"Kokain-Putsch" in Bolivien: Nazi Klaus Barbie half Drogenboss

Drogenhandel finanziert Regierungssturz:Wie ein Nazi dem Kokain-König in Bolivien zum Putsch verhalf

Kim Bachmann

von Kim Bachmann

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Naziverbrecher Klaus Barbie tauchte nach dem Zweiten Weltkrieg in Bolivien unter. Mit einem der größten Drogenbosse der Welt unterstützt er dort 1980 den "Kokain-Putsch".

Roberto Suarez mit einem Jaguar vor einer Karte von Amerika

Roberto Suárez gilt als "König des Kokains". In Bolivien baut er ein gigantisches Drogennetzwerk auf und er will noch mehr. Hilfe erhofft er sich von einem bekannten NS-Kriegsverbrecher.

26.03.2026 | 44:55 min

Im Juli 1980 steht Bolivien kurz vor der Wahl einer neuen Regierung. Nach einer Militärdiktatur soll eine Übergangsregierung Neuwahlen organisieren. Es zeichnet sich ein Sieg der Kommunistischen Partei ab. Die Stimmung ist aufgeheizt.

Kurz vor der Wahl kommt es in der Hauptstadt La Paz zu einem Aufstand. General Luis García Meza putscht sich mithilfe von Militär und paramilitärischen Gruppen an die Macht. Es beginnt eine Zeit voller Unterdrückung und Gewalt. Führende Politiker, Gewerkschafter und Regimekritiker werden verhaftet oder ermordet.

Kokainbeutel und Waffen vor einer Karte von Amerika

Im Juli 1980 kommt es in Bolivien zum sogenannten "Kokain-Putsch", es entsteht der erste Narco-Staat der Geschichte. Der NS-Kriegsverbrecher Klaus Barbie zieht im Hintergrund entscheidende Fäden.

26.03.2026 | 44:46 min

Einer der Drahtzieher hinter dem Staatsstreich ist der Drogenboss Roberto Suárez, der Coup geht als "Kokain-Putsch" in die Geschichte ein. Was lange unbekannt blieb: Eine Schlüsselrolle nimmt auch der NS-Verbrecher Klaus Barbie ein, bekannt für brutale Folter und Ermordungen in seiner Zeit als Gestapo-Chef in Lyon. Barbie war unter dem Decknahmen Klaus Altmann in Bolivien untergetaucht und hat ein Netzwerk aus Kontakten in die Politik, ins Militär und auch zu Suárez aufgebaut.

Drogenboss will kommunistische Regierung verhindern

Roberto Suárez, der "König des Kokains", agiert lange im Untergrund. Neben seinem Kokainhandel betreibt er Viehzucht. Dadurch sei bereits eine Logistik vorhanden gewesen, die Suárez später auch für andere Geschäfte nutzen konnte, erinnert sich sein Sohn Gary Suárez Levy. "Die Flugzeuge konnten durchschnittlich 500 Kilo Fracht transportieren."

Lateinamerika-Experte Jonas von Hoffmann

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Suárez will sein Drogengeschäft international aufziehen und weiter expandieren. Dabei soll ihm der Putsch helfen. "Wir wissen, dass Roberto Suárez den Coup mit Geld unterstützt hat. Für ihn war es von Interesse, dass es einen Putsch gibt, und das lag daran, dass unter einer rechten Militärregierung natürlich die Drogengeschäfte viel besser geführt werden konnten", sagt Christian Bergmann, Investigativ-Journalist und Co-Autor der ZDFinfo-Dokuserie "Das Nazi-Kartell". Suárez’ Ziel - der erste Narco-Staat der Geschichte.

Der Narco-Staat war ein Staatsmodell, wo Drogenhändler, Militärs, Geheimdienstler zusammenarbeiteten, um dieses Land zu beherrschen.

Christian Bergmann, Investigativ-Journalist

NS-Kriegsverbrecher Klaus Barbie als Strippenzieher des Putschs

Um seinen Plan umzusetzen, braucht Roberto Suárez Unterstützung. jemand, der eine Söldnertruppe organisiert sowie Kontakte zum bolivianischen Militär und in die Politik hat. Der ehemalige Gestapo-Chef Klaus Barbie, der in Bolivien unter dem Namen Klaus Altmann untergetaucht ist, scheint dafür ideal.

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Der ehemalige SS-Hauptsturmführer Klaus Barbie war von 1942 bis 1944 Gestapo-Chef in Lyon. Dort hatte er mehrere Tausend Menschen brutal foltern und ermorden lassen. Zudem soll er unter anderem die Deportation von 44 Kindern aus dem jüdischen Waisenhaus von Izieu nach Ausschwitz verantwortet haben.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs tauchte Barbie ab, um sich seinem Prozess in Frankreich zu entziehen. Ab 1947 soll er für den US-Geheimdienst Counter Intelligence Corps (CIC) spioniert haben, mit dem Ziel, kommunistische Aktivitäten in Europa zu verhindern. Da Frankreich weiterhin die Auslieferung Barbies verlangte, sollen ihm Mitglieder des CIC 1951 zur Flucht nach Lateinamerika verholfen haben.


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Auch Klaus Barbie alias Klaus Altmann hatte ein eigenes Interesse an einem Putsch, denn er fürchtete eine linke Regierung. "Das lag in seiner Vergangenheit begründet: Seine wahre Identität war nicht bekannt, und diese Identität war in einer rechten Militärregierung besser geschützt als in einer Demokratie", sagt Bergmann.

Boliviens Kokain-Handel auf dem Höhepunkt

Nach dem Sturz der Regierung kann Suárez sein Kokain-Imperium ausbauen. "Ab dem 17. Juli 1980 funktionierte der Kokainhandel wie ein öffentliches Unternehmen. Einfach jeder stellte Kokain her", sagt Vladimir Soliz, ehemaliges Mitglied der Kommunistischen Partei in Bolivien.

Es wurde auf der Straße wie Zucker verkauft.

Vladimir Soliz, ehemaliges Mitglied der Kommunistischen Partei in Bolivien

Auf seinem Höhepunkt soll Drogenboss Roberto Suárez rund 80 Prozent des weltweiten Kokain-Handels kontrolliert haben. Lange ist ihm die amerikanische Drogenbekämpfungsbehörde DEA auf der Spur, doch Suárez steht unter dem Schutz der Militärregierung.

Die Herrschaft García Mezas hält nur kurz. Ihm gelingt es nicht, die Unterstützung des Militärs zu sichern. Nach wiederholten Putschversuchen wird er schließlich am 4. August 1981 zum Rücktritt gezwungen.

Klaus Barbie wird von der neuen bolivianischen Regierung an Frankreich ausgeliefert. 1987 verurteilt ihn ein französisches Gericht zu lebenslanger Haft wegen seiner unzähligen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Auch Roberto Suárez wird 1988 von der bolivianischen Polizei verhaftet. Er wird 1992 aus dem Gefängnis entlassen und stirbt im Jahr 2000.

Roberto Suarez mit einem Jaguar vor einer Karte von Amerika
Quelle: ZDF Digital

Sehen Sie die Doku-Serie "Das Nazi-Kartell" am 9. April ab 20:15 Uhr bei ZDFinfo oder jederzeit im ZDF-Streaming-Portal.


Über dieses Thema berichtete ZDFinfo in "Der König des Kokains" am 26.03.2026 um 05:00 Uhr.

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