Schließfacheinbrüche:Warum Banken beim Schutz oft versagen
von Britta Hilpert
Ein Loch in der Wand und tausende aufgebrochene Schließfächer - beim Sparkassenraub von Gelsenkirchen verschwanden Millionen. Er war vermeidbar, sagen Experten.
In Gelsenkirchen gelang es Tätern, über 3.000 Schließfächer einer Sparkasse auszurauben, doch das ist kein Einzelfall. Defizite in der Sicherheit begünstigen solche Vorfälle.
07.03.2026 | 2:43 minManfred Troyke wohnt neben seiner Sparkasse, und als er an einem Wochenende Baulärm hört, denkt er sich nichts Böses. "Ich dachte, das sei Baulärm. Mittags hatten sie extra Pause gemacht, sonst hätte ich mich beschwert", erinnert er sich.
Hätte er tun sollen, denn einen Alarm gab es nicht, als die Bankräuber sich über Stunden völlig ungestört mit einem Kernbohrer in die Sparkasse bohrten. Zurück blieben ein riesiges Loch und rund 600 ausgeräumte Schließfächer.
Muster beim Einbruch, die sich wiederholen
Das war 2021 in Norderstedt bei Hamburg und es ähnelt stark Gelsenkirchen 2025. Und Steglitz 2013. Schon damals drangen Diebe durch einen Tunnel in die Volksbank ein. Ebenso wie in die Sparkasse Altona, 2021, wo eine Putzfrau die Diebe aufschreckte und vertrieb.
Immer war ein Kernbohrer im Spiel, viel Lärm und kein Alarm. Nur einmal wurde ein Bohrer spektakulär in der Wand zurückgelassen: In der Deutschen Bank in Berlin-Wedding schlug 2013 ein Flächenalarm in der Wand an.
Auf welchem Weg bohrten sich die Einbrecher in den Tresorraum der Gelsenkirchener Sparkasse? - Eine Rekonstruktion der möglichen Vorgehensweise mit 3D-Animationen.
29.01.2026 | 1:22 minExperten üben deutliche Kritik an Sicherheit in Banken
Anwalt Jürgen Hennemann vertritt häufiger Geschädigte von Schließfachraubzügen, nicht nur die aus Norderstedt. Und er versteht nicht, warum es beim Schließfachraub immer wieder eine Art Murmeltiertag gibt:
Es ist beinahe Ausdruck von Verantwortungslosigkeit und Gleichgültigkeit, wenn es in Gelsenkirchen im Jahre 2025 gelingt, nach fast 30 Stunden Durchbruch 3.000 Schließfächer aufzubrechen.
Jürgen Hennemann, Rechtsanwalt
"Das Thema war 15 Jahre bekannt", so Hennemann weiter, "und es hätten alle marktüblichen Sicherheitsmaßnahmen technischer und sonstiger Art verwandt werden müssen."
Betroffene des Einbruchs in die Gelsenkirchener Sparkasse sind verzweifelt - was sie hoffen und wie sie versuchen, die Polizei zu unterstützen.
21.01.2026 | 9:06 minWas ist "marktüblich"? Vor Hamburger Gerichten streitet sich seit rund fünf Jahren die Hamburger Sparkasse mit Betroffenen darum. Demnächst gibt es ein Urteil, das auch die Gelsenkirchener Betroffenen interessieren wird.
Die Sparkasse sagte vor dem Hamburger Gericht jedenfalls, sie habe den "Stand der Technik" erfüllt. Mit ZDFheute wollte sie nicht sprechen, lässt die Redaktion nur schriftlich wissen:
Wer Sicherheit ernst nimmt, diskutiert operative Schutzmechanismen nicht im Fernsehen.
Pressestatement Deutscher Sparkassen- und Giroverband e.V.
DIN-Norm fordert seit 2002 Meldeanlagen gegen Durchbruchsversuche
Als Sachverständiger bei solchen Prozessen tritt häufiger Sascha Puppel auf; er berät unter anderem Museen und Finanzinstitute. Er beobachtet, dass die Diebe aufrüsten: immer schneller dringen sie ein auch durch dickste Wände - Alarmsysteme müssen mithalten. "Wenn die Sicherheitstechnik optimal angepasst ist an die bauliche Sicherheit, und man hier, was heute eigentlich "state of the art" ist, mit zum Beispiel einer Durchbruchüberwachung arbeitet, das heißt mit Flächenüberwachungen, Körperschallmeldern et cetera, dann wird es schon einem Täter sehr, sehr schwer gemacht", so Puppel
Rechtsanwalt und Schließfach-Experte Michael Plassmann beantwortet Fragen zu Rechten und Möglichkeiten bei Schließfacheinbrüchen.
07.01.2026 | 5:17 minWichtig sei aber auch Personal, das dann nachschauen kann, was los ist. Eine solche Sicherung entspräche der zuständigen DIN-Norm 0833-3, die schon seit 2002 fordert, ein Durchbruchsversuch müsse frühzeitig erkannt werden.
Etwa 80 Prozent der Banken erfüllen diese Kriterien, schätzt Puppel: "Das bedeutet jedoch auch, dass es noch hunderte Schließfachanlagen gibt, die nicht nach Stand der Technik gesichert sind.
Da kann man die Uhr danach stellen, wann der nächste Schaden kommt.
Sascha Puppel, Sachverständiger
Bestohlener Kunde: Banken "haben nichts dazugelernt"
Manfred Troyke hat über 30 Jahre gearbeitet und gespart, um sich jetzt, in der Rente, mal was gönnen zu können. Er hatte das Bargeld auf Anraten der Sparkasse im Schließfach gelagert: Als nämlich 2021 Minuszinsen auf seinem Sparbuch fällig wurden, hob er das Geld ab. Zu Hause sei es nicht sicher, sagte die Sparkassen-Beraterin, er solle es doch lieber im Sparkassen-Schließfach deponieren. Drei Monate später war es weg.
Einen schönen Gruß schickt Manfred Troyke nach Gelsenkirchen: "Die haben nichts dazugelernt!" sagt er mit Blick auf die Sparkasse. Er wartet seit fünf Jahren auf ein rechtskräftiges Urteil im Schadenersatzprozess und auf seine Entschädigung. Seine Sparkasse hat ihm bisher nur wieder ein Schließfach zur Miete angeboten. Für den doppelten Preis wie zuvor.
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