Initiative der Bundesregierung:Aktionsplan gegen Kriminalität soll zum "Gamechanger" werden
Drei Bundesminister wollen mit einem Aktionsplan Organisierte Kriminalität bekämpfen. Der Innenminister nimmt verdächtige Vermögen ins Visier. Die geplanten Maßnahmen im Überblick.
Zukünftig soll härter gegen Organisierte Kriminalität vorgegangen werden. Unter anderem durch den Austausch von Daten zwischen Zoll und Bundeskriminalamt.
25.02.2026 | 0:19 minDrogenhandel, Waffenschmuggel, Geldwäsche: Organisierte Kriminalität in Deutschland hat die Allgemeinheit zuletzt mindestens 2,6 Milliarden Euro gekostet. Die Zahl nannte Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) an diesem Mittwoch in Berlin und verband dies mit einer Kampfansage:
Der Rechtsstaat verschärft die Gangart, und er lässt sich nicht mehr auf der Nase herumtanzen.
Lars Klingbeil (SPD), Bundesfinanzminister
Gemeinsam mit Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) stellte Klingbeil einen im Bundeskabinett beschlossenen "Aktionsplan gegen Organisierte Kriminalität" vor. Zentraler Punkt ist eine engere Zusammenarbeit von Zoll - dafür ist Klingbeils Ministerium zuständig - und Bundeskriminalamt.
Die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt gegen Bushido und zwei Beamte des LKA Berlin. Der Rapper soll die Polizisten zum Schutz seiner Person als Bodyguards beschäftigt haben.
26.11.2025 | 24:36 minKlingbeil: Aktionsplan als "Gamechanger"
Geplant sind unter anderem ein neues Kompetenzzentrum, gemeinsame Ermittlungsgruppen, der gegenseitige Zugriff auf Daten der Behörden, die systematische Auswertung mit KI und biometrischer Internetsuche. Klingbeil sprach von einem "Gamechanger", Dobrindt von einer "Zeitenwende" auch in der inneren Sicherheit und von einem Meilenstein.
Das Bundeskriminalamt wertete Organisierte Kriminalität schon in seinem Lagebild 2024 als eine der größten Bedrohungen der inneren Sicherheit in Deutschland. Drogenhandel bleibt laut BKA das illegale Gewerbe Nummer eins, doch geht es auch um Wirtschaftskriminalität und Geldwäsche, um kriminell erworbenes Vermögen wieder in den Umlauf zu bringen.
Der Deutsche Richterbund wirft den Bundesländern vor, zu wenig gegen Organisierte Kriminalität zu tun.
26.12.2025 | 0:29 minDobrindt: Verdächtige Vermögen unter die Lupe nehmen
Man werde, sagte Dobrindt, die Organisierte Kriminalität da treffen, wo es am meisten wehtut: beim Geld. Wenn zum Beispiel jemand mit geringem offiziellem Einkommen eine Villa oder einen Sportwagen kauft, soll es viel leichter werden, das Vermögen einzuziehen. Das Stichwort heißt: Beweislastumkehr. Betroffene müssten nachweisen, dass sie das verwendete Geld aus legalen Quellen haben.
Wir ändern heute schlichtweg die Spielregeln.
Alexander Dobrindt (CSU), Bundesinnenminister
Konkrete Punkte aus dem Aktionsplan:
Ein besserer Informationsaustausch zwischen Zoll und BKA und dafür "zweckgebundene und rechtssichere direkte Zugriffe auf Daten und ihre Nutzung".
Neue Befugnisse der Sicherheitsbehörden zur automatisierten Datenanalyse, den biometrischen Internetabgleich und das Testen und Trainieren von IT-Produkten.
Neue Regelungen zum Einzug der Profite aus schweren Straftaten - die Umkehr der Beweislast bei verdächtigen Transaktionen.
Die bessere Bekämpfung "unerlaubter Formen des sogenannten Hawala Bankings" (beleglose, kontolose und banklose Transaktionen).
Ein neues "gemeinsames Kompetenzzentrum" von Zoll und BKA, ein Ermittlungszentrum Geldwäsche beim Zoll und eine Gemeinsame Ermittlungsgruppe Geldwäsche von Zoll und BKA.
Ein "gemeinsames Analyse- und Auswertungszentrum Rauschgift" von Zollkriminalamt und BKA und eine gemeinsame Ermittlungsgruppe beim Bund.
Organisierte Kriminalität stellt in Deutschland weiter eine große Herausforderung dar. Zunehmend werden Jugendliche in Straftaten eingebunden, besonders im Drogenhandel.
24.10.2025 | 1:34 minRichterbund und Zoll-Vertreter sind skeptisch
Der Deutsche Richterbund begrüßte grundsätzlich, dass die Strafverfolgung verstärkt werden soll. Bundesgeschäftsführer Sven Rebehn merkte angesichts hoher Belastungen der Gerichte allerdings an: "Aktionspläne sind dabei das eine, ihre effektive Umsetzung aber das andere."
Auch die Deutsche Zoll- und Finanzgewerkschaft ließ Skepsis anklingen. "Organisierte Kriminalität profitiert auch von Ankündigungspolitik", sagte der Vorsitzende Thomas Liebel. "Ein Aktionsplan ist schnell formuliert - aber das Vermögen der Kriminellen rechtssicher einzuziehen, ist harte Vollzugsarbeit."
Wenn wir nicht früher und konsequenter ansetzen, laufen wir den Strukturen weiter hinterher.
Thomas Liebel, Vorsitzender der Deutschen Zoll- und Finanzgewerkschaft
Mehr zu Organisierter Kriminalität
Millionenzahlung für Rapper:Bushido gewinnt vor Gericht gegen Ex-Manager Abou-Chaker
mit Video0:57- Interview
Drogenschwemme in Europa:Expertin: "Schmuggler und Händler finden immer einen Weg"
mit Video2:04 Legale Opioide zum Vapen?:Wie Onlineshops die Drogengesetze umgehen
von Max Hübner und Julian Schmidt-Farrentmit Video17:20Prozesse beginnen in Stuttgart:Die Mafia und ihr mutmaßlicher Draht zur deutschen Polizei
von Michael Haselrieder und Dajana Kolligmit Video5:50