Sparkassen-Coup von Gelsenkirchen:Selbstjustiz? Anwalt spricht im ZDF von "Kopfgeld" auf Diebe
von Laura Kipfelsberger und Benjamin Braun
Der Sparkassen-Einbruch in Gelsenkirchen ist ein Jahrhundert-Coup: Mehr als 3.000 Schließfächer wurden ausgeräumt. Deutschland rätselt über die Tat. Was ein Opferanwalt dazu sagt.
Kurz nach Weihnachten brechen Täter in eine Sparkasse in Gelsenkirchen ein, knacken mehr als 3.000 Schließfächer und fliehen unerkannt. Die Spur rekonstruiert den spektakulären Coup.
24.03.2026 | 29:11 minDie Polizei tappt im Fall des Sparkassen-Coups in Gelsenkirchen noch immer im Dunkeln. Auch in der kriminellen Unterwelt werde darüber gerätselt, wer hinter diesem dreisten Beutezug steckt, erklärt Burkhard Benecken. Er ist Anwalt und vertritt Opfer, deren Wertsachen aus ihren Schließfächern geklaut wurden.
In der Unterwelt gebe es gewisse Bewegungen, Namen und Adressen der Täter erfahren zu wollen, sagte der Anwalt in der ZDF-Doku "Die Spur" (in voller Länge oben anzuschauen), der auch schon Clan-Größen wie Arafat Abou-Chaker vertreten hat. Die hohe Beute wecke offensichtlich Begehrlichkeiten.
Nach dem Kenntnisstand des Anwalts sei so etwas wie ein Kopfgeld ausgesetzt worden. Eine Summe "über einen deutlich siebenstelligen Bereich". Man wolle auf "dem Wege der Selbstjustiz" die Beute an sich bringen, so Benecken.
Auf welchem Weg bohrten sich die Einbrecher in den Tresorraum der Gelsenkirchener Sparkasse? Eine Rekonstruktion ihrer möglichen Vorgehensweise mit 3D-Animationen
29.01.2026 | 1:22 minBankeinbruch: Gelsenkirchener wundern sich über Sicherheitsvorkehrungen
Viele Gelsenkirchener können nicht verstehen, dass es den Tätern offensichtlich so leicht gemacht wurde. Luigi lebt in Gelsenkirchen. Er kennt sich im kriminellen Milieu aus, war selbst Mitglied in einer Diebesbande, saß dafür fünf Jahre im Gefängnis. Er wundert sich:
Wenn du in eine Gartenlaube einbrichst, da haben die meisten Gartenlaubenbesitzer schon eine Live-Übertragung auf ihrem Handy.
Gelsenkirchener
Sofort werde dann ein Alarm ausgelöst, aber in der Sparkasse wurde offensichtlich kein Einbruchsalarm ausgelöst.
Wir treffen auch ein Mitglied einer Gelsenkirchener Clan-Familie, die ebenfalls Kontakte ins kriminelle Milieu unterhält. Auch hier wundert man sich über diesen dreisten Coup. Seine Familie habe mit diesem Einbruch nichts zu tun, sagt das Mitglied.
Im Endeffekt gibt es unter Ganoven auch eine Ehre. Da sind sehr viele arme Menschen geschädigt worden, auch viele ältere Leute. Das ist schon echt auch eine traurige Geschichte.
Mitglied einer Gelsenkirchener Clan-Familie
Sie setzen Spezialbohrer ein oder graben sogar Tunnel - schon mehrmals ist es Tätern gelungen, in Tresorräume zu gelangen, Schließfächer auszuräumen und dabei Millionen zu erbeuten.
24.03.2026 | 16:46 minWas ist zu den Tätern bekannt?
Überwachungskameras filmten die Täter, ausgewertet wurden die Bilder aber erst nach dem Einbruch. Darauf zu sehen sind mehrere Männer in sportlicher Kleidung und maskiert. Unterwegs waren sie unter anderem mit einem Audi RS6 - ein stark motorisiertes Fahrzeug, das auch immer wieder bei Überfällen auf Geldautomaten genutzt wird. Ist das ein Hinweis auf die Täter?
Robin Hofmann lehrt an der Universität Maastricht in den Niederlanden Kriminologie. Er hat sich mit der sogenannten Mocro-Mafia beschäftigt, die von den Niederlanden aus mit hochmotorisierten Fahrzeugen nach Deutschland fährt und hier Geldautomaten sprengt. Hofmann glaubt aber nicht, dass die Mocro-Mafia mit dem Sparkassen-Fall etwas zu tun hat.
Die ganze Art und Weise passt nicht zu dieser Tätergruppe.
Robin Hofmann, Kriminologe
Sie seien nicht in der Lage, einen so gut geplanten und professionell durchgeführten Überfall wie in Gelsenkirchen zu begehen.
Vor rund drei Monaten wurden in einer Sparkasse in Gelsenkirchen rund 3.000 Schließfächer aufgebrochen. Mehr als 2.000 Geschädigte hat die Polizei vernommen. Doch was ist über die Täter bekannt?
13.03.2026 | 3:02 minWarum das Vorgehen an einen Fall in Berlin erinnert
Vor 20 Jahren wurde auf nahezu die gleiche Art und Weise eine Bank in Berlin überfallen. Auch hier kamen die Täter durch einen Tunnel und auch sie nutzten einen Kernbohrer. Damals gerieten Clan-Mitglieder in Verdacht, was sich am Ende jedoch nicht erhärten ließ. Die Täter konnten nie ermittelt werden.
Der damalige Ermittler der Polizei, Michael Adamski, glaubt aber, dass nur "große qualifizierte Gruppen" solch einen Coup wie in Berlin und Gelsenkirchen durchführen können.
Das macht kein reisender Täter und das macht kein Alltagsdieb.
Michael Adamski, damaliger Polizei-Ermittler in Berlin
Polizei: Täter hatten wohl Insider-Wissen
Die Polizei in Gelsenkirchen geht davon aus, dass die Täter über Insiderwissen verfügten. Sonst hätten sie beispielsweise nicht wissen können, dass sich die Tresorwand mit einem Kernbohrer öffnen lässt. "Fest steht, dass man sich vorher schlau gemacht haben muss, wie diese Tresore aussehen, wo man durchbohren muss und wann die Sparkasse geschlossen ist", sagt Thomas Nowackzyk, Pressesprecher der Polizei Gelsenkirchen.
Die Ermittlungen der Gelsenkirchener Polizei laufen indes weiter auf Hochtouren. Auch wenn die Täter noch nicht gefasst sind, steht eines schon heute fest: Der Schließfach-Coup von Gelsenkirchen wird wahrscheinlich in die Kriminalgeschichte eingehen als einer der dreistesten Diebstähle aller Zeiten.
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