Historisches Niedrigwasser:Rheinpegel erreicht in Köln neuen Tiefststand
Der Rheinpegel hat in Köln einen historischen Tiefststand erreicht. Die lang anhaltende Trockenheit beeinträchtigt den Frachttransport auf einer der wichtigsten Wasserstraßen.
Die Wasserstände in großen Flüssen wie dem Rhein sind bereits jetzt besorgniserregend niedrig. Für die Natur, aber auch ganze Wirtschaftsbranchen birgt das Probleme.
31.07.2026 | 1:40 minDas Niedrigwasser am Rhein hat am Samstagmittag in Köln einen neuen Tiefststand erreicht. Mit nur noch 67 Zentimeter wurde dort laut den Pegelwerten der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes der bisherige Rekordwert aus dem Jahr 2018 um zwei Zentimeter unterschritten.
Im weiteren Verlauf wurde nach Regenfällen allerdings wieder ein leichter Anstieg erwartet. Oberhalb von Koblenz stiegen die Werte bereits wieder an. Am Freitag war am Pegel Kaub noch ein Tiefstwert von nur noch 25 Zentimeter gemessen worden. Am Samstagmittag lag der Wert dort aber wieder bei 30 Zentimeter.
Ein Binnenschiff fährt bei niedrigem Pegelstand unter der Kölner Südbrücke über den Rhein.
Quelle: dpaDüsseldorf: Bisheriger Tiefstwert von 2018 wieder erreicht
An Messstellen unterhalb von Koblenz gingen die Werte hingegen am Samstag noch einmal zurück. In Düsseldorf wurde am Mittag ein Pegel von nur noch 23 Zentimeter gemessen. Dies entsprach dort dem bisherigen Tiefstwert von 2018.
Mit dem Pegel werden die Wasserstände etwa von Flüssen, Kanälen oder Seen gemessen. Die einfachsten Geräte bestehen aus einer senkrechten Latte mit Maßeinteilung.
Ausgangspunkt für die Messung ist nicht der Wassergrund, sondern der sogenannte Pegel-Nullpunkt. Er wird in der Regel knapp unterhalb des bis dahin niedrigsten Wasserstandes festgelegt. Der Pegelstand gibt daher nicht die tatsächliche Tiefe eines Gewässers an.
Verursacht wird das Niedrigwasser durch die lang anhaltende Trockenheit in vielen Regionen Deutschlands. Durch den fortschreitenden Klimawandel steigt laut wissenschaftlichen Erkenntnissen die Wahrscheinlichkeit solcher Extremwetterlagen. Betroffen von dem Niedrigwasser sind auch weitere Flüsse.
Die aktuelle Trockenheit sorgt für extrem niedrige Pegelstände im Rhein. Das sorgt auch für höhere Transportkosten in der Schifffahrt.
30.07.2026 | 1:50 minNiedriger Rheinpegel: "Bau-Turbo" soll rasch umgesetzt werden
Der Maritime Koordinator der Bundesregierung, Christoph Ploß (CDU), drang gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe auf einen schnelleren Ausbau der Wasserstraßen.
Das Niedrigwasser darf nicht zum Bremsklotz für die deutsche Volkswirtschaft werden.
Christoph Ploß, Maritimer Koordinator der Bundesregierung
Ein von der schwarz-roten Koalition bereits beschlossener "Bau-Turbo für den Nieder- und Mittelrhein" müsse deshalb rasch umgesetzt werden. Ploß verwies darauf, dass die Bundesregierung mit ihrem Haushaltsentwurf auch zusätzliche Mittel für die Wasserstraßen vorgesehen habe.
Wo droht Wasserknappheit? Das neue System "Niwis" zeigt Pegelstände und Grundwasser in Echtzeit. Deutschland hat in 25 Jahren 60 Milliarden Kubikmeter Wasser verloren.
15.07.2026 | 2:33 minNeubaur: Vertiefung der Fahrrinne nicht die Lösung
"Der Güterverkehr auf dem Rhein reagiert schon auf sinkende Wasserstände empfindlich", warnte auch Thilo Schaefer vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW). Die geringere Lademenge von Binnenschiffen "verteuert den Transport und erhöht den Druck auf Straße und Schiene als Ausweichrouten", sagte er der "Rheinischen Post". Ein Totalausfall der Binnenschifffahrt würde allein rund 3.000 zusätzliche Tanklaster pro Tag erfordern.
Diese Kapazitäten stehen jedoch nicht zur Verfügung.
Thilo Schaefer, Volkswirt
Gegen ein generelles Ausbaggern des Rheins, um eine größere Wassertiefe zu erreichen, gibt es allerdings auch Widerspruch. "Eine Vertiefung der Fahrrinne auf der Gesamtstrecke ist nicht die Lösung", hatte die Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin Mona Neubaur der "Rheinischen Post" gesagt. Auch sie zeigte sich aber offen für punktuelle Eingriffe.
Schiffe können nur einen Bruchteil laden
Der niedrige Wasserstand hat wirtschaftliche Folgen, da Frachtschiffe nur mit einem Bruchteil der möglichen Kapazität beladen werden können. Aktuell seien die Schiffe nur zu etwa 20 Prozent ausgelastet, sagte Roberto Spranzi, Vorstand der Schifffahrtsgenossenschaft DTG, die rund 100 Frachtschiffe betreibt. Um die üblichen Frachtmengen zu transportieren, würden derzeit vier- bis fünfmal so viele Schiffe benötigt. Das treibt die Kosten für die ohnehin um eine Erholung ringende deutsche Industrie in die Höhe.
Rohstoffhändlern zufolge stiegen die Preise für den Transport mit Tank-Binnenschiffen von Rotterdam nach Karlsruhe am Donnerstag auf 145 bis 150 Euro pro Tonne. Ende Juni hatten sie noch bei 45 Euro gelegen. Der Rhein ist eine der wichtigsten Wasserstraßen für den Transport von Rohstoffen wie Getreide, Mineralien, Erzen, Kohle und Ölprodukten.
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