss der Schule machte die quirlige junge Frau eine Lehre in einer Apotheke. Sie liebte den Publikumskontakt, in der Pause sang sie ihren Kollegen die neuesten Schlager vor.
Eines Abends trat Udo Jürgens im Friedrichstadtpalast auf. Mit weißem Kittel und kaputter Strumpfhose fuhr Mann in einer Mittagspause zum Hotel - und wurde von Jürgens mit hineingenommen. Sie stand damals auch selbst schon regelmäßig auf der Bühne, am Wochenende in einem der DDR-Tanzsäle.
In den 1970ern begann ihre Musikkarriere richtig - zunächst an der Seite des Komponisten Reinhard Lakomy. Ihre unverwechselbare Stimme ist etwa auf Lakomys millionenfach verkaufter Kinderschallplatte "Traumzauberbaum" zu hören. Mann sang aber auch mit Manfred Krug und der Jazz-Sängerin Uschi Brüning, war Frontfrau der Band Obelisk und moderierte die Sendung "Rockmusik zum Anfassen" im DDR-Fernsehen.
Angelika Mann im Jahr 2013.
Quelle: dpaEine der bekanntesten und beliebtesten Sängerinnen der DDR
"Die Lütte" wurde eine der bekanntesten und beliebtesten Sängerinnen der DDR. Dennoch fühlte sie sich in dem Land zunehmend unwohl. In ihrer Autobiografie schrieb sie:
Die Situation in der DDR war schon seit langem recht trostlos. ... Seit Jahren kämpfte man immer um dieselben Dinge: Texte, Musik, Klamotten, Auftritte, Musikinstrumente.
Angelika Mann in ihrer Autobiografie
Sie wurde auch drangsaliert, weil sie die Petition gegen die Biermann-Ausbürgerung mit unterschrieben hatte.
Wolf Biermann ist auch im hohen Alter einer, der nicht schweigen kann. Dabei musste er in Hamburg zuhören, wie junge Künstler seine Musik interpretieren.
14.11.2024 | 2:35 minIm Mai 1984 stellte die Künstlerin einen Ausreiseantrag. Costa Cordalis, der gerade auf DDR-Tournee war, gab sie ihren Flügel mit - ein Jahr später folgte sie selbst samt Ehemann. Im Westen fasste "die Lütte" bald wieder Fuß. Am Theater des Westens wurde sie als Lucy in der Dreigroschenoper bejubelt, trat bei Theater-, Kabarett- und Musical-Produktionen auf. 1987 durfte sie zusammen mit Caterina Valente auf der Bühne stehen, einem ihrer großen Idole.
Nach dem Mauerfall kehrte sie dennoch gerne wieder zurück in den Osten Deutschlands - und auf viele Bühnen dort. So war sie in der Comödie Dresden im Theaterstück "Kalender Girls" zu sehen. Auch vor der Kamera stand sie. In Rosa von Praunheims Film "Der Einstein des Sex" spielte sie einen Mann.
Er galt als Wegbereiter der Schwulenbewegung in Deutschland: Jetzt ist der Filmemacher Rosa von Praunheim im Alter von 83 Jahren gestorben, nur kurz nach seiner Hochzeit.
17.12.2025 | 1:31 minKampf gegen Krebserkrankung
2008 schilderte Mann in der Zeitschrift "SuperIllu", dass sie wegen eines betrügerischen Steuerberaters in eine tiefe finanzielle und persönliche Krise geraten sei. Wegen hoher Schulden beim Finanzamt habe sie Privatinsolvenz anmelden müssen.
2021 erlitt die Künstlerin einen weiteren Schicksalsschlag: Sie erhielt eine Brustkrebs-Diagnose. Dennoch stand "die Lütte" weiter auf der Theaterbühne, ließ sich nichts anmerken und trug Perücke. Im November 2022 schrieb sie auf ihrer Facebook-Seite, sie habe nun ihre letzte Chemotherapie-Tablette genommen. "Ich bin dankbar und demütig. Ich liebe das Leben."
2023 sagte sie der "SuperIllu": "Ich bin im letzten Teil meines Lebens angekommen, da muss man sich gar nichts vormachen. ... Bettwäsche oder Koffer kaufe ich nicht mehr. Ich gebe das Geld lieber für schöne Erlebnisse, eine Reise, Theaterkarten, einen Restaurantbesuch aus."
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