Neustadt am Rübenberge: Bewohner zu Gewalt und Clan-Verdacht

Gewalttat in Neustadt am Rübenberge:Clankriminalität: "Werden alle in Mitleidenschaft gezogen"

von Malin Ihlau

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Ein Auto rast in eine Menschengruppe, Schüsse fallen, es gibt Verletzte. Dahinter steht wohl Clankriminalität. Wie Cindi Nasser, Unternehmer mit kurdischen Wurzeln, darauf blickt.

Ein Polizeiauto auf der Straße

Gewalt auf offener Straße bei Hannover: In Neustadt raste ein Wagen in eine Menschengruppe. Die Polizei ermittelt wegen versuchten Totschlags und prüft Konflikte rivalisierender Familien.

05.11.2026 | 5:11 min

Auf dem Wochenmarkt in Neustadt am Rübenberge ist die Gewalttat der vergangenen Woche weiter Gesprächsthema. Weil ein Auto in eine Menschengruppe fuhr, steht der Name der Kleinstadt nordwestlich von Hannover nun für viele für Gewalt und Clankriminalität.

Polizei: Tabeteiligte gehören zu zwei Großfamilien

Die Beteiligten werden zwei Großfamilien zugerechnet, deren Angehörige seit Jahren immer wieder aneinandergeraten. Teile beider Familien sind nach Angaben der Polizei bereits im Zusammenhang mit Clankriminalität aufgefallen. Eine Familie habe libanesische Wurzeln, die andere gehöre zur Minderheit der Sinti und Roma, erzählen mehrere Leute in Neustadt am Rübenberge.

Clan-Kriminalität Interview

Bedrohungen durch Clankriminalität kommen nicht täglich vor, können aber einen massiven Einfluss haben und den Rechtsstaat nachhaltig schädigen, so der ehemalige LKA-Ermittler Klaus Nachtigall.

30.10.2026 | 23:46 min

Auf dem Wochenmarkt kauft auch Familie Nasser ein. Sie lädt uns ein, zu Kaffee und Kuchen. Die Familie mit kurdischen Wurzeln erzählt gegenüber ZDFheute, was die Tat mit Neustadt macht. Cindi Nasser wurde 1994 in Neustadt geboren. Seine Familie lebt seit fast 40 Jahren hier.

Der junge Unternehmer hat sich eine Existenz aufgebaut, im Betrieb eines Photovoltaikunternehmens:

Von über 300 Familien, die hier friedlich in Neustadt leben und sich hier etwas aufbauen, werden alle mit in Mitleidenschaft gezogen.

Cindi Nasser

Cindi Nasser sitzt seitlich an einem Schreibtisch, vor ihm einen Tasse.

Cindi Nasser in seinem Büro in Neustadt am Rübenberge.

Quelle: ZDF

Nasser: Tat wirft falsches Bild auf Neustadt am Rübenberge

Die Arbeit vieler Menschen werde durch diese Tat überschattet: "Wenn dann so etwas passiert, wirft das ein komplett falsches Bild auf die gesamte Stadt."

Nach seiner Einschätzung begann die Feindschaft der beteiligten Familien mit Streitigkeiten unter Jugendlichen. Diese hätten sich über Jahre hochgeschaukelt. Konflikte seien immer wieder im öffentlichen Raum ausgetragen worden: Messerattacken, Stichverletzungen, gezielte Angriffe.

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Sorge vor dem Generalverdacht

Nasser sorgt sich nicht nur wegen der Gewalt. Er beobachtet auch, wie schnell Menschen mit dunklen Haaren, Bart oder arabisch klingendem Namen in eine Schublade gesteckt werden. Viele könnten nicht unterscheiden, wer tatsächlich zu den beteiligten Familien gehöre und wer nicht. "Ich bin hier geboren, und es ist ein Privileg, hier leben zu dürfen", sagt Nasser.

Was passiert sei, sorge dafür, "dass es eine noch größere Spaltung in unserer Gesellschaft hier in Neustadt gibt". Das bereite ihm große Sorgen.

Versäumnisse bei Polizei, Schulen oder Stadtverwaltung sieht er dennoch nicht. Polizei und Jugendarbeit leisten gute Arbeit, sagt Nasser. Entscheidend sei nun, Jugendliche früh zu erreichen und ihnen Alternativen zur Straße zu zeigen.

Zwei Vermummte Polizisten stehen neben einem geparktem Pkw, in dem sich mutmaßlich eine Waffe befindet. Einer von ihnen öffnet die Seitenscheibe des Fahrzeuges gewaltsam mit einer Ramme

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Mutmaßlicher Täter sitzt in Untersuchungshaft

Für Neustadt am Rübenberge stellt sich auch eine andere Frage: Wie kann der Staat konsequent gegen einzelne Straftäter vorgehen, ohne Hunderte Menschen wegen ihres Familiennamens oder ihres Aussehens unter Generalverdacht zu stellen? Der mutmaßliche Fahrer sitzt nun in Untersuchungshaft. Gegen ihn wird unter anderem wegen versuchten Totschlags in fünf Fällen ermittelt.

Cindi Nasser ist Anfang 30. Er engagiert sich in der Präventionsarbeit. Gemeinsam mit Polizei, Schulen und einem Integrationsbeirat versucht er, Jugendlichen Perspektiven zu geben.

Über das Thema berichtete hallo Deutschland am 5.11.26 ab 17:10.

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