Drei Anläufe in mehr als 30 Jahren:Auch Berlins dritte Olympia-Bewerbung scheitert
Aller guten Dinge sind drei - heißt es. Für Berlin scheint diese Weisheit nicht zu gelten: Bereits zum dritten Mal scheitert eine Olympiabewerbung.
Im Berliner Olympiastadion hätten nach 1936 wieder Olympische Spiele stattfinden können. Jetzt bleibt diese Vorstellung ein weiterer geplatzter Traum. (Archivbild)
Quelle: IMAGO / CHROMORANGEEndgültiges Olympia-Aus für Berlin: Die Hauptstadt hat ihre Bewerbung um Sommerspiele offiziell nach den Rückschlägen der vergangenen Tage zurückgezogen. Dies teilten die Verantwortlichen um den scheidenden Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) bei einer Pressekonferenz im Roten Rathaus mit. Somit sind vor der Entscheidung über den deutschen Bewerber für die Spiele 2036, 2040 oder 2044 am Samstag in Baden-Baden nur noch München und Köln/Rhein-Ruhr im Rennen.
Wen schickt Deutschland ins Rennen für eine Olympia-Bewerbung 2036, 40 oder 44? Am Samstag fällt die Entscheidung: Dem Kandidaten Berlin wurden schon vor dem offiziellen Ende wenig Chancen eingeräumt.
22.09.2026 | 2:20 minZweikampf zwischen München und Köln/Rhein-Ruhr
Die Mitbewerber München und Köln/Rhein-Ruhr reagierten gar nicht mehr groß auf die Ankündigung. Denn: Wer am Samstag bei der außerordentlichen DOSB-Mitgliederversammlung den nationalen Zuschlag für eine Bewerbung erhält, war schon länger kein echter Dreikampf mehr, sondern nur noch ein Duell zwischen Süd und West.
Das fehlende Bürgerreferendum in Berlin, das es hingegen in München und Nordrhein-Westfalen mit großer Mehrheit für Olympia gegeben hat, wirkte sich auf die Chancen ebenso negativ aus wie die unklare politische Situation.
Bei der Abgeordnetenhauswahl wurde der schwarz-rote Senat, der die Olympia-Pläne vorangetrieben hatte, am vergangenen Sonntag abgewählt. Wahlsiegerin Elif Eralp (Linke), die neue Bürgermeisterin werden könnte, ist Olympia-Gegnerin und artikulierte dies deutlich.
Es ist nicht das erste verunglückte Bewerbungs-Projekt in der Hauptstadt, Berlin blickt sogar auf ein Olympia-Triple des Scheiterns.
Die negativen Äußerungen der Linken-Politikerin Elif Eralp über die Bewerbung Berlins haben den Olympia-Beauftragten Kaweh Niroomand verärgert. Die Tragweite der Aussage sei nicht absehbar.
22.09.2026 | 3:33 min- 1993: Erste Niederlage
Im September 1993 war alles angerichtet: Mehr als 60.000 Menschen kamen zum Brandenburger Tor und warteten auf den Zuschlag für Olympische Spiele 2000 in ihrer Stadt, vor Ort bei der Vergabe in Monaco warb Tennisikone Steffi Graf für Berlin. Doch das reichte nicht, die deutsche Hauptstadt ging leer aus. Berlin erhielt nur neun Stimmen und schied in Runde zwei aus. Olympia ging nach Sydney, auch Peking und Manchester waren bei der Abstimmung erfolgreicher als der deutsche Bewerber."
Thomas Bach, der als IOC-Mitglied die Berliner Delegation in Monaco begleitet hatte, erklärte das damalige Scheitern so:
Das IOC hatte nicht den Eindruck, die Stadt wolle die Spiele wirklich.
Thomas Bach, IOC
Die damalige Haltung zu Olympia in Berlin beschrieb er so: "Wenn ein IOC-Mitglied Berlin besucht hat, musste ihm ein Sicherheitsbeamter zur Seite gestellt werden."
Wie heute hatte sich auch nach der Bewerbung 1991 eine NOlympia-Bewegung gebildet, die neben Aktionen in der Hauptstadt auch in Monaco vor der Vergabe für Stimmung sorgte. Ein Video, das mit einem Pflasterstein bewaffneten Punk und den Worten "We will wait for you" endete, warf die Frage auf, wie die IOC-Mitglieder in der Hauptstadt von Sicherheitsbeamten geschützt werden.
Bei der nationalen Bewerbung um die Olympischen Sommerspiele setzt München unter anderem auf den Charme der Spiele von 1972, auf sein beeindruckendes Olympiagelände und auf kurze Wege.
23.09.2026 | 2:16 min- 2015: Zweiter Anlauf
Vor elfeinhalb Jahren ging die Hauptstadt, für die auch in diesem Jahr vor allem die internationale Strahlkraft sprach, in der deutschen Ausscheidung leer aus. Damals verlor Berlin nicht gegen München oder Köln-Rhein-Ruhr, sondern gegen Hamburg. Im Präsidium gab es damals "eine mehrheitliche Entscheidung und eine einmütige Positionierung" für die Hansestadt, wie der DOSB unter der Führung von Alfons Hörmann damals formulierte.
Das Problem: Zwar kürte der DOSB im März Hamburg zum deutschen Kandidaten, doch das Referendum im November des gleichen Jahres ging mit nur 48,4 Prozent Zustimmung verloren. Hamburg zog seine Bewerbung zurück, die Sommerspiele gingen an Paris.
Kaum eine Region vereint so viel Spitzensport auf sich wie Köln Rhein-Ruhr. Dazu lockt der mögliche Olympia-Standort mit hohem Potenzial beim Ticketverkauf.
23.09.2026 | 2:23 min- 2026 Dritter Versuch - und wieder nichts
In den vergangenen Tagen kamen die Einschläge für Berlins Bewerbung in geballter Häufung. Der klare Wahlsieg der Linken und die Aussagen von Eralp ("Entscheidung erledigt") vergrößerten die Zweifel und das Risiko, das Deutschland mit einer Bewerbung seiner Hauptstadt eingegangen wäre.
Am Dienstagabend veröffentlichte die Evaluierungskommission des DOSB zudem ihren Abschlussbericht: Während München (87 von 100 Punkten) und Köln (85) in der Kategorie "sehr gut" landeten, kam Berlin nicht über 74,6 Punkte hinaus. Zwar sind die Stimmberechtigten in Baden-Baden nicht an den Bericht gebunden, doch die Zahlen drückten deutlich aus, was sich seit Wochen abzeichnete: Berlin, es sieht schlecht aus.
DOSB-Präsident Thomas Weikert zollte den Berlinern Respekt für ihren Entschluss. Es sei "ein großes Zeichen von Fairness und Respekt".
Es unterstreicht, dass es den Verantwortlichen in der Hauptstadt vor allem darum geht, die Spiele endlich wieder nach Deutschland zu holen. Unabhängig vom Austragungsort.
Thomas Weikert, DOSB-Präsident
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