Kriminelle Geschäfte mit dem Edelmetall:Mafiaartige Strukturen: Wie Blutgold reingewaschen wird
von Bernd Weisener
Gold ist nicht gleich Gold. An dem glänzenden Edelmetall kann auch Blut kleben. Viele Kunden wollen ihr Gold aus fairen und legalen Abbaugebieten. Lässt sich das garantieren?
Minenarbeiter schürfen tief unter der Erde im kolumbianischen Dschungel – ohne Sicherung, unter Lebensgefahr. In illegalen Minen suchen sie nach Gold, viele bezahlen die Arbeit mit ihrem Leben.
04.04.2026 | 28:52 minJedes Jahr kommen Tonnen an neuem Gold auf den Weltmarkt. Verarbeitet wird es in der Industrie und im Schmuckhandel. Gegossen in Barren liegt es in Tresoren und dient als Wertanlage. Die Goldförderung ist aufwendig, das Edelmetall liegt tief unter der Erde.
In Australien, China und Russland gibt es große Minen, aber es gibt auch unzählige kleine Minen, besonders in Afrika und in Südamerika. Allein in Kolumbien schätzt man die Zahl des Kleinbergbaus auf weit über tausend Betriebe. Dort arbeiten in einer Mine meist nur eine Handvoll von Leuten, kaum einer verfügt über eine Ausbildung.
Die Mafia mischt in Kolumbien mit
Die Sicherheitsvorkehrungen seien "abenteuerlich", sagt Thomas Hentschel, ein Bergbauexperte aus der Nähe von Frankfurt, der viele dieser Kleinbetriebe inspiziert hat. Teilweise werde dort unter kriminellen, mafiaartigen Strukturen das Gold abgebaut. Auch Kinderarbeit gebe es und das Risiko zu verunglücken sei sehr hoch. Jedes Jahr sterben im Kleinbergbau weltweit mehrere hundert Arbeiter.
Niemand möchte im Goldhandel mit Kriminalität, Kinderarbeit und schlechten Arbeitsbedingungen in Verbindung gebracht werden. Länder, in denen es solche Strukturen gibt, gelten als "Red Flag"-Staaten - Kolumbien beispielsweise gehört dazu.
Der Iran-Krieg und Inflationssorgen setzen den Goldpreis unter Druck. Eine Feinunze fällt auf den tiefsten Stand des Jahres und liegt mit 4.300 Dollar deutlich unter dem Rekordhoch im Januar.
23.03.2026 | 0:42 minDort beherrschen Kartelle den Goldhandel. Die Besitzer der Kleinbetriebe müssen an das Kartell ein sogenanntes Schutzgeld zahlen. Wer sich weigert, werde erschossen, erzählt Cristian. Er besitzt mit seinem Vater eine kleine Goldmine in Kolumbien und zahlt jeden Monat sein Schutzgeld an das Kartell.
Wie Blutgold reingewaschen wird
In London hat der wichtigste Goldverband der Welt seinen Sitz. Die LBMA, die London Bullion Market Association. Deren Aufgabe sei es, Raffinerien zu akkreditieren und zu überwachen, um damit eine ordnungsgemäße Herkunft und Qualität des Goldes garantieren zu können, sagt Ruth Crowell. Sie ist Geschäftsführerin der LBMA, die unter anderem dafür sorgen soll, dass kein "blutiges" Gold aus "Red-Flag"-Ländern wie Kolumbien in Umlauf kommt.
Dabei sei es vergleichsweise einfach, Gold zu legalisieren, sagt der Goldexperte Prospero Benavides. Er erforscht den Goldabbau in Kolumbien seit Jahren. "Sobald Gold Kolumbien verlässt, wird es in Raffinerien mit Gold aus anderen Ländern vermischt", sagt Benavides.
Ab diesem Zeitpunkt gilt es nicht mehr als kolumbianisches Gold und über mehrere Zwischenstationen und Länder kann es schließlich auch nach Deutschland gelangen.
Prospero Benavides, Goldexperte
Kein E-Auto, kein Windrad oder Handy kann ohne seltene Erden gebaut werden. Doch die Edelmetalle sind rar, und China hat die Marktmacht. Zunehmend ein Problem für Europa und die USA.
05.06.2025 | 3:06 minHerkunft von Gold wird verschleiert
Illegales Gold aus Kolumbien werde zum Beispiel nach Dubai gebracht, neu eingeschmolzen und mit anderem Gold vermischt. Danach lasse sich die Herkunft nicht mehr nachweisen. Auf dem Weltmarkt existiere illegales Gold dann offiziell nicht mehr und jeder könne es kaufen.
Und genau das sei das Problem, sagt Ruth Crowell von der LBMA in London.
Sobald Gold raffiniert wird, geht sein Fingerabdruck verloren.
Ruth Crowell, London Bullion Market Association
Die Dokumentation "Blutgold - die Macht der Kartelle" des ZDF-Dokuformats "Die Spur" sehen Sie am 08.04.2026 ab 22:15 Uhr im ZDF.
Dann lasse sich die Herkunft des Goldes nicht mehr bestimmen. Die LBMA habe zwar über 100 Raffinerien akkreditiert, wo solche Verschmelzungen nicht stattfinden dürfen, aber weltweit gebe es "zahlreiche andere Raffinerien, die solches Gold verarbeiten und dabei seine Herkunft verschleiern", so Crowell.
Schlupflöcher für illegale Geschäfte
Damit steckt die Branche in einer Klemme. Es gibt zwar die besten Absichten, aber offensichtlich auch viele Schlupflöcher, die es ermöglichen, illegales Gold in den legalen Handel zu bekommen.
Peru gehört zu den größten Goldproduzenten weltweit. Doch illegale Goldminen breiten sich immer weiter aus. Ranger kämpfen gegen Umweltverschmutzung, Korruption und für den Schutz des Regenwalds.
12.11.2025 | 6:27 minIn Tessin in der Schweiz befindet sich eine der größten Goldraffinerien der Welt, die Firma Valcambi. Ihr Geschäftsführer, Simone Knobloch, bringt das Problem auf den Punkt: Im Moment gebe es keine wissenschaftliche Methode, um Gold zu analysieren und seine Herkunft eindeutig zu bestimmen.
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